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Immer wieder Pestizide

s14sp234 Lobis Oberhuber ZallerMals - Seit 10 Jahren ist Mals auf dem Weg zur pestizidfreien Gemeinde. Mitte Oktober gab es wieder einen Vortrag und eine Diskussion. Rund 100 Personen kamen zu dieser Veranstaltung, organisiert vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz und der Umweltschutzgruppe Vinschgau.

von Heinrich Zoderer  

Zu Beginn der Abendveranstaltung referierte Johann Zaller, Wiener Professor für Ökologie an der Universität für Bodenkultur und Autor des Buches: „Unser täglich Gift. Pestizide – die unterschätzte Gefahr“.

Anschließend gab es eine Diskussion mit Johann Zaller und Michael Oberhuber, dem Direktor des Versuchszentrums Laimburg. Pestizide sind Gifte gegen Pilze (Fungizide), Insekten (Insektizide), Pflanzen (Herbizide) oder Schnecken (Molluskizide). Es gibt aber auch Bio-Pestizide wie Kupfer und Schwefel. Nicht nur die Landwirtschaft, auch Private, die Gemeinden oder die Eisenbahn verwenden Pestizide. Auch in Hotels, Museen oder Flugzeugen werden Pestizide eingesetzt. In Holland, Italien und Portugal werden die größten Pestizidmengen in Europa ausgebracht. In Italien waren es 7,4 kg/ha, in der Region Trentino Südtirol 40 kg/ha. Alle sind mit Pestiziden konfrontiert, denn nach Zaller werden für die Produktion einer Pizza, eines Gläschens Wein und eines Apfels bzw. einer Banane rund 1.200 Pestizide eingesetzt. Und der Trend zu mehr Pestiziden nimmt zu. Durch die Klimaerwärmung kommen über das Wasser Pestizide in den Umlauf, die schon längst verboten sind. Zaller kritisierte, dass bei der Forschung nur die Wirkstoffe, nicht aber die Beistoffe und nur die kurzfristigen Wirkungen, aber nicht die Langzeitwirkungen untersucht werden. Das Bienensterben hat mit den Pestiziden zu tun, in Frankreich wird Parkinson bei Weinbauern als Berufskrankheit durch Pflanzenschutzmitteln anerkannt. Zaller betonte, dass es genug Alternativen gibt. Wichtig sind die richtige Sortenwahl, die Landschaftsausstattung, die Förderung von Nützlingen und die Anwendung mechanischer Methoden. Dabei spielt die Biodiversität eine große Rolle. Es braucht ein Umdenken, die Einführung einer Pestizidsteuer, ein Werbeverbot für Pestizide und den politischen Willen die Pestizidbelastung zu reduzieren. Michael Oberhuber betonte, dass man sich in Südtirol durch die integrierte Produktion auf den Weg gemacht und große Fortschritte erzielt hat. Durch den Klimawandel und das Einwandern neuer Arten gibt es große Probleme. Diskutiert wurde über eine Bioregion Obervinschgau, die Rolle der Laimburg, das Problem Abtrift, die Herausgabe von Untersuchungsergebnissen und die Konsumenten, die eine große Verantwortung haben.

 

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