Diese Seite drucken
Dienstag, 21 Februar 2017 12:00

Hausaufgaben am Watles

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

s6 8573Watles/Mals/Glurns/Schluderns/Taufers - Die Gemeinde Mals hält rund 90 Prozent der Gesellschaftsanteile am Watles. Diese Anteile, die mehr als 2 Millionen Euro wert sind, will oder muss die Gemeinde verkaufen. Wie ist das Skigebiet Watles aufgestellt? Was wird ein Käufer übernehmen?

von Erwin Bernhart

Einen Haufen Naturschnee anfangs Dezember“, sagt der Präsident der Touristik und Freizeit AG Günther Bernhart auf die Frage, was passieren müsste, damit der Watles in der Bilanz pari aufgeht.

Damit nennt Bernhart das grundsätzliche Dilemma der Skigebiete. Für das kleine Skigebiet am Watles gilt das im Besonderen. Denn Schneemangel schlägt sich in der Bilanz besonders negativ nieder. Hohe Kosten verursacht die künstliche Beschneiung mit Stromkosten dafür, der Arbeitsstundeneinsatz, die Dieselkosten für die Schneekatzen... Damit kämpfen alle Skigebiete, damit kämpft auch der Watles. Ist zu Weihnachten kein Kustsschnee, kann nicht eröffent werden.
Seit Mai 2010 ist Günther Bernhart Präsident der Touristik und Freizeit AG und leitet seither gemeinsam mit dem Verwaltungsrat  die Geschicke am Watles. Und seither hat sich einiges getan am Watles. „Wir haben mit dem Ausbau des Sommerangebotes auf die richtige Karte gesetzt“, sagt Bernhart. Der Sommer gehe super. Im Sommer 2016, wettermäßig ein schöner Sommer, waren im Schnitt pro Tag bis zu 500 Leute am Watles anzutreffen. „Ein Erlebnisberg zu werden, das ist das richtige Konzept“, sagt Bernhart. Ein künstlicher See, eine Goldgrube für Kinder, Geräte für die Jugend, Bogenschießen, auf verbreitertem Weg zum Pfaffensee wandern, 3D-Ziele für’s Bogenschießen und einiges mehr auf prächtiger Aussichtsplattform rund um die Plantapatschhütte: Der Watles hat sich für den Sommer einen Namen gemacht und er ist beliebtes Ausflugsziel. „Es ist uns gelungen, mit den Angeboten ein Wohlfühlen bei Alt und Jung zu erzeugen“, sagt Bernhart.
Von den Kosten her ist der Sommer interessant. Es entfallen die Nebenkosten für Beschneiung und Pistenpräparierung.

Aber im Winter? „Die Investitionen in die Beschneiungsanlage waren richtige Entscheidungen“, sagt Bernhart. Durch die Ausrichtung der Weltcups im Skicross im vorigen Jahr und heuer konnte über Beiträge des Landes die Beschneiungsanlage ausgebaut und modernisiert werden. Der Ausbau der Pumpenstation war enorm wichtig. Denn die Beschneiung war bis dato so ausgelegt, dass entweder die Waldabfahrt oder der obere Teil beschneit werden konnte. Mit dem Ausbau der Pumpenstation geschieht das nun gleichzeitig. Die Erhöhung der Wassermenge im Pfaffensee gehörte mit zum Modernisierungskonzept. „Hätten wir diese Investitionen nicht getätigt, hätten wir den oberen Teil des Watles zu Weihnachten nicht eröffnen können“, so Bernhart.
Noch ist der Ausbau der Beschneiungsanlage nicht komplett. Im heurigen Sommer möchte man die Stichleitung auf der linken Seite des oberen Liftes (von unten gesehen - also Richtung Schliniger Seite) verlegen, damit der Snowpark und die dortige Piste mitbeschneit werden können. Angedacht sind auch einige Beschneiungspunkte bei der Rodelbahn. Zudem sollen zwei kleine E-Werke auf der Beregnungsleitung angebracht werden. „Wenn das realisiert ist, dann sind wir bei der Beschneiungsanlage auf einen Top-Stand“, sagt Bernhart. Hans Telser, Verwaltungsratsmitglied der Touristik und Freizeit AG, bezeichnet die Umsetzung der zwei kleinen E-Werke und den Ausbau der Beschneiungsanlage als „Hausaufgabenmachen“.

