Diskussionen über die Zugverbindungen

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v.l.: Baldur Schweiger (Pro Reschenbahn), Paul Stopper (Pro Mals-Scuol), Eva Prantl (Umweltschutzgruppe Vinschgau) und Moderator Markus Lobis v.l.: Baldur Schweiger (Pro Reschenbahn), Paul Stopper (Pro Mals-Scuol), Eva Prantl (Umweltschutzgruppe Vinschgau) und Moderator Markus Lobis

Mals/Oberes Gericht/Engadin - Es war dann die BMin von Taufers Roselinde Gunsch, die das Bild etwas zurechtrückte. Gunsch erinnerte daran, dass die Bahnstudie von Paul Stopper aus dem fernen Jahre 2006 mit Interreggeld finanziert worden sei und dass man wisse, dass die Schweizer Seite bei Interreg kaum Geld einbringe. Auch sei daran erinnert, dass sich der damalige Grossrat Georg Fallet vergeblich für eine rasche Verwirklichung der Bahnverbindung Mals-Scuol eingesetzt habe.
Vor dieser Wortmeldung gab es bei der von der Initiativgruppe PRO BAHN terra raetica organisierten Veranstaltung Kurzreferate. Der Südtiroler Bahnexperte und treibender Ingenieur für die Inbetriebnahme der Vinschgerbahn Helmuth Moroder sagte, dass mit dem Green Deal für Italien rund 240 Milliarden Euro für Bahninfrastrukturen zur Verfügung stünden. Südtirol, sagte Moroder, sei vom Süden her gut angebunden, vom Norden her nicht. Das ändere sich mit der Inbetriebnahme des Brenner-Basistunnels voraussichtlich im Jahr 2032. Moroder forderte einen nachhaltigen Tourismus und meinte konkret, dass die Touristen mit der Bahn kommen sollen. Derzeit kämen 85 bis 90 Prozent der Gäste mit dem Auto nach Südtirol. Das ist eine gewaltige Menge, denn die Übernachtungen sind in den letzten 28 Jahren um 44 Prozent aber die Ankünfte um 109 Prozent gestiegen. Weniger Aufenthaltstage, mehr Verkehr. Im Vinschgau hat der Verkehr von 2002 bis 2018 um rund 20 Prozent zugenommen. Nach der Elektrifizierung der Vinschgerbahn und mit einem 30 Minutentakt könne die tägliche Fahrgastzahl von 7000 auf 17000 gesteigert werden. „Da ist viel drinnen“, sagte Moroder.
Auf die bestehenden Bahnlücken wies der Schweizer Bahnexperte Paul Stopper hin. Da sei die „Terra Raetica“ ein Hot-Spot. Er habe im Auftrag der autonomen Provinz 2006 eine Studie über Verbindungmöglichkeiten Mals-Scuol erstellt. Stopper verwies auf die Niveauunterschiede zwischen Mals (1000 m) und Scuol (1200 m) hin, die mit einem Tunnel zu bewältigen wären. Einfacher sei eine Verbindung Scuol (1200 m) Müstair (1200 m). Die Reschenbahn „gefällt uns nicht“, sagte Stopper und verwies auf die Höhendifferenz von rund 500 Meter, die eine Überquerung des Reschenpasses bedeuten würde. Ziel der Schweiz sei es, rasch in den Vinschgau zu kommen. Stopper stellte fest, dass das Geld vorhanden sei, dass es nur abgerufen werden müsse. Man solle endlich 20 Millionen Euro herlegen, damit man mit der Planung beginnen könne und dass man „nicht nur schwätzen“ solle.
Baldur Schweiger war sich mit Paul Stopper darin einig, dass eine Bahn hermüsse, dass die Bahnlücke im Westen Südtirols geschlossen werden solle. Aber Schweiger forderte das Gegenteil von Stopper. Mit Verve verwies Schweiger als Vertreter der Initiative Pro Reschenbahn auf die Verkehrsbelastung im Oberen Gericht hin. Die Staubelastungen zwischen Landeck, Pfunds und Reschen würde durch eine Verbindung Mals-Scuol in keinster Weise gelöst. Als Lösung für den Aufstieg auf den Reschenpass sei der Selleskehrtunnel gedacht. Bewusst sei der Initiativgruppe Pro Reschenbahn, dass die Malser Haide ein Problem darstelle. Die Schweizer sollen allerdings auch mitbedenken, dass Samnaun über das Obere Gericht angefahren werde.
