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Die Stilfserjochstraße

s14 3150Prad am Stilfserjoch - Die Stilfserjochstraße hat eine grandiose Baugeschichte, eine bedeutende Vergangenheit. Hat sie auch eine grandiose Zukunft? Zu diesen Themen wurde in Prad gesprochen. Organisiert wurde der Abend vom Bildungsausschuss Prad, dem Tourismusverein Prad und geleitet vom gebürtigen Prader und Professor in München Gert Karner.

von Erwin Bernhart

Gut besucht war die Veranstaltung „Prad und die Straße übers Joch“ am vergangenen Freitag im Nationalparkhaus aquaprad.

„Ohne uns geht gar nix“, scherzte der Prader BM Karl Bernhart in seinen Grußworten. Prad sei die einzige Gemeinde, die das Stilfserjoch in seinem Namen trage. 5 Kilometer von den insgesamt 27,5 km der Stilfserjochstraße verlaufen auf Gemeindebegiet von Prad.
Gert Karner referierte über die Bedeutung von Verbindungsstraßen in der Geschichte, von Saumpfaden in der Jungsteinzeit, über das römische Straßennetz, welches mit der Via Claudia Augusta auch Prad tangiert hat, hinauf zu den insgesamt 144 Königsszügen nach Rom zur Krönung durch die Päpste, von denen die Gründungslegende des Klosters St. Johann in Müstair Karl den Großen betrifft. Über das Stilfserjoch selbst wurden 1630 12.000 mailändische Soldaten geführt. Karner erzählte von der Verhüttung von Silber und Kupfer aus Stilfs und von Eisenerz aus Sulden in der Schmelz bei  Prad, wo der Schmelzofen bis 1812 betrieben worden ist. Aus militärischen Erwägungen wurde dann die Stilfserjochstraße in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts erbaut und gewann mit dem aufkommenden Alpentourismus an Bedeutung.
Der ehemalige Joch-Hotelier Arthur Gfrei ließ in seinen Ausführungen über die Baugeschichte tief in die Bauplanung blicken. Es waren die Franzosen, die die Planung von Bormianer Seite in die Wege leiteten und mit Filippo Ferranti dafür einen geeigneten Ingenieur anheuerten. Nach dem Wiener Kongress war es im Interesse des Hauses Habsburg, die Lombardei mit einer Militärstraße über das Stilfserjoch rasch erreichbar zu machen. Mit der Planung und der Bauaufsicht von Ingenieur Carlo Donegani wurde die Jochstraße zwischen 1823 und 1825 gebaut. Mit Begeisterung schilderte Gfrei die Entschädigungsforderungen von Seiten der Prader Bauern wegen der zu verlegenden Mistlegen, wegen der Stall- und Stadelzufahrten. Auch gab es von Seiten der Pfarrer von Agums, Lichtenberg und Stilfs Beanstandungen wegen der Hurerei rund um die Baustelle.
Den Schwenk in die Gegenwart machte Architekt Arnold Gapp mit Planungsvorschlägen für die Festung Gomagoi als Tor zum Joch und für ein „geordnetes Chaos“ auf der Passhöhe.
Mit der Lombardei sei eine Gesellschaft geplant, sagte LR Richard Theiner, die die Projekte für die Aufwertung der Stilfserjochstraße umsetzen solle.

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