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Josef Feichtinger - Der Krieg und die Frauen

s28 josef feichtinger flucht zurueck 2Josef Feichtinger ist ein Kind des Krieges und ein Opfer politischer Propaganda. Er ist nicht nur während des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1938 geboren. Der Krieg hat ihm auch seinen Vater genommen. Kurz vor Kriegsende im April 1945 wurde er von einer Mine getötet. Eigentlich hatte Feichtinger zwei Väter und zwei Mütter.

Doch seine leibliche Mutter ist bei der Geburt gestorben und sein leiblicher Vater tödlich verunglückt als er zwei Jahre alt war. Ein Monat alt, kam er zu seinen Adoptiveltern nach Laatsch bei Mals. In seinem Bewusstsein waren sie seine eigentlichen Eltern. Er wurde zum Adoptivkind, was er erst mit 13 Jahren erfahren hat. Seine Adoptivmutter wurde zu seiner Mutter, sie gab ihm den Halt und die Nestwärme, die er brauchte. Diese Nestwärme machte die Brutalität des Krieges ein winziges bisschen erträglicher. Allerdings führte diese enge Bindung dazu, dass er zu einem Muttersöhnchen wurde. Dies schreibt Josef (Pepi) Feichtinger in der autobiografischen Erzählung „Flucht zurück“, die zu seinem 80. Geburtstag in der Edition Raetia erschienen ist. Diese Erzählung über seine Auswandererkindheit ist vielleicht der Schlüssel zum tieferen Verständnis seiner Werke und seiner Denkweise. Seine Adoptiveltern waren Dienstboten, der Vater war Schmuggler und arbeitete als Holzhändler, bis er arbeitslos wurde. Er hatte nichts, außer einen schwarzen Schnurrbart. Zu früh musste er in den Krieg. „Das Bild vom Vater ist das Bild eines Fotografen bei seinem letzten Urlaub“, schreibt Feichtinger. Der arbeitslose Vater verfiel der Nazipropaganda, so wie viele der „kleinen Leute“, die Opfer der „Großen“ wurden. Er wurde Optant, hatte nichts zu verlieren. Für den Bauernsohn war Bauer-Sein das höchste. Die Umsiedlung im Jahre 1940 führte die Familie nach Oberösterreich. Sie bekamen aber keinen Hof, sondern landeten im „Hakenkreuzparadies“, im Barackenlager, wo das Leben auf Kommando abläuft und auf engstem Wohnraum die Tiernatur hervorbricht. Sie kamen auf einen Bauernhof bei einem Nazibauern mit Bocksgelüsten, dem absoluten Gewaltherrscher innerhalb seines Anwesens. Josef Feichtinger wurde zum Auswandererkind, zum Flüchtlingskind, zu einem Migrantenkind würde man heute sagen. Es begann die „Koffer-existenz“, die Zeit der Unsicherheiten, der Umzüge, der Neuanfänge in der Fremde. Sie wurden geduldet, aber nicht aufgenommen, kaum war er mit der neuen Situation vertraut, mussten sie schon wieder umziehen und neu anfangen. Der Aufbruch ins Ungewisse wurde zum Alltag über mehrere Jahre. Die Heimat, der Sehnsuchtsort war weit weg. Seine Mutter, der braungraue Plüschbär Anton und noch ein paar freundliche Frauen waren in seiner Schwarz-Weiß-Welt die weiße, helle und freundliche Seite. In dieser Situation erkannten seine Eltern den großen Betrug, dem sie aufgesessen waren. Diese Lebenserfahrung, die Kriegspropaganda, die leeren Versprechungen von Politikern und Wirtschaftsbossen werden zum zentralen Thema der verschiedenen Werke von Josef Feichtinger. Auch sein Misstrauen gegen Mächtige, gegen jede Form von Propaganda, gegen Bürokratie und Verwaltungsapparate hat in dieser Lebenserfahrung seine Wurzeln. Die Ironie, die Satire und der Spott sind seine Antwort auf politische und wirtschaftliche Macht, Machtarroganz und Größenwahn. „Der Überlebenskampf hat meine Kindheit verstümmelt“, schreibt Feichtinger. „In meiner Einsamkeit lernte ich lesen“. Die Bücherwelt und die Theaterwelt wurden zu seiner Rettungsinsel. Die Nazi-Pädagogik „Marschieren statt Buchstabieren“ stellte er auf den Kopf. In den Bildern seiner Kindheit, so schreibt Feichtinger, gab es stundenlanges Warten und die Wartezeit wurde mit Hoffnungsfantasien vertrieben. „Wer bist? Wo hast deine Leut? Wo bist daheim?“, fragten seine Schulkameraden. Auf die letzte Frage wusste er keine Antwort. Er lebte ein provisorisches Leben als Bürger eines Niemandslandes. Die Hoffnung wurde zu Hoffnungslosigkeit, die Sehnsuchtsworte „Heimat“ und Friede“ zu einer leeren Worthülse. Er kam von Linz nach Prutz, dann nach Hall und 1951 endlich nach Mals. In der Schule in Marienberg, später in Meran war er glücklich. Heimat, so sagt er, hat er erst später in Vetzan gefunden, durch seine Frau Edeltraud und zu einer Familie wurden sie zusammen mit den beiden Töchtern Magdalena und Margit. Der Krieg hat ihm den Vater und viele Illusionen genommen, die Frauen haben ihm Nestwärme, Heimat und Familie gegeben.  
Heinrich Zoderer

