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Mörtel aus 12 Jahrhunderten werden im Kloster St. Johann in Müstair unter die Lupe genommen

PM 190617 muestairIm März ist das durch den Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Projekt „Mortar technology and construction history at Müstair Monastery“ angelaufen. Am 7. Juni kamen die teilnehmenden Wissenschaftler zum ersten Mal in Müstair zusammen, um das Kloster zu besichtigen und die Forschungsstrategie zu besprechen.

Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung hat eine bedeutende Summe bewilligt, um die Entwicklung der Bautechnik, insbesondere der verwendeten Mörtel und Putze, im UNESCO-Welterbe Kloster St. Johann in Müstair zu untersuchen. Kein anderes Gebäude in Europa besitzt eine so lange und komplizierte Baugeschichte, und ist gleichzeitig so gut erforscht. Fast 5.000 Mörtelproben aus zwölf Jahrhunderten wurden seit 1969 gesammelt und schlummerten bisher im Funddepot von Müstair, darauf wartend, ausgewertet zu werten.

In den kommenden drei Jahren wird ein Team von Archäologen, Restauratoren, Geologen, Mineralogen und Physikern der Stiftung Pro Kloster St. Johann, der Scuola Professionale della Svizzera Italiana in Lugano und der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich diese Proben unter die Lupe nehmen, um die Lagerstätten der Rohstoffe, die verwendeten Zuschlagstoffe, die Mischungsverhältnisse, sowie die bautechnischen und mechanischen Eigenschaften der Mörtel und Putze zu untersuchen. Es ist zu erwarten, dass das Forschungsprojekt wichtige Einblicke in die Bautechnologie des Mittelalters und der Neuzeit gewähren wird, die auch für heutige Anwendungen relevant sind. Darüber hinaus erhoffen sich die Projektteilnehmer neue Erkenntnisse über die kulturellen Aspekte des historischen Bauwesens, wie die Zirkulation von Wissen und Ideen, die Mobilität der Handwerker, oder dem Verhältnis zwischen Innovation und Tradition im Bauhandwerk. Das Projekt erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Biosfera Val Müstair, die das Projekt finanziell unterstützt. Insbesondere die geplante Bestimmung und Untersuchung der Lagerstätten für Stein, Kalk und Sand, der historischen Holznutzung und der Standorte der Kalköfen sind Themen von grosser Bedeutung für das Verständnis der historisch gewachsenen Kulturlandschaft der Val Müstair.

Am 7. Juni fand das erste grosse Treffen aller Projektteilnehmer in Müstair statt, bei dem die Strategie für das nächste Jahr bestimmt wurde. Es ist beabsichtigt, im Laufe des Projektes die wissenschaftlichen Ergebnisse national und international durch Vorträge, Tagungen und Veröffentlichungen zu verbreiten. Ausserdem werden die Informationen über Rohstoffe, Mischungsverhältnisse und technische Eigenschaften der historischen Mörtel nach Abschluss des Projektes in die Restaurierungspraxis einfliessen, sowie interessierten Handwerkern durch praktische Kurse vermittelt werden.

 

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