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Sensationsfund kehrt zurück

s14 7614Vorkarolingische Bauphasen wurden bei Grabungen beim St. Stephans-Kirchlein bei Marienberg nachgewiesen. 1987 hat das Amt für Bodendenkmäler allerhand freigelegt, so auch Gräber. In einem Grab fand man „silberplattierte Saxgürtelbeschläge“. Diese Beschläge sind vor kurzem aus dem Depot des Amtes für Bodendenkmäler nach Marienberg gebracht worden. 

von Erwin Bernhart

Alan Sacchin, Mitarbeiter des Amtes für Bodendenkmäler, kommt am 14. Oktober 2013 mit einem unscheinbaren Paket von Bozen ins Kloster Marienberg.

Abt Markus Spanier, der Klosterverwalter Stefan Bernhard und die Museumskoordinatorin Annemarie Schwarz sind erfreut und staunen nicht schlecht, als das Paket geöffnet wird. 16 einzeln in weißem Papier verpackte und nummerierte Stücke werden nach und nach freigelegt. Es sind dies jene silberplattierten Saxgürtelbeschläge, welche im Jahr 1987 bei St. Stephan im Grab Nummer 2 gefunden worden sind. Als prächtige Ornamente haben diese teils fingerlangen Metallstücke den Gürtel eines Mannes mit „hohem sozialen Rang“ verziert. Diese „weitgehend vollständigen Elemente einer mehrteiligen Gürtelgarnitur und ein Fragment von einem solchen (Schnalle mit fester Platte, verschiedene Beschläge und eine Schlaufe)“ waren sicher „zum Tragen des einschneidigen Kurzschwertes (Sax)“ bestimmt. So beschreibt es der ehemalige Amtsdirektor des Denkmalamtes Lorenzo Dal Ri in einer Expertise.
s14 7616Allein die einzelnen Stücke und deren feine Verzierungen bewegen zum Staunen. Zudem eröffnen diese Fundstück zu einen tiefen Blick in das frühe Mittelalter, aus jener dunklen Zeit, aus der, wenn überhaupt, wenige Fundstücke oder gar Schriftstücke Zeugnis ablegen. Als „fundarm“ wird diese Zeit auch beschrieben.
In das 7. Jahrhundert nach Chris-tus werden die Fundstücke datiert, also um das Jahr 650. St. Prokulus in Naturns soll in diesen Jahren erbaut worden sein. St. Stephan reiht sich demnach in diese vorkarolingische Zeit ein. Dal Ri schreibt: „Das durch diese Grabungen nachgewiesene Vorhandensein von zwei vorkarolingischen Bauphasen wirft sicher manche Fragen über Ursprung und historische Ursachen einer Kirchengründung an dieser heute entlegenen Stelle auf. (...) Im 7. Jahrhundert benutzte also ein vornehmes Geschlecht einen schon vorher bestehenden Kirchenbau, um seine Toten dort zu begraben und um den „rustici“, welche auf seinem Grund lebten, kirchliche Betreuung zu gewähren (Eigenkirche). Das Fehlen von Waffen ist wahrscheinlich auf Grabplünderungen zurückzuführen. Es handelt sich um silberplattierte Eisenelemente mit einer im 2. Stil (Salin) ausgeführten Tierornamentik. (...) Tauschierte bzw. plattierte Gürtelelemente treten vereinzelt in Nordtirol (Natters-Galgenbühel, Pfaffenhofen) und Südtirol (Klausen-Säben, Naturns-St. Prokulus, Montan-Castelfeder) auf; im Trentino sind sie etwas häufiger belegt (z.B. Besenello, Civezzano, Trento-Piedicastello, Rallo).“
Die Direktorin des Amtes für Bodendenkmäler, Catrin Marzoli, hat es ermöglicht, dass die Fundstücke als Dauerleihgabe dem Kloster Marienberg zur Verfügung gestellt werden. Für das Klostermuseum stellen diese Kostbarkeiten eine willkommene Bereicherung dar.
Im Frühjahr, wenn das Klostermuseum ab dem 15. März 2014 für Besucher wieder geöffnet sein wird, wird die mehrteilige Gürtelgarnitur einen würdigen Platz im Museum gefunden haben. Die Zeit der Platzgestaltung nimmt man sich in Marienberg mit Ruhe, denn das Museum bleibt vom 1. November 2013 bis zum März nächsten Jahres geschlossen.

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