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VinschgerWind

Bio – Eier vom Psegghof

s34 6216Der Blick fällt hinunter aufs Tal, nicht nach Süden sondern die nördliche Kulisse liegt ihnen vor Augen. Philipp Thoma und Alexandra Zöggeler hat es vor vier Jahren an den Tschengelser Berg auf 1250m verschagen.

von Barbara Wopfner

Hätte man Philipp Thoma vor zehn Jahren gefragt wo er sich einmal sehen würde, dann hätte er sicher nicht wieder an den Vinschgau gedacht.

Der gebürtige Prader zog vor einigen Jahren ins Burggrafenamt, hatte sich dort seinen Lebensmittelpunkt um Familie und Beruf aufgebaut. Gemeinsam mit seiner Partnerin, die Lananerin Alexandra Zöggeler, wurde der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben geboren. Beide haben ihre beruflichen Erfahrungen aus der biologischen Lebensmittelbranche und sich dadurch einen engen Bezug zu den Themen Essen, Gesundheit und Nachhaltigkeit angeeignet. Die Überlegung in die Landwirtschaft einzusteigen, sich beruflich komplett zu verändern, schien zunächst ein Hirngespinst zu sein. Die Suche nach einem  kleinen finanzierbaren Hof verlief anfänglich sporadisch, als dieser Gedanke schon fast bei Seite gelegt wurde, ergab sich eine Gelegenheit. Der Weg ins Vinschgau kam unverhofft, doch es war vom ersten Augenblick klar, hier sollte es sein.


„Für uns war es eine bewusste Entscheidung, weg von der Monokultur, weg vom Konsum hin zu einem bewussten Leben in und mit der Natur.“
(Philipp und Alexandra)


s34 6140Hier erfüllen sie sich derzeit in mühevoller Handarbeit ihren Lebenstraum, nach bestimmten Vorstellungen, mit klarer Visionen und eigener Philosophie.
Den Grundstein haben sich die beiden  aus dem Biohandel mitbebracht, Kontakte zu lokalen Händlern die ihnen ihr Produkt abnehmen: „Das Bio – Ei“. In den letzten zwei Jahren baute Philipp  einen Stall in dem heute 600 Hühner wohnen, daneben haben zehn Jura Schafe ihre Unterkunft und ein „Wollschwein Magalitza“ Eber, lebt friedlich mit drei Sauen und Nachwuchs im Freilandgehege; der Hund Nemo behält alles sorgfältig im Auge. Die Hühner leben in zwei Gruppen, haben im Winter einen überdachten Auslauf vor dem Stall, im Sommer dürfen sie auf die umliegenden Weiden. Wie in einem „Feldwechsel“, wandern die Hühner in der schneefreien Zeit von Weide zu Weide, damit sich jede Wiese wieder regenerien kann.
Für Alexandra und Philipp ist es ein Zusammenspiel der Natur, ein Geben und Nehmen, das sie versuchen zu verfeinern. Ein achtsamer Umgang ist dazu unumgänglich. Das gute „alte“ Suppenhuhn soll wieder einen Wert bekommen: Das Huhn das zu alt für das Eier legen wird, soll nicht mehr auf dem Müll laden, denn gerade ihn ihm schlummern unvermutete Fähigkeiten. Ein Huhn entwickelt für sich im höheren Alter ein natürliches Antibiotikum, das schade wäre weg zu werfen, so Alexandra. Nicht umsonst hat die Hühnerbrühe einen guten Ruf. Altes Wissen wollen sie für sich wieder aufleben lassen. Die Hühnerherde soll einen, wenn möglich sogar mehrer Hähne haben, sie passen auf ihr Gefolge auf und nehmen Gefahr aus der Luft schneller war. Alexandra tüftelt bereits an einer kleinen eigenen Zucht mit alten Rassen, wie Altstairer Hühner. Diese Rasse wäre für eine Freilandhaltung noch besser geeignet, da sie resistenter sind und noch natürliche Instinkte zur Aufmerksamkeit besitzen, mit denen sie Gefahr schneller wahrnehmen können. Damit das Wohlbefinden im Stall gesteigert werden kann, arbeiten sie mit mit EM den „effektive Mikroorganismen“. Es sind dies natürliche Bakterienstämme, die über dem Boden und das Fressen verteilt werden, damit Krankheitserreger nicht aufkommen. Wichtig für sie, die Hühner bekommen kein Antibiotika. Damit Bioqualität produziert werden kann, stehen wie nach Vorschrift jedem Huhn mindestens vier Quadratmeter  Freilauf, genügend Platz auf dem „Hennenstiegl“, eine gute Hygiene und zertifiziertes Biofutter zur Verfügung. Ihre beiden Hühnerherden sind im Vergleich zu anderen Geflügelbetrieben klein, jedoch größer wollen sie nicht werden, damit sie ihre Qualität halten können und es somit ein gesunder Kreislauf bleiben kann.

„Der Weg in Richtung Selbstversorgung, das Gärtnern nach dem Vorbild der Natur, die Permakultur, gibt Würde und Selbstvertrauen zurück. Und schenkt Lebens(mittel)qualität und Lebensfreude“.
(Philipp und Alexandra)


s34 6201„Ziel soll es sein, so autark wie möglich zu leben.“ Um für die erste Zeit über die Runden zu kommen und mit einem Einkommen zu starten, leben sie mit und von ihren 600 Hühnern, die im Schnitt 500Eier am Tag legen. Langfristig gesehen, sollen noch weitere Einnahmequellen am Hof gefunden werden. Fleisch haben sie für den Eigengebrauch von den Schweinen und Schafen. Mit dem Beginn der Rauhnächte wird die „Selchkuchl“ in Betrieb genommen. Für das Rezept vom Speck haben sie das Wissen von vielen zusammengetragen, genau notiert und ein eigenes daraus geschaffen. So auch für die Kaminwurzen und die Hauswürste. „Mir welln wissn wos mir essen“ ist ihr Leitsatz, den sie Schritt für Schritt versuchen umzusetzen. Im Austausch mit anderen ökologischen Landwirten und persönlicher Weiterbildung versuchen sie ständig neues Wissen auf den Hof zu bringen.
 

„Mir sein do so reich beschenkt, weil mir do sou viel hobm. Mir terfen mit insre zwoa Kinder zusommen am Hof in der Natur leben.“
(Alexandra und Philipp)

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