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VinschgerWind

Grenzüberschreitender Fahrplan

s10 8436Imst/Scuol/Schlanders

von Ludwig Fabi

In Imst wurde kürzlich eine Sitzung des INTERREG-Rates Terra Raetica von dessen Mitgliedern aus den Einzugsgebieten Vinschgau, Unterengadin/Val Müstair und Landeck/Imst abgehalten. Dabei wurde über den aktuellen Stand der vielfältigen grenzüberschreitenden Aktivitäten in der Terra Raetica berichtet und neue Projekte beschlossen.

Ganz im Sinne des Vorzeige-Mobilitätsprojektes „Fahrplanheft Terra Raetica mit Bus und Bahn“ welches in der letzten Ausgabe des Vinschger-Wind beigelegt wurde, koordiniert und unterstützt der INTERREG-RAT Terra Raetica den grenzüberschreitenden Austausch, um tägliche Herausforderungen aus allen gesellschaftlichen Bereichen gemeinsam zu bewältigen.
Der INTEREG-Rat Terra Raetica wurde am 19.12.2007 gegründet und ist das beratende und koordinierende Organ der grenzüberschreitenden Tätigkeiten für die EU-INTERREG Förderprogramme ITA-AUT und ITA-CH im Gebiet der Terra Raetica (Vinschgau, Unterengadin/Val Müstair, Bezirke Landeck und Imst) und arbeitet eng mit der EU-Verwaltungsbehörde in Bozen und der Euregio zusammen. Aktuell können für die Förderprogramme INTERREG V - 2014-2020 Projekte eingereicht werden. In Form von Arbeitskreisen wird eine gemeinsam erstellte Strategie für die Themenkreise Kultur, Natur, Mobilität, Land/Wirtschaft, Soziales, Schule, Bildung, Pflege, Gesundheit und Tourismus koordiniert und umgesetzt.  Im Vinschgau ist die Bezirksgemeinschaft Vinschgau erster Ansprechpartner für die Förderprogramme. Dabei werden EU und nationale Fördermittel in bis zu 80 % Höhe in Form von Kleinprojekten (Bis 50.000,00 Euro), Mittelprojekten (Bis 200.000,00 Euro) und Großprojekten (Bis max. 1.000.000,00) gewährt. Im aktuellen Programm werden die Klein- und Mittelprojekte erstmals nach dem sogenannten „CLLD Ansatz“ direkt vor Ort genehmigt, was eine entsprechende Erleichterung in der Antrag- und Umsetzungsphase aber auch größere Verantwortung der Träger vor Ort bedeutet.
terra tabBei der Sitzung wurden folgende Kleinprojekte des Förderprogrammes ITA-AUT genehmigt:
Almtagung Terra Raetica am 03.08.18 in Prad, Qualifizierungsmaßnahmen im Tourismus und die Energie-Initiative-Terra Raetica.
Als Mittelprojekt wurde der Antrag „Kulturhistorische und touristische Aufwertung der Bergbaugebiete in Laas und St. Anton a. Arlberg vorgestellt und genehmigt. Weitere Projektvorschläge gingen in Zusammenhang mit einer Ortskernrevitalisierung in Schluderns und Landeck, einem Schul-Sozialprojekt für Lernbegleitung und Sprachkursen mit Kinderbetreuung für MigrantInnen zwischen Landeck und den Sozialdiensten der BZG Vinschgau ein. Als Großprojekt wird ein Antrag zur Revitalisierung der Burgruine Lichtenberg und Festung Nauders derzeit ausgearbeitet. Der Ausbau des Radweges Via Claudia Augusta wird ebenfalls mit einem Großprojekt abgewickelt. Dabei geht es um den Lückenschluss Nauders und eine neue Trasse Schleis-Laatsch. Angestrebt wird auch die Installation einer neuen Informations-Plattform, um mögliche Straßensperren im oberen Gericht, Vinschgau und Unterengadin besser zu koordinieren.
Im INTERREG-Förderprogramm ITA-CH werden hingegen folgende Projekte eingereicht: Projekt Sonnenstrahl (Austausch und Wissenstransfer in der Pflege und Betreuung) und ein Jugendprojekt, bei dem es um die Kultur- und Freizeitgestaltung, sowie dem Einstieg ins Berufsleben von Jugendlichen geht. Die Gemeinden Val Müstair und Taufers i.M. werden grenzüberschreitend an der Verbesserung von Verwaltungsabläufen zusammenarbeiten.

 

Die Bezirksgemeinschaft Vinschgau hat das Management der INTERREG-Kleinprojekteförderung nach dem CLLD-Ansatz der Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung (GWR) übertragen. Friedl Sapelza, Geschäftsführer der GWR mit langjähriger Erfahrung in der Beratung und Koordinierung von EU LEADER- und INTERREG Förderprogrammen, über den aktuellen Stand und die Erfahrungen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit:
Vinschgerwind: Welche Schwerpunktthemen/Strategie umfassen die EU-INTERREG-Förderprogramme in der Terra Raetica?
s11 8351Friedl Sapelza: Die lokalen INTERREG Initiativen in der Terra Raetica basieren auf einer gemeinsam erarbeiteten Strategie und Ausrichtung. Räumlich bezieht sich diese Gemeinsamkeit auf die Bezirke Vinschgau, den Bezirken Landeck und Imst sowie dem assoziierten Partner der Nationalparkregion Engiadina Bassa (Val Müstair und Unterengadin). In der laufenden Förderperiode ist der Bezirk Imst neu dazugekommen. Inhaltlich steht die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und der Erhalt der Lebensqualität im Dreiländereck im Vordergrund. Daraus resultieren Leitmaßnahmen in den Arbeitsfeldern intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum. Schwerpunkte sind daher Wirtschaftsthemen, Innovation und Bildung, Tourismus, Natur- und Kulturerbe, Gesundheit/Soziales und Mobilität.  

Vinschgerwind: Wie werden diese umgesetzt?
Sapelza: Die von lokalen Akteuren initiierten und umzusetzenden Initiativen werden in verschiedenen Formen umgesetzt und vor Ort (INTERREG-RAT) entschieden. Gegenfalls werden sie von eigens dafür eingesetzten grenzüberschreitenden Arbeitskreisen begleitet. Solche Arbeitskreise gibt es fallweise projektbezogen für die Bereiche Kultur, Natur, Mobilität, Soziales und Tourismus.
Vinschgerwind: Welche Aufgabe hat dabei die GWR in Spondinig?
Sapelza: Die GWR in Spondinig steht im Auftrag der BZG den lokalen Akteuren beratend und begleitend zur Seite. Es gibt in der Projektumsetzung einen bestimmen Umfang an Bürokratie, dieser hält sich aber im Rahmen der Klein- und Mittelprojekte durchaus in Grenzen.

Vinschgerwind: Wie beurteilen sie die Entwicklung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in den letzten Jahrzehnten?
Sapelza: In unserer Region sind Staatsgrenzen Alltag. Wenn man die Entwicklung über einen längeren Zeitraum vorurteilsfrei betrachtet, hat sich vieles zum Positiven gewandelt. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, auch außerhalb der Förderschienen, ist ein große Chance. Nutzen wir sie. Dazu fällt mir die Aussage von Kardinal Karl Lehmann ein: „Mut zu kleinen Schritten, um echte dauerhafte Veränderungen zu erreichen“. In diesem Sinne glaube und wünsche ich besonders der jungen Generation viel Mut, sie ist zum Glück weltoffener und wird es richten.

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