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Südtirol - 100 Jahre zwischen Tirolität und Italianità

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Südtirol –100 Jahre zwischen Tirolität und Italianità

Ein NZZ Format über das Zusammenleben der Sprachgruppen, ihre aussergewöhnliche Autonomie und alte Wunden, die wieder aufzubrechen scheinen: Donnerstag, 1. November, um 23.00 Uhr auf SRF 1.

Reto Caduff25.10.2018, 23:00 Uhr

Vor genau hundert Jahren wurde Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg Italien zugeschlagen. Eine jähre Zäsur für die Bevölkerung nach 550 Jahren im Habsburgerreich. Heute lebt rund eine halbe Million Menschen in der autonomen Region. 70% davon gehören noch immer der deutschsprachigen Volksgruppe an. Die einst arme Gegend zwischen Brenner und Gardasee hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte zur wirtschaftlich erfolgreichsten Region in Italien gemausert. Ist die Kombination von italienischem Charme und teutonischem Fleiss der Grund dafür? Leben die Sprachgruppen noch immer nebeneinander oder vermehrt miteinander?

Vom Armenhaus zur Vorzeigeregion

In Südtirol hat man es verstanden, die weitgehende Autonomie zu nützen, um sich zu einer der wohlhabendsten, modernsten und wirtschaftlich florierendsten Regionen nicht nur Italiens, sondern ganz Europas zu entwickeln. Südtirol gilt heute als Modellbeispiel für die Autonomie von ethnischen Minderheiten und zeigt, wie trotz einer konfliktreichen Vergangenheit ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen möglich ist. Dies lässt auch für andere Regionen Europas und der Welt hoffen, die diesen steinigen Weg noch vor sich haben.

Doppelpass als Störmanöver

Doch der vermeintliche Friede wird immer wieder durch Störmanöver auf die Probe gestellt. Derzeit ist es die Idee eines Doppelpasses für die deutsche und die ladinische Bevölkerung in Südtirol, die für Zündstoff sorgt. Die österreichischen Regierungsparteien FPÖ und ÖVP haben die Idee dafür lanciert und geben so auf der einen Seite Träumen von einem «Grosstirol» Nahrung. Auf der anderen Seite schüren die gleichen Aktionen die Ängste vor einer Entfremdung der Volksgruppen und einer Verschärfung der kulturellen Gräben. Kaum verwunderlich, ist man in Rom gar nicht davon angetan, dass die Identitätsfrage aufgebauscht wird, und wertet dies als den Versuch, eine politische Spaltung herbeizuführen.

Wunden aus der Geschichte

Die beschauliche Welt Südtirols erlebte in den vergangenen hundert Jahren jähe Zäsuren. Das jahrhundertealte Selbstverständnis als Tiroler und als Teil des Habsburger Grossreiches wurde durch die Annexion durch italienische Truppen im Jahr 1918 nachhaltig erschüttert. Aus den Tirolern sollten Italiener werden, und zwar möglichst rasch. In den darauffolgenden Jahrzehnten des Faschismus setzte Benito Mussolini in Südtirol eine Zwangsitalianisierung durch, mit dem Ziel, die Tiroler Kultur mehr oder weniger des Landes zu verweisen.

Immerhin sicherte Italien nach Ende des Zweiten Weltkrieges der deutsch- und der ladinischsprachigen Minderheit Autonomierechte zu und akzeptierte Österreich als Schutzmacht. Seitdem hat sich viel getan. Die Autonomie wurde immer weiter ausgebaut, der Erfolg Südtirols gilt mittlerweile weltweit als Aushängeschild für die Selbstbestimmung einer ethnischen Minderheit und wirtschaftliche Prosperität. Knapp 90% der Steuereinnahmen bleiben in der Region und werden gut verwaltet. Südtirol ist in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmefall im Europa der Regionen. Die Unterschiede, die die Volksgruppen einst in einander feindlich gesinnte Lager spaltete, sind zu einer Art Alleinstellungsmerkmal geworden. Vereint in Vielfalt: Was sich die EU als Leitspruch auf die Fahnen geschrieben hat, wird in Südtirol erfolgreich gelebt.

Sehen Sie den Film in ganzer Länge am Donnerstag, 1. November, um 23.00 Uhr auf SRF 1

 

Neue Zürcher Zeitung

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