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VinschgerWind

Das Herzstück

s7 6924Goldrain - Zwischen Schlanders und Latsch, auf der Höhe der Zugkreuzung in Richtung Goldrain, entsteht ein „Meilenstein“, ein „Herzstück“ für die Stromversorgung - eine sog. Primärkabine, die Strom von der Hochspannungsleitung zapfen und viele Bedürfnisse befriedigen wird. Die Versorgungssicherheit steht im Vordergrund und der Strom für den Vinschger Zug.

von Erwin Bernhart

In Goldrain entsteht ein Pilotprojekt, wie es in Italien kein vergleichbares gibt. Ein Meilenstein.

Drei Gemeinden und der Vinschgerzug werden in den Genuss einer sogenannten Primärkabine kommen. Es geht um die Stromversorgungssicherheit und die Zurverfügungstellung von Strom für die dann elektrifizierte Vinschgerbahn.
Denn die Gemeinden Schlanders und Latsch haben derzeit einen Bedarf von mehr als 50 Prozent des Stromverbrauches im Vinschgau. Großabnehmer sind die beiden Obstgenossenschaften MIVOR und GEOS, hinzu kommen die Betriebe in den Handwerkerzonen von Vetzan und von Latsch. Darunter große wie der Speckhersteller Recla in Vetzan und der Sockelleistenhersteller Karl Pedross AG in Latsch. Schon seit langer Zeit spielt man in Schlanders und auch in Latsch mit dem Gedanken, eigene Primärkabinen zu bauen. Denn die Versorungssicherheit steht seit langem auf tönernen Füßen. Vor allem in der Erntezeit macht sich der Stromengpass bemerkbar: Die Kühlzellen laufen dann auf Hochtouren, der Strombedarf ist enorm. Die Primärkabine in Laas, über die Schlanders versorgt wird, ist längst am Anschlag. In Schlanders kann Strom über die dortigen Blockheizkraftwerke des Fernheizwerkes zugeschossen werden. Eine teure Übergangslösung.

Nun wird Wirklichkeit, was in Latsch und was in Schlanders längst diskutiert und angemahnt wird. Möglich gemacht wird die Verwirklichung durch die Elektrifizierung der Vinschgerbahn. Denn die Elektrifizierung benötigt eine sichere Stromquelle. Und die wird über die Hochspannungsleitung der TERNA erbracht.
Am 1. August 2018 ist mit einem symbolischen Spatenstich und der Grundsteinlegung der offizielle Startschuss für den  Bau der Primärkabine gegeben worden. Gebaut wird bereits seit dem 2. Juli 2018 - das Gelände ist von den Apfelbäumen gereinigt und angeebnet. Die rund 6.000 Quadratmeter sind ausgemessen, eingezeichnet, abgepflockt. Das Grundstück wurde Rita und Klaus Hofer abgekauft.

s6 6919Der Planer der gesamten Anlage ist der Malser Ingenieur Ronald Patscheider. Patscheider hat am 1. August die Grundzüge des Projektes vorgestellt. Involviert sind bei dieser Primärkabine vier Nutzer, die Südtiroler Transportstrukturen AG (STA), die die Elektrifizeriung der Vinschgerbahn betreut, die Gemeinden Latsch und Kastelbell und die Edyna. Der Mittelspannungsbereich wird künftig von Edyna betreut. Den Nutzern stehen unterschiedliche Räumlichkeiten zur Verfügung. Das Hauptgebäude ist quer zur Straße geplant, mit Cortenstahl nach Ideen des Latscher Architekten Werner Pircher beplankt. Dahinter kommen die stromtechnischen Einrichtungen, für die das Hauptgebäude Sichtschutz bietet. Der Kabelkeller im Untergeschoss ist auch nach der Installation voll begehbar. Die gesamte elektrotechnische Planung hat Klaus Fleischmann vom Lastcher Ingenieurbüro Fleischman und Janser vorgenommen. Ein Beweis dafür, dass der Vinschgau über spezielles und modernes Know-How verfügt. Die Bauarbeiten sind vergeben, die Firma Marx aus Schlanders, die Elektrofirma Kainz aus Eyrs, G&R-Bau aus Schlanders - viele Arbeiten bleiben im Vinschgau.
Das Projekt wird rund 8,8 Millionen Euro kosten. Gut investiert, wie aus den Reden der hohen Politik und der künftigen Betreiber herauszuhören war.

