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VinschgerWind

„A Speckschwortn-Solat isch a Delikatess gweesn“

s17 0132Nach der von Krieg und Hunger gezeichneten Kindheit in Nordtirol baute sich Peppi Mössmer in Latsch
als Zeichner und Buchhalter im Geometerbüro Rinner eine Existenz auf. Sein privates Glück fand er mit seiner Frau Erna und den Kindern. Tatkräftig stellte er sich auch in den Dienst der Dorfgemeinschaft.

Von Magdalena Dietl Sapelza

Als Peppi fünf Jahre alt war, wanderten seine Eltern von Laas nach Landeck aus. Er blieb vorerst bei seinen Großeltern.

Sein Vater war 1938 bei der Lasa Marmo von der faschistischen Führung gegen einen italienischen Arbeiter ausgetauscht worden, wie viele andere Vinschger auch. Bei der österreichischen Bahn fand er eine Beschäftigung. Peppi kam erst zur Einschulung nach Landeck. Dass die Südtiroler dort bei vielen unerwünscht waren, wurde ihm bewusst als ihm nachgerufen wurde: „Es Itaker geat hoam.“ Er ließ sich nicht beirren. Bald zählte er zu den Klassenbesten in der Volks- und später in der Hauptschule. Jesuiten wollten ihn sogar zum Studieren nach Wien bringen. Doch die Mutter war dagegen. „Sie hot koan Pater gwellt“, lacht er. Während des Krieges herrschte Lebensmittelknappheit. Die inzwischen siebenköpfige Familie litt Hunger. „I hon in dr gonz Gegend Erdepfl bettlt, fa St. Anton bis Heiming“, erzählt Peppi. „A Speckschwortn-Solat isch a Delikatess gweesn“. Zur Erholung kam er mit anderen Buben zu einer Familie  nahe München. Von dort aus beobachtete er einen fürchterlichen Nachtangriff auf die Millionenstadt. „Die Nocht isch antrisch hell gweens, unt in Tog drnoch sein di Gleis pan Bohnhof überschi gstondn“, beschreibt er. Hunger bestimmte auch die Nachkriegszeit. Die Amerikaner verteilten Lebensmittel, jedoch die Franzosen beschlagnahmten die Essenszüge mit dem Argument: Das haben die Deutschen in Frankreich auch so gemacht. Für ein kleines Trinkgeld ministrierte Peppi im Kloster Kronburg bei Zams und hütete zwei Sommer lang die Kühe gemeinsam mit einer Nonne. „Fünf Rosnkränz hon i mit dr Schwestr Scholastika betn gmiaßt“, erinnert er sich. „Obr sel isch miar gleich gweesn, Hauptsoch i hon guat z‘Essn kopp“. Skifahren lernte er in St. Anton. „I hon gratis hinfohrn kennt, weil dr Votr pa dr Eisnbohn gweesn isch“, erklärt er. Spaß macht ihm das gelegentliche Spielen mit einer geliehenen Ziehharmonika. Mit 14 Jahren erkrankte Peppi an Diphterie und kam in die Isolierabteilung des Zamser Krankenhauses. „Di Spritzn sein dick wia Stricknodeln gweesn“, meint er. Er erholte sich und begann eine Tischlerlehre in Landeck, die er dann 1950 in Schlanders fortsetzte, nachdem sein Vater wieder bei der Lasa arbeiten durfte. Peppi überzeugte als Tischler in St. Moritz, wo er nebenbei das Schreibmaschineschreiben lernte, und dann in Schlanders. 1952 war er als Gründungsmitglied treibende Kraft im Sportverein Laas. Bei Dorfskirennen fiel er als guter Skifahrer auf, der meist auf dem obersten Treppchen stand. Während seines Militärdienstes lernte er italienisch und kam 1956 als Pistenhelfer bei der Olympiade in Cortina zum Einsatz. Regelmäßig begleitete er die Fußballmannschaft der Lasa zu den Spielen. Öfters lieh er sich die Ziehharmonika seines Onkels. „S Spielen hot miar olm gfolln“, bekennt er. Bei einem Mittagessen im „Hasenwirt“ in Schlanders verliebte sich Peppi in die Schneiderin Erna Höllrigl aus Latsch. 1964 führte er sie zum Traualtar und bezog mit ihr eine Wohnung in Latsch. „I hat koa bessere Frau kriagn kennt“, schwärmt er. 1969 war dann das Eigenheim bezugsfertig. Die drei Kinder sorgten für Leben im Haus. Mit ihnen trieb er Sport und wanderte viel. Eine Skizze für den Eislaufplatz in Laas, auf die Sepp Rinner aus Latsch aufmerksam wurde, brachte eine Wende in Peppis Berufsleben. Er wurde Zeichner und Buchhalter des Latscher Unternehmens, dem er bis zu seiner Pensionierung 1989 die Treue hielt. „I hat miar koane besseren Chefs als in Rinner Sepp und in Rinner Franz vorstelln kennt“, betont er. Durch seine Arbeitgeber kam er in die Führungsgremien des SV Latsch. Jahrelang setzte er sich dort als Schriftführer und Kassier ein. Ehrenamtlich malte er aufwändige bunte Ehrenurkunden, zuerst für verdiente SV-Mitglieder und später für die unterschiedlichsten Vereine. An die 1.000 Stück hat er gemalt und das obwohl er teils farbenblind ist. „Oft hon i di Frau noch dr Forb frogn gmiaßt“, verrät er. Nach seiner Pensionierung kaufte er sich seine erste eigene Ziehharmonika, mit der er bei privaten Feiern aufspielte. Derzeit hindert ihn eine Nervenentzündung im Arm am Spielen. Doch er hofft, dass er schon bald wieder Stimmung machen kann. „I spiel olm umsucht. I hon pan Spieln olm a Freid, wenn i ondre Leit a Freid mochn konn“.

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