Josef Feichtinger, geboren am 5. Jänner 1938 als Josef Weger, erhielt er wenige Monate später den Namen Feichtinger von seinen Laatscher Adoptiveltern. 1940 im Zuge der Option Übersiedlung nach Oberösterreich. 1951 Rückkehr nach Südtirol, Besuch des Gymnasiums im Kloster Marienberg und in Meran. Ab 1958 Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Geschichte in Wien. 1965 Promotion mit der Dissertation „Italienische Dramatik auf dem Burgtheater“. Zuerst drei Jahre Unterricht an der Mittelschule in Mals, 1966 bis zu seiner Pensionierung 1999 als Lehrer für Deutsch und Latein am Realgymnasium in Schlanders. Lebt mit seiner Frau Edeltraud in Vetzan/Schlanders. Zwei Töchter: Magdalena und Margit. Josef Feichtinger ist der meistgespielte Südtiroler Theaterautor. Am 6. Jänner 2018 erhielt er bei der Geburtstagsfeier im Kulturhaus von Schlanders zu seinem 80. Geburtstag die Ehrenmedaille der Marktgemeinde Schlanders.

Theaterstücke und Publikationen von Josef Feichtinger

s34 theaterTheaterstücke, gespielt von der Theatergruppe Kortsch
1982: Grummetzeit - Ein Volksstück in drei Akten
1984: Die Lindenwirtin unverschuldet in Nöten
1986: Flurbereinigung Ländliche Posse (von Helmut Bacher, bearbeitet von J. Feichtinger)
1987: Kirchturmpolitik Posse in neun Bildern
1989: St. Valentin, Szenen aus dem Südtiroler Exil
1996: Wirblmocher. Volksstück aus Tirol in acht Bildern
2009: Tod eines Verräters – Acht Szenen um Josef Daney
2016: Hauptmann Spadone marschiert – Szenen aus dem Ersten Weltkrieg

Undatierte Stücke:
Schloss Grausbirn
Flop oder Jesu Herzflimmern
Brennessel tanzt – ein Märchenspiel
Delicious Polka. Ländlicher Einakter für Volksbühne
Das Hostienwunder von Lepsian. Hörspiel
Der Kandidat. Eine Moralität
Senator Fifa. Politposse

Weitere Stücke:
1981: Verbautes Frühjahr.
Ein Stück in 17 Bildern
1985: Heidemarie 13 Szenen aus dem Alltag eines jungen Mädchens
1985: Judas aus Karioth – ein Passionsspiel
1985: Odysseus streikt – eine „unlustige Komödie“ in neun Bildern
1990: Der Saubohnenprozess. Eine Posse.
1992: Audienz bei Claudia. Ein Festspiel in einem Akt
1998: Schwarzwastl. Szenen aus dem Leben des letzten Tearner Hexenmeisters
2001: Liebe, List und Vinschgerbahn.
Posse mit Gesang in vier Akten
2001: Der Kugelspieler und s´Dornröschen. Ein Volksstück
2004: Der Zerz vom Zerzatal oder Kasperle wird gescheit. Ein Kasperlespiel für Mittelschüler und junge Erwachsene
2005: Saligtyrol. Eine Haupt- und Staatsaktion
2010: Die Laatscher werden verschenkt. Vier Szenen zur Geschichte des Dorfes

Wissenschaftliche Werke:
1984: „Tirol 1809 in der Literatur“ Eine Textsammlung. Verlag Athesia, 513 Seiten
1994: „Begegnungen. Tiroler Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts“ herausgegeben zusammen mit Gerhard Riedmann, Verlag Athesia, 520 Seiten
2010: „Hofers fünf Hüte“ gemeinsam mit Luis Benedikter, Edition Raetia, 147 Seiten
2013: „Kämpfen für das Heiligste“ Tiroler Stimmen zum Ersten Weltkrieg. Edition Raetia, 423 Seiten

Erzählung:
2018: „Fluchtzurück Eine Auswandererkindheit“, Edition Raetia,
108 Seiten

Kommentare   

0 #1 JacklynJuicy 2018-10-28 17:38
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