VinschgerWind

Der Glückliche

s17 9547Erstmals ist ein Langtauferer Olympionike. Edwin Coratti ist als Snowboarder in PyeongChang dabei. Sein Traum wird wahr. Ein einziges Rennen dort entscheidet allerdings.

von Karin Thöni

Edwin Coratti kommt gemütlich daher. Dunkle Augen, schwarzer Bart, gewinnendes Lächeln. Ein paar Tage ist er zu Hause im „Toul“ auf dem elterlichen Hof in Pleif. Ich hab’ kurzfristig zum Gespräch geladen. Er nimmt sich Zeit.


Den Stress der letzten Tage sieht man ihm nicht an, der Stress der vor ihm liegt vielleicht ein bisschen. Die immense Freude über die Olympiateilnahme schwingt in jedem seiner stets überlegten Sätze mit.
Der 27-jährige ist im Umgang mit den Medien geschult, seine Worte gut gewählt. Klar bin ich nicht die Erste, der er seine Erfolgsgeschichte erzählt.
Zuerst reden wir- sind wir doch beide Touler- von den immensen Lawinenabgängen. Edwin hat im bulgarischen Bansko zwischen den Rennen immer wieder sein Smartphone gecheckt, nach Hause telefoniert. Die zerstörerischste der Lawinen ging an seinem Heimathaus vorbei direkt über das Haus seiner Nachbarn. Nicht einfach sich da auf die wichtigen Rennen zu konzentrieren. Trotzdem: drei Podestplätze im Weltcup innerhalb von acht Tagen und damit das Olympiaticket in der Tasche! Beachtlich.
Edwin hat zwei Geschwister, die jüngere Schwester Jasmin ist ebenso wie er begeisterte Snowboarderin und will es dem Bruder gleich tun. Manchmal trainieren sie zusammen.
Die Leidenschaft für diesen Sport entwickelte Edwin in sehr jungen Jahren: tagein, tagaus, so erzählt er mir, sei er snowboarden gewesen im heimatlichen Skigebiet Maseben zusammen mit Freunden. Bis zur Dämmerung Wälder abgefahren, Spaß gehabt.
Bei einer Schulmeisterschaft in der Mittelschule entdeckt ihn dann ein Trainer der Sportoberschule und so landet der Langtauferer völlig unerwartet dort.
Er hätte gar nicht daran gedacht, sein Hobby zu professionalisieren, schmunzelt er bei einem Cappuccino in der Hand.
Vom Landeskader arbeitet er sich zur B-Mannschaft hinauf und dann kommen die ersten Siege im Europacup. Den Spaß an seinem Sport verliert Edwin nie. Im Gegenteil. Die Erfolge häufen sich, er kommt immer besser im Rennzirkus zurecht.
Doch ohne die Unterstützung seiner Familie, seiner Trainer und auch seiner langjährigen Sponsoren wäre es nicht möglich gewesen, seinen Traum zu leben und so weit zu kommen. Nun steht er vor der Teilnahme an Olympischen Spielen. Für jeden Athleten ist allein die Qualifikation jede Mühe, jeden Rückschlag, jedes Zurückkämpfen wert.
Immer wieder betont Edwin, dass er einige Zeit gebraucht hat, um das alles zu realisieren.
„Komma gour et schloufn“ vor Aufregung und Freude, sagt er mir in unverfälschtem Toulerisch. Aber bald geht es los. Einige Trainingseinheiten noch und dann steigt Edwin in den Flieger um dieses eine Parallelrennen am vorletzten Tag der Olympiade zu bestreiten.
„I fouhr schun ouni, um um a Medaille mitzfouhrn“. Er ist fest entschlossen und fokussiert. Das wichtigste Rennen seiner Sportlerkarriere steht ihm bevor. Die Chance auf eine olympische Medaille ist durchaus gegeben.
Ausgleich und Ruhe zu seinem stressigen Beruf, bei dem er es gewohnt ist, aus dem Koffer zu leben, findet er zu Hause bei seinen Eltern. Im Sommer hilft er bei der Heuernte und hat auch ab und zu Zeit sich mit seinen Kollegen zu treffen. Denn Entbehrungen kennt sein Sport viele: die Zeit für Muse, „Feschtlan“ oder Freunde ist rar. Die wenigen Tage, an denen er nicht trainiert, braucht der Körper zur Regeneration. Um die Häuser ziehen mit Kollegen liegt da nicht drinnen.
Aber der 27-Jährige nimmt diese Entbehrungen auf sich und der Erfolg gibt ihm schließlich Recht. Professionell Snowboarden möchte er noch für eine lange Zeit, solange es die körperliche Fitness zulässt.
Und auch danach, so sagt er heute, kann er sich vorstellen, bei diesem Wintersport zu bleiben. Als Trainer vielleicht.
Durch und durch Sportler ist er halt, der „Toulr“.

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