Markus Lobis, Moderator der Veranstaltung und Pressereferent der Initiative „Pro Bahn Terra Raetica“ brachte die Initiativgruppe in Stellung: Die Päferenz von „Pro Bahn Terra Raetica“ sei eindeutig die Verbindung Mals-Scuol.
Die Engadiner Grossrätin Franziska Preisig wies darauf hin, dass nach der Interregplanung 2006, nach der Einstufung von Mals-Scuol als Projekt B 2010, nach der Aussage von LH Arno Kompatscher über eine mögliche Querfinanzierung der EU in einem Ausmaß von 75 % 2019 in einem NZZ-Interview und nach der Absichtserklärung von Graun 2020 das Projekt nun im Engadiner Richtplan drinnen sei. Nun fordere man eine konkrete Planung bis Ende 2022, damit das Projekt auf Bundesebene behandelt werden könne. Eine mögliche Umsetzung prognostizierte Preisig 2040 – 2045. Über viel Medienwirkung habe man im Grossen Rat viel Druck machen können und nun stehe der Grosse Rat dahinter. „Wir brauchen in der Schweiz ein klares Ja“, sagte Preisig. Dieser Erwartung schloss sich auch der Präsident des Fördervereines „Pro Alpenbahnkreuz Terra Raetica“ Dario Giovanoli in seinen Grußworten an.
Zur Veranstaltung eingeladen war auch die geschäftsführende Amtsdirektorin vom Amt für Eisenbahnen und Flugverkehr Stephanie Kerschbaumer, die derzeit den Vorsitz der technischen Arbeitsgruppe inne hat. Kerschbaumer kam nicht, ließ aber schriftlich mitteilen, dass die Arbeitsgruppe ihre Bewertung über eine mögliche Bahntrasse 2023 abgeben wird. Erwartet und auch von LH Arno Kompatscher angekündigt war allerdings, dass diese Entscheidung heuer noch getroffen würde.
In der Diskussion wies Eva Prantl von der Umweltschutzgruppe Vinschgau auf den Schutz der Malser Haide hin. Eine Reschenbahn würde die Wiesenbrüter, die Spinai als Biotop, das Waalsystem und das Westufer des Haidersees zerstören. Es sei unbegreiflich, dass dort Verkehrsinfrastrukturen hinkommen sollen, sagte Prantl. Wir lehnen eine Reschenbahn ab, eine Verbinung in die Schweiz sei ökologisch vertretbar.
Als unseriös bezeichnete Heinrich Zoderer den Ausschluss einer Variante. Er könne sich eine Reschenbahn als Erlebnisbahn durchaus vorstellen.
Der ehemalige Direktor Hubert Folie lehnte eine Reschenbahn kategorisch ab. Hanspeter Staffler, Landtagsabgeordneter der Grünen, regte ein Regionalentwicklungsprojekt an. Der ehemalige Prader BM Karl Bernhart sprach sich für die Verbindung Mals-Scuol aus. Franz Starjakob, Techniker für die Initiative Pro Reschenbahn, forderte unaufgeregt, man solle die beiden Projekte auf den gleichen Stand bringen. „Wir haben bereits eine andere Linienführung für die Malser Haide.“
Der Grauner BM Franz Prieth nahm die Herausforderung an, doch eine Stellungnahme abzugeben. Auf emotionaler Ebene gehe eine Diskussion nicht. Wichtig sei, dass die technische Kommission entscheide und „wir werden diese Entscheidung respektieren“.
Mit dieser Veranstaltung ist die Diskussion von den Internetforen in der Öffentlichkeit angekommen. Und eines ist klar: Es wird wohl noch einige Diskussionen brauchen. (eb)

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