VinschgerWind

Landlibell gegen Schiebel?

s4 titel schiebelBozen/Vinschgau - Im sog. „Landlibell“, einer Urkunde von Kaiser Maximilian I. von 1511, wurde festgelegt, dass die Tiroler zur Verteidigung des Landes Kriegsdienste zu leisten hatten. Mit diesem Landlibell konnten sich die Tiroler anderweitigen Kriegsdiensten entziehen - bis kurz vor dem I. Weltkrieg.

von Erwin Bernhart

Die Klage, die LR Arnold Schuler gegen den aus Salzburg stammenden und in Mals lebenden Buchautor Alexander Schiebel, gegen den oekom-Verlag und gegen das Umweltinstitut München einreicht, erinnert etwas an dieses Landlibell - an eine Art Landesverteidigung.

Denn es wird mobil gemacht im Lande: Der Klage schließen sich die VI.P, also die Genossenschaft der Vinschgauer Obst und Gemüseproduzenten, die VOG, der Verband der Obstgenossenschaften, der Bauernbund  und daneben auch einzelne Bauern an. Es gleicht tatsächlich einer Generalmobilmachung gegen „Auswärtige“, eine Art Verteidigung Tirols, in diesem Fall der Apfel-anbauende Teil Südtirols. Schiebel und dem Umweltinstitut München  wird vorgeworfen, mit „übler Nachrede“ zu argumentieren, das Land schlecht zu machen, „Pestizidtirol“ usw. „Inangaling isch genua“, ließ sich der Agrarlandesrat in der Neuen Südtiroler Tageszeitung zitieren. Alexander Schiebel hat vor allem in seinem Buch „Das Wunder von Mals“ arg provoziert und wirft darin den Südtiroler Obstbauern unter anderem „vorsätzliche Tötung“ vor. Schiebel hat solche Zeilen geschrieben: „Die einzigen, die schreien sind die Obstbauern. Sie bejammern ihr schweres Los, wenn jemand ihre unreflektierte Spritzpraxis kritisiert. „Man fühlt sich ja schon wie ein Schwerverbrecher, wie ein Mörder gar“, sagen sie. Wirklich? Nein, so weit würde ich nicht gehen. Es handelt sich eher um fahrlässige Tötung. Oder eigentlich, nein, auch dieser Begriff trifft es nicht ganz genau. Nicht fahrlässig. Vorsätzlich! Tötung durch vorsätzliches Ignorieren der Gefahren...“ Unter anderem auch das war Schuler und den Bauern zuviel. Man lasse sich sowas nicht gefallen und schon gar nicht von „Auswärtigen“.
Schiebel nimmt’s, nach außen zumindest, gelassen. Auf seiner facebook-Seite wetzt er die Messer. Denn eine bessere Performance könne man der Pestizidproblematik nicht bieten.
Auch dem Umweltinstut München kommt die Klage-Plattform gerade recht. In ihrem Newsletter geht bereits der Spendenaufruf um: „Kritik muss in einem demokratischen Rechtsstaat erlaubt sein und darf nicht mit Hilfe von Gerichten mundtot gemacht werden. (...) Trotzdem könnte es zu einem langwierigen Verfahren kommen. Bitte helfen Sie uns jetzt mit einer Spende dabei, die Auseinandersetzung mit der Südtiroler Landesregierung zu gewinnen!“
Ob das aktuelle Landlibell die Geister, die in Mals heraufbeschworen worden sind, bändigen kann, wird sich zeigen.

 

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