VinschgerWind

„Zählen auf eure Geschlossenheit“

PM 060218 Vinschgau ErbhofEinen Rückblick auf das Landwirtschaftsjahr, einen Ausblick auf kommende Herausforderungen und die Auszeichnung eines neuen Erbhofes: Das waren die Höhepunkte der heutigen Jahreshauptversammlung des Bauernbund-Bezirks Vinschgau.

Bauernbund-Bezirksobmann Raimund Prugger blickte anfangs auf das Landwirtschaftsjahr im Vinschgau zurück: „In der Grünlandwirtschaft war der erste Schnitt aufgrund der Trockenheit wenig erfreulich, danach passte sowohl die Qualität als auch die Quantität. In der Milchwirtschaft freuten sich die Bauern über stabile Preise. Der Obstbau macht bereits seit einigen Jahren eine Durststrecke durch, 2017 kamen auch noch verbreitet Schäden durch Frost und Hagel dazu.“

Gut sei die Stimmung hingegen bei den Weinbauern, die eine gute Qualität und einen guten Absatz bei der heimischen Gastronomie verzeichnen konnten. Auch im Gemüseanbau sind die Preise recht stabil, bei den Sonderkulturen wie z. B. den Kirschen machte vielerorts der strenge Frost den Bauern zu schaffen. „Sowohl beim Gemüse als auch bei den Kirschen gäbe es bei den Anbauflächen noch Luft nach oben“, berichtete Prugger. Überdurchschnittlich sei der Ertrag bei den Imkern gewesen. „Allein schon diese Jahresbilanz der vielen Sektoren der Vinschger Landwirtschaft zeigt, dass jegliche Diskussion über angebliche Monokulturen fehl am Platz ist“, unterstrich Prugger.

Vertrauen bestes Mittel gegen Desinformation

Als Gastreferent bei der Bezirksversammlung war Thomas Aichner von der IDM geladen, der den anwesenden Bäuerinnen und Bauern seine Gedanken zur „Landwirtschaft im Brennpunkt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ näherbrachte. Die Landwirtschaft habe es bislang immer verstanden, innovative Wege zu gehen und doch die eigenen Traditionen hochzuhalten.

Ein Problem habe sie zunehmend mit der wachsenden Distanz der Gesellschaft zu den Produktionsabläufen in der Landwirtschaft. „In Südtirol ist jener Anteil der Bevölkerung, der einen direkten Bezug zur Landwirtschaft hat, noch vergleichsweise hoch. Aber auch hierzulande wächst die Desinformation – und das hat zur Folge, dass viele sich die Informationen irgendwo aus dem Netz suchen und sich mit diesem Wissen dann als Experten ausgeben“, erklärte Aichner. Das beste Gegenmittel gegen diese Desinformation sei aber nicht unbedingt eine rechthaberische Form der Kommunikation, sondern der Aufbau von Vertrauen. „In einem kleinen Land wie Südtirol gibt es zahlreiche Interessen, die miteinander in Einklang zu bringen sind. Das heißt aber auch für alle, dass sie Kompromisse eingehen und sich an Spielregeln halten müssen, damit der soziale Friede gewahrt bleibt“, betonte Aichner.

Digitalisierung muss Erleichterung bringen

PM 060218 Vinschgau PruggerMehrmals zur Sprache kam bei der Bezirksversammlung das Thema Digitalisierung. Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner, der in seinem Referat auf die kommenden Herausforderungen an einen Verband einging, sprach sich für eine sinnvolle Nutzung der Digitalisierung aus: „Die Digitalisierung von bestimmten Abläufen hat nur einen Sinn, wenn sie für die Menschen eine Erleichterung bringt. Nur wenn sie Abläufe einfacher macht, wird sie auch angenommen.“ Der Bauernbund selbst sei in diesem Bereich in vielerlei Hinsicht Vorreiter: „Schon jetzt bieten wir einige Kurse als Online-Kurse an, dieses Angebot wollen wir ausbauen. Auch planen wir eine benutzerfreundliche App, mit der wir möglichst viele Dienstleistungen zusammenfassen und vereinfachen wollen.“, berichtete Rinner. Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler räumte ein, dass die Einführung des digitalen Almregisters im vergangenen Jahr sehr kurzfristig und holprig erfolgt sei, dennoch bringe sie eine wesentliche Arbeitsersparnis und sei ein wichtiger Schritt gewesen. Bezirksobmann Prugger verwies auf die mangelnde Versorgung mit schnellem Internet im Vinschgau: „Solange die Situation so dürftig ist wie jetzt, werden wir uns mit der Digitalisierung immer schwer tun“, betonte der Bezirksobmann.

Gute Vertreter im Parlament und Landtag nötig

Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler verwies auf die vielen kommenden Herausforderungen auf politischer Ebene, die in den kommenden Monaten bevorstehen: „Wir hoffen, dass das neue Landesraumordnungsgesetz bald über die Bühne ist, damit es mit Anfang 2019 in Kraft treten kann und wir nicht mit der neuen Landesregierung wieder von vorne beginnen müssen. Zum anderen hoffen wir auf ein gutes neues Höfegesetz, schließlich ist dieses einer der Grundpfeiler für den Erfolg unserer Landwirtschaft.“ Eindrücklich schwor Tiefenthaler die Bauern aber auf die kommenden Wahlgänge ein: „Sowohl bei den Parlamentswahlen Anfang März als auch bei den Landtagswahlen im Herbst kommt es darauf an, dass unsere guten Kandidaten erfolgreich abschneiden. Dafür brauchen wir die Unterstützung von euch allen, wir zählen auf eure Geschlossenheit!“

Neuer Erbhof in Kastelbell

PM 060218 Vinschgau SaalEin feierlicher Höhepunkt der Bezirksversammlung war die Verleihung der Erbhofurkunde an die Familie Mitterer vom Angergut-Hof in Kastelbell. Der Hof wurde 1817 erstmals urkundlich erwähnt und ist seitdem im Besitz der selben Familie. Mitte der 1970er-Jahre wurde der Hof auf Obst- und Weinbau umgestellt, seit rund 30 Jahren gehört zum Betrieb auch ein erfolgreicher Buschenschank. „Dass unsere Landwirtschaft heute so gut dasteht, ist hauptsächlich das Verdienst der Familien, die unsere Höfe bewirtschaften. Eine Erbhofurkunde ist daher eine besonders wertvolle Auszeichnung und ein Dank an die Familie für ihre herausragende Leistung“, unterstrich Landesrat Schuler.

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