Die Strukturen am Watles werten die Ferienregion auf“, sagt der Wirtschafts- und Tourismusreferent in der Gemeinde Mals Joachim Theiner. Hätte man die Investitionen, sei es für den Sommer sei es für den Winter, in den vergangenen Jahren nicht getätigt, wär’ der Watles heute zu. Mit den Investitionen in die Beschneiung, die heuer noch getätigt werden sollen, habe man die Möglichkeit, die gesamten Pisten innerhalb von 12 kalten Tagen einzuschneien. Man habe den Watles so hergerichtet, dass man die Gemeindeanteile nun abstoßen könne und auch müsse. „Ich hoffe, es ist die heimische Wirtschaft, die den Watles weiterträgt“, sagt Theiner im Hinblick auf die laufenden Verkaufs-Verhandlungen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die Gemeinde Mals und der dortige BM Ulrich Veith als Käuferin die Ferienregion Obervinschgau wünschen. Die Vermarktungsstrategie des Watles läuft bereits seit einem Jahr über die Ferienregion. „Die Ferienregion hat täglich mit den Gästen zu tun und so ist es sinnvoll, dass die Informationen schnell und gezielt fließen. Es ist eine wertvolle Synergie. Die täglichen Informationen sind wichtig und auch die Bewerbung“, sagt Theiner. „So können die Betriebe selbst Pakete zusammenstellen“, sagt auch Bernhart.
Die Touristik und Freizeit AG ist zu 49 Prozent an der Zerzer Konsortial GmbH beteiligt ist. Die Zerzer Konsortial GmbH betreibt ein lukratives E-Werk, welches vom Zerzerbach gespeist wird. Zwischen der Fraktion Burgeis (Eigenverwaltung Bürgerlicher Nutzungsrechte), die mit 51 Prozent die Mehrheit am Zerzer-E-Werk hält, wurde vereinbart, dass 60 Prozent des Gewinnes an die Touristik und Freizeit geht. Dieser Umstand zieht potenzielle Käufer zusätzlich an - vier hätten Interesse am Watles angemeldet. Wer diese sind, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Theiner ist das Bindeglied zwischen Gemeinde, Watles, Ferienregion Obervinschgau, den Hoteliers und Gastwirten. Wie schätzt er die Stimmung in den Kreisen der Tourismustreibenden gegenüber dem Watles ein? Theiner ortet eine durchaus positive Stimmung. Vor allem im Gemeindegebiet von Mals. „Die Ferienregion Obervinschgau besteht aus vier Gemeindegebieten. In Glurns und Schluderns wird der Sommerbetrieb am Watles sehr positiv bewertet. Der Winterbetrieb hingegen hat in Glurns und in Schluderns nicht einen so hohen Stellenwert wie im Gemeindegebiet von Mals“, analysiert Theiner. „Wir arbeiten daran, dass der Watles eines Tages schwarze Zahlen schreiben wird. Wir glauben auch daran“, sagt Theiner. Wir heißt für Theiner die Mitglieder der Ferienregion. Mit der Erhöhung der Kurtaxe um 70 Cent pro Nächtigung für alle Kategorien, die seit dem 1. Jänner 2017 operativ ist, hat man bereits für Geldmittel vorgesorgt, die in Infrastrukturen fließen sollen. Wenn alles klappt, auch in den Watles.

