VinschgerWind

Der Albert mit seinen Freiwilligen und seinen Kracherlen

s15 portrait„Pichler, hast du Geld kannst du kaufen“, so hat sich der Direktor Karl Detomaso mit seinem Nonsberger akzent geäußert, als der Naturnser Albert Pichler nach Bozen in die Zentrale des Weißen Kreuzes gepilgert ist, um Unterstützung für die Gründung „seine“ eigene Naturnser Sektion zu bitten..

von Klaus Abler

Diese finanzielle Unterstützung von Seiten der Bozner Landesleitung wurde ihm nicht gewährt. Trotzdem hat es der gelernte Tischler, Jahrgang 1929, geschafft, im Mai 1982 die Sektion Naturns zu gründen.

Zuvor wurden sämtliche Rettungseinsätze über die Sektionen Meran und Schlanders abgewickelt. Der starke Durchzugsverkehr auf der Vinschgauer Staatsstraße und die damit zusammenhängenden schweren Verkehrsunfälle, die Entwicklung des Tourismus, die neu errichteten Bergstraßen hatten bei Albert und einigen Mitstreitern die Vision für einen lokalen Rettungsdienst geweckt. Albert war als aktiver Feuerwehrmann selber oft vor Ort. Sie mussten sich um die Verletzten kümmern, obwohl unbeholfen und nicht ausgebildet. Mehr als ein Befreien aus den Fahrzeugen, ein zur Seite legen und das ewige Warten auf die Retter aus Meran oder Schlanders konnte man nicht tun. Das erste Schreiben wurde bereits am 17. Juli 1980 zur Zentrale nach Bozen geschickt. Absender waren neben Albert Pichler weitere sechs Feuerwehrmänner und Vertreter des Alpenvereines. In der Folge richtete auch die Gemeinde Naturns einen Antrag an die Bozner Landesleitung. Die Gemeinde Naturns, mit dem damaligen Bürgermeister Walter Weiss, hatte die Notwendigkeit eines lokalen Rettungsdienstes erkannt und den Verein von Anfang an unterstützt. Als Albert 35 Freiwillige angeworben hatte, und bei Direktor Detomaso vorsprach, stellte dieser die Bedingung, dass für eine eigenständige Sektion mindestens 50 Freiwillige Helfer und 500 zahlende Mitglieder vorgesehen sind. Zusätzlich stellte der Direktor die Bedingung, dass Pichler die persönliche Verantwortung trage und die Gemeinde für die Unterkunft sorgen müsse. Auch stellte Detomaso klar, dass mit keiner finanziellen Unterstützung aus Bozen zu rechnen sei. Eigentlich hätte sich Albert mehr Unterstützung erwartet: zumindest ein Einsatzfahrzeug oder die Dienstkleidung. Es war dies das erste Mal, dass Albert und Heinrich Koch, Mitstreiter der ersten Stunde, aufgeben wollten. Auf der Rückfahrt von Bozen haben sie über weitere Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht. Die örtliche Raiffeisenkasse hat auf Nachfrage dann das erste Einsatzfahrzeug finanziert und die Gemeinde die Räume zur Verfügung gestellt. Die Räume oberhalb der Feuerwehrhalle dienten zuvor als Ausbildungsstätte der ersten Landesfeuerwehrschule. Albert kann sich noch gut an den Dienstbeginn um 19:00 Uhr des 14. Mai 1982 sowie an die erste Patientin erinnern. Nachdem die Notrufnummer von der Sektion angegeben werden musste, wurden auch die ersten Einsätze von den Meranern disponiert. Folglich wurden auch viele Einsätze von der Meraner Rettung selber „beansprucht“. Diese raste dann oft von Naturns ins Schnalstal oder versorgten Patienten in der Naturnser Rettungswache. Die 87101, die „Naturnser Notrufnummer„ für Rettung und Feuerwehr“ wurde erst später aktiviert. Das erste Jahr wurden über 700 Einsätze abgewickelt. Albert vermutet, dass gerade die Mühen und Schwierigkeiten in der Anfangsphase dazu beigetragen haben, den Gemeinschafts- und Freundschaftssinn unter den Mitarbeitern zu stärken. Die Umbauarbeiten in der Stelle wurden von den Freiwillige ausgeführt. Freiwillige Helfer mussten Essen und Bettwäsche selber mitnehmen und sogar die Einsatzkleidung selber finanzieren. Albert erinnert sich an die Finanzierung des Sanitätsmaterials durch Spenden, Sammlungen und öffentliche Beiträge. Durch das Sammeln von Altpapier und Altmetall wollte man die Kosten decken. Als dies dann wertlos wurde, musste man es noch teuer entsorgen. Das ursprüngliche Einsatzgebiet der Gemeinden Naturns, Plaus und Schnals wurde erst später um die Gemeinden Partschins und Kastelbell- Tschars erweitert. Albert blickt gerne an die ersten Partnerschaften mit ähnlich ausgerichteten Hilfsorganisationen im Ausland zurück, welche viel Material und Ausstattung zur Verfügung stellten. Albert übergab die Verantwortung als Sektionsleiter im Jahre 1991 an seine Nachfolger, wurde als Ehrenmitglied auf Sektionsebene und mit der Goldenen Verdienstmedaille des Weißen Kreuzes geehrt. Mit seiner Gesundheit ist Albert vom „Himmel in die Hölle gekommen“. Ein angeborener Herzfehler musste operiert werden.
Der Sektion Naturns wurde Überleben von maximal einem Jahr prophezeit. Allen Skeptikern zum Trotz konnte man heuer das 35 jährige Jubiläum der Sektion feiern. Ohne den aktiven Beitrag von Frau Hella und Tochter Daniela wäre dies sicher nicht möglich gewesen. Mittlerweile decken 87 Freiwillige über 68 Prozent der Dienste,. Sie legten im Jahr 2016 knapp 218.000 Kilometer zurück und wickelten dabei 3.990 Einsätze ab. Auch wurden die zahlenden Mitglieder auf 2.232 aufgestockt.
„Der Pichler soll lieber seine Kracherlen verkafn, weil von der Rettung versteht er nichts“, hat der Direktor zum Getränkehändler gesagt“. Dass der mittlerweile 88 jährige Albert zumindest etwas verstanden haben muss und vor allem vieles bewegt, und viele motiviert hat, zeigt die Entwicklung und die Aufstellung der Sektion Naturns heute. Immerhin wurde in Naturns 1985 die erste Jugendgruppe im Lande gegründet und seit 2007 verfügt die Sektion Naturns über die erste und einzigste Vereinsfahne.

 

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