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B-Probe entscheidet

s4 6954Schleis/Bozen - Der Biobauer Alexander Agethle hat ein Problem: Im Heu einer seiner Wiesen wurde ein Rückstand vom Fungizid Captan gefunden. Die Laimburg hat Agethle die Probenergebnisse vor gut einem Monat zugeschickt - und kürzlich hat Agethle in der Öffentlichkeit Alarm geschlagen.

von Erwin Bernhart

Warum geht Alexander Agethle, der nach EU-Bio-Richtlinien wirtschaftet, erst nach mehr als einem Monat  mit den Ergebnissen an die Öffentlichkeit? Muss Agethle sein Heu entsorgen? Ist wirtschaftlicher Schaden entstanden? Oder ist es ein grundsätzliches Problem?


Es türmen sich ein Haufen Fragen auf, nachdem Alexander Agethle in einem RAI-Südtirol Gespräch mit Wolfgang Mair, bekanntgegeben hat, dass in einer Heuprobe das Spritzmittel Captan entdeckt worden ist. Die Heuprobe, sagt Alexander Agethle, wurde von der Laimburg Anfang August in einer seiner Wiesen gezogen, an der eine Apfelanlage grenzt. Die Laimburg macht auf Antrag von Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler seit 3 Jahren eine Studie, indem Heuproben von an Obstwiesen angrenzendem Grünland  auf Pestizidrückstände hin untersucht werden, mit dem Ziel auch, abdriftmindernde Maßnahmen zu optimieren. Die Bauern konnten sich melden, wenn sie bei dieses Studie mitmachen wollten. Agethle hat im Frühjahr zugesagt. Um Golli herum, also um den 16. Oktober, sagt Agethle, ist er von den Ergebnissen in Kenntnis gesetzt worden. Die Rückstände sind doppelt so hoch, wie im Bio-Anbau erlaubt. Dazu muss man wissen, dass Bio in Italien wohl am strengsten in der EU geregelt ist. Die Nachweisgrenze von 0,01 Mikrogramm pro Kilogramm gilt als Richtwert im Bioanbau, also so gut wie nichts darf drinnen sein. Bei Agethle wurden 0,019 Milligramm/Kilogramm Heu gefunden. „Das Heu lagert auf einem separaten Heustock. Ich habe die Ergebnisse meiner Kontrollstelle ABECERT gemeldet und diese wird eine Untersuchung einer B-Probe veranlassen, sofern es eine B-Probe in der Laimburg gibt. Ist auch die positiv, werde ich wohl das Heu entsorgen müssen“, sagt Agethle. Warum er erst so spät an die Öffentlichkeit gegangen ist, begründet Agethle damit, dass es eher ein Zufall war, dass die Sachlage öffentlich geworden sei, nämlich im Zuge eines Interviews mit Wolfgang Mair.
Aber, sagt Agehtle, es sei ein grundsätzliches Problem. Denn der konventionell wirtschaftende Nachbar sei sehr vorsichtig, technisch bestens ausgerüstet und bedächtig beim Spritzen. Agethles Fazit ist, dass das Nebeneinander von konventionellem Obstbau und Biogrünlandwirtschaft nicht funktioniere. „Für mich stellt sich die Frage, wie lange wir uns noch belügen wollen, wie lange wir die Situation schönreden wollen. Ich will keinem Obstbauern ans Bein pinkeln, aber es ist einfach so, dass es nicht funktioniert“, sagt Agethle.
Der Mitarbeiter in der Laimburg, der Biologe Klaus Marschall, zuständig für die Laimburg-Studie, drückt den Sachverhalt anders aus: „Aus der Studie zum Einsatz abdriftmindernder Technik gehen bisher sehr ermunternde Ergebnisse hervor, allerdings gibt es Situationen, wo noch  Verbesserungsbedarf bei den abdriftmindernden Maßnahmen notwendig ist. B-Proben sind in der Studie nicht vorgesehen, denn es handelt sich um eine Studie und um keine Zertifizierung.“

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