Realistisch bleiben heißt die Devise am Watles. Ein Zusammenschluss mit der Haideralm sei derzeit weder denkbar und schon gar nicht machbar. „Vielleicht ist dies auch die nächsten 10 Jahre nicht realisierbar“, denkt Theiner in die Zukunft. „Wir werden aber in den nächsten 10 Jahren auch Schritte am Watles setzen, die für den Betrieb am Watles und für die Ferienregion gut gehen werden“, sagt Theiner.  Eine Vielfalt des Sommerbetriebes wolle man auch im Winter bieten. Einiges dafür sei bereits Realität: Der Winterwanderweg, die Aufstiegsmöglichkeit für Skitourengeher, eine Skicrosspiste, einen Snowpark, die Rodelbahn, die soll, so ist es geplant, von der oberen Bergstation starten. „Wir haben heute eine Vielfalt im Winter, die ihresgleichen sucht“, sagt Theiner. Nur mit den zwei Skipisten wär’ der Watles heute geschlossen.

Als durchaus positiv sieht Günther Bernhart das Einklinken des Watles in den Kartenverbund der Skiarena Vinschgau. „Ein Draußenbleiben wäre nicht tragbar gewesen“, sagt Bernhart. Im gesamten Alpenraum werden Kartenverbunde angestrebt. Dem Gast müsse man schon die Freiheit einräumen, dort skifahren zu können, wo er wolle. Man sei derzeit bei der ersten Auswertung des Kartenverbundes. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, sagt Bernhart. Gäste aus Sulden oder aus dem Oberland waren begeistert vom Watles.

Ob sich Angst breit mache, wenn eine Verbindung Langtaufers-Kaunertal tatsächlich zustande kommen würde? Angst habe er keine, sagt Bernhart und: „Ich sehe da keine Konkurrenz.“ Wichtig sei es aber, dass sich die vorhandenen Skigebiete über Zusammenschlüsse Gedanken machen.

Die Prioritäten haben die Verwalter der Touristik und Freizeit AG in die Sommerangebote gesteckt, die Beschneiungsanlage soll in den Sommermonaten arrondiert werden. Was ist mit der Plantapatschhütte? Gibt es da konkrete Überlegungen, das wunderbare Panorama mit in die Gastronomie hineinzunehmen? Joachim Theiner: „Es ist schon von Seiten der Touristik und Freizeit geplant, die Plantapatschhütte auszubauen. Der logistische Ablauf in der Hütte ist nicht mehr zeitgemäß. In den nächsten Jahren ist der Umbau geplant. Sollten die Anteile der Gemeinde von der Ferienregion erworben werden, wird das sicher gemacht.“
„Das Projekt ist schon auf dem Papier“, sagt auch Günther Bernhart. Der Umbau der Plantapatschhütte mache nun Sinn, nachdem für den Sommer und auch für den Winter die Hausaufgaben gemacht seien.

s7 tab touristikWas bringen die Events auf dem Watles tatsächlich? Der Skicross etwa, die Veranstaltung „Suzuki Nine Knights“, die Italienmeisterschaft im Langlauf? „Diese Events und Veranstaltungen sind sehr wichtig“, sagt Günther Bernhart. Mit dem Skicross sei es gelungen, den ersten Weltcup in die westliche Landeshälfte zu holen. Die Medienpräsenz war heuer gewaltig. „Die hätten wir als kleine Fereienregion nie bezahlen können“, sagt Bernhart.
Marketingexperten sagen, dass ein zusätzliches Gästeaufkommen erst nach drei Jahren zu beobachten sei. Unmittelbar waren aber die Zugriffe auf der Watleshomepage, die im Laufe des Skicross von täglich 600 auf 8.000 hinaufgeschnellt seien. Davon seien rund 86 Prozent Neuzugriffe. Durchaus anderer Meinung gegenüber den Events sind mehrere Gastwirte im Gemeindegebeit Mals.

Eine Prognose wagt Theiner: „Sollte die Ferienregion Obervinschgau den Zuschlag erhalten, werden wir den Watles mit Sicherheit wirtschaftlicher führen und gegenüber anderen Skigebieten konkurrenzfähiger machen. Wir werden den Betrieb genauestens durchleuchten. Durch die vorhandene Vielfalt haben wir durchaus Chancen, den Watles in die schwarzen Zahlen zu bringen.“

{jcomments on}

Gelesen 3787 mal