Luis Amort, Generaldirektor der Edyna, betonte, dass die Primärkabine von strategischer Bedeutung sei, vor allem für die Gemeinden Schlanders, Latsch und Martell. Zwischen Meran und Reschen entstehe Einzigartiges und es sei eine Premiere und ein in Italien unvergleichliches Pilotprojekt, weil diese Primärkabine gleichzeitig für die Stromverteilung für die Gemeinden  und für die Stromversorgnung für den Zug genutzt werden könne. Zeneo Christanell, Verwaltungsrat der Edyna wies auf die Grundversorgung hin und auch darauf, dass mit dem Einbeziehen lokaler Betriebe die Botschaft, die lokale Wirtschaft zu stärken, angekommen sei.
Für BM Helmut Fischer war die Stromproblematik bzw. die Versorgungssicherheit eines der ersten Themen bei seinem Antritt als BM. Ausschlaggebend für den Standort der Primärkabine waren drei Dinge: die Nähe zur Hochspannungsleitung, die Nähe zur Eisenbahn und die leichte Erreichbarkeit. „Alle drei Punkte werden hier erfüllt“, sagte Fischer. Sicherer Strom habe große Priorität und sei nicht nur für die Obstwirtschaft sondern für alle wichtig. Architektonisch sei die Sache gut gelöst. In diesselbe Kerbe schlug auch der Schlanderser BM Dieter Pinggera und wies darauf hin, dass mit der Errichtung dieser Primärkabine auch indirekt die Stromversorgung im oberen Vinschgau sicherer werde. Denn es können Kapazitäten über die Primärkabine in Laas freigegeben werden.

Fundamental
Als fundamentalen Tag bezeichnete der VI.P Obmann Thomas Oberhofer die Grundsteinlegung. Der Obstwirtschaft falle ein Stein von Herzen, so groß wie der Grundstein (Plimastein) sei. Oberhofer mahnte aber die Politik an, die Voraussetzungen für die Frostberegnung zu verbessern.
Energielandesrat Richard Theiner sagte, dass die Hochspannungsleitungen im Vinschgau gut ausgebaut seien, allerdings die Mittelspannugsleitungen im Vinschgau prekär seien. Aus einer mehr als frostigen Beziehung zu TERNA sei mittlerweile eine gute entstanden, was sowohl diese Primärkabine als auch die Interkonnektoren (z. B. die Hochspannungsverbindung über den  Reschen)  ermöglicht habe.

Die Grundsteinlegung bot dem Landeshauptmann Anlass, um auf die Entwicklungen im Energiebereich zurückzublicken, auf „die Lösung des Energiestreits als einen der wichtigsten Augenblicke der zu Ende gehenden Legislaturperiode“: die Schadensersatzforderungen von 1,3 Milliarden Euro, die man abwenden konnte, die Rechtssicherheit, die wiederhergestellt sei, die Gründung der Südtiroler Energiegesellschaft Alperia, die zu hundert Prozent Land und Gemeinden und damit den Südtirolern und Südtirolerinnen gehöre, die Beteiligung der Gemeinden auch durch die Übernahme kleiner und mittlerer Kraftwerke. Im Vinschgau, das sich für eine eigenständige Stromversorgung stark gemacht habe, führe seit 2017 das Vinschgauer Energiekonsortium VEK das Stromnetz. Diese Übernahme des Stromnetzes im Vinschgau durch das VEK bezeichnete der Landeshauptmann als „Meilenstein in der Vinschger Energiegeschichte“. Als lokale Genossenschaft stehe das VEK für schnelle und ortsnahe Problemlösungen. „Aber nicht nur das Jahr 2017 ist für die Vinschger Energiegeschichte von Bedeutung, auch das Jahr 2015 spielt eine wichtige Rolle, als wir Ende Dezember den Vertrag zur Übernahme der Edison-Anteile an den damaligen Hydros- und Seledison-Kraftwerken unterzeichnet haben; mit den Kraftwerken von Glurns und Kastelbell (Seledison) sowie Graun und Laas-Martell (Hydros) befinden sich vier der Großkraftwerke, die somit in Südtiroler Besitz übergegangen sind, im Vinschgau“, betonte der Landeshauptmann.
Am Rande: Vom VEK war kein Vertreter anwesend.
Nach einem symbolischen Spatenstich wurden die Projektbeschreibung, die Auftraggeber, die angeführten Kosten zusammen mit zwei Tageszeitungen, einer italienischen und einer deutschen und einigen von STA-Direktor Joachim Dejaco zur Verfügung gestellten Münzen in einer Metallbox im Grundstein, der im Eingangsbereich aufgestellt werden soll, versenkt.  
Die Primärkabine in Goldrain wird die Nummer 77 sein. Denn derzeit bestehen in Südtirol 76 Primärkabinen. Die gesamte Anlage soll im Verlauf des kommenden Jahres 2019 fertiggestellt sein.

 

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