Der Schuhmacher - Dietmar Spechtenhauser macht weit mehr als Schuhe. Ein Porträt über den Laaser Ideenschmied.

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Das Wohnhaus der Familie Spechtenhauser befindet sich in einem ehemaligen Stadel im Zentrum von Laas. Kunst und alte Bausubstanz treffen schon im Eingangsbereich aufeinander. Das Wohnhaus der Familie Spechtenhauser befindet sich in einem ehemaligen Stadel im Zentrum von Laas. Kunst und alte Bausubstanz treffen schon im Eingangsbereich aufeinander.

Das Wohnhaus der Familie Spechtenhauser befindet sich in einem ehemaligen Stadel im Zentrum von Laas. Kunst und alte Bausubstanz treffen schon im Eingangsbereich aufeinander.

Text & Fotos: Maria Raffeiner

In seinem Militärjahr hatte Dietmar Spechtenhauser als Trompeter viel Zeit zum Üben und Überlegen. Wahrscheinlich wimmelte es in seinem Kopf schon damals von Ideen. Den Gesellenbrief als Orthopädieschuster trug er da bereits in der Tasche. Was er schon während seiner Lehre in Vorarlberg bewiesen hatte, verschönerte ihm auch die Monate bei der Militärmusik in Udine: Präzision, Anpassungsfähigkeit und Engagement.
Seine Handwerkskunst vertiefte er landesweit in verschiedenen Werkstätten. Daheim in Laas führte der Vater ein Schuhgeschäft mit Reparaturservice. Sobald Dietmar seine Meisterprüfung abgelegt hatte, folgte der Schritt in die Selbständigkeit. Er wurde der erste Orthopädie-Schuhmacher des Tales. Bis heute steht er mit seiner Frau Verena im modischen Schuhgeschäft, es lagern dort beträchtliche 15.000 Paar Schuhe, und fertigt in der Werkstatt Maßeinlagen, Maßschuhe und Reparaturen an. Sohn Florin ist als Geselle auch schon mit Leisten und Leder tätig. Vier Angestellte verstärken das Team. Dietmar, den Laaser Schuster, kennt man über die Talgrenzen hinaus. Das mag an seiner Geschäftstüchtigkeit liegen, an knackigen Radioslogans und Werbeinseraten. Aber nicht nur.
Der große, drahtige Mitfünfziger ist ein Macher. Als Obmann leitete er neun Jahre die Musikkapelle im Marmordorf, der er mit 13 Jahren beigetreten war, danach arbeitete er lange Zeit im Ausschuss mit. Er mag es gesellig, vielleicht hat es ihm deshalb die Fasnacht angetan. Wer hätte gedacht, dass er sich seine originellen Faschingskostüme selbst näht. Wo nimmt der vielseitige Organisator bloß die vielen Einfälle her? Einige sprudeln aus ihm heraus, manche setzt er gekonnt fort. Wie den Laaser Faschingsumzug. Und s32 dietmarwieder andere Initiativen werden ihm zugetragen. Damit umschreibt er die Kraft der Gemeinschaft: „Ich habe gelernt, Anregungen anzunehmen und bei der Umsetzung mitzuhelfen.“ Die Laaser Kaufleute sind eine tüchtige Truppe mit vielen Aktionen durch das Jahr. Die Fäden laufen bei Dietmar zusammen, Ortsobmann seit 20 Jahren. Unsinniger Donnerstag, Schulende, Frühlings- und Krautwochen, Oster- und Adventsmarkt: Laas präsentiert sich geschickt, greift stimmungsvoll Anlässe auf. Davon profitieren Besucher:innen, Gastwirt:innen und Kaufleute.
Rhetorisch ist Dietmar ein Routinier. Er kann fesselnd erzählen, streut bildhafte Details. Füllwörter braucht er nicht. Wir sitzen am Esstisch im lichtdurchfluteten Wohnraum der Familie. Mit viel Eigenleistung hat sie einem alten Stadel im Ortszentrum neues Leben eingehaucht. Glas und Holz, kombiniert mit hellen Materialien, Möbelstücke mit Geschichte. Dietmar hält Rückschau, reflektiert selbstkritisch, da verfliegt die Zeit. Lange bleibt sein Wasserglas unberührt, weil er beseelt ist von seinem Unternehmungsgeist. „A tolle Gschicht“, sagt er öfters.
Vielen wird er vom beliebten Kulturfest „Marmor & Marillen“ bekannt sein. Die Programme der 20 Ausgaben hat er zur Hand, schnell blättert er durch die Sammlung. Fast wehmütig bleibt er bei Bildern hängen, während er die Entwicklung der Großveranstaltung nachzeichnet. Ob das Fest heuer stattfinden kann, steht noch in den Sternen. Was ihm als Botschaft wichtig ist: Alleine ist nichts zu schaffen. Respektvoll nennt er Helfer:innen, Ideengeber:innen, Mitdenker:innen, Vereine. Er spricht von Dorfstolz, von Flair und Atmosphäre. Ob er viel Überzeugungsarbeit leisten muss? „Ja, durchaus“, antwortet er mit verschmitztem Grinsen. „Meine Frau bremst mich manchmal, wenn ich auf die Leute einrede. Aber ist dann etwas gelungen, freuen sich alle.“ Erfolg ist sein Antrieb, wobei dem Macher bestimmt auch Fehler unterlaufen. „Wer etwas macht, macht auch falsch.“, aber davon lässt sich Dietmar nicht aus dem Konzept bringen. Einige Tage kann etwas schon in ihm arbeiten, dann muss es aber auch wieder gut sein. Wesentlich ist das Erfolgserlebnis, verbunden mit gemeinschaftlicher Leistung. Seit mehr als 10 Jahren bekleidet er zudem das Amt des Bezirkspräsidenten im Handels- und Dienstleistungsverband. Ein Netzwerker durch und durch – mit immer neuen Marketingideen. Tafeln, Taschen, Sensibilisierungsaktionen, Gewinnspiele: Dietmar kann Akzente setzen.  Seine blauen Augen sprühen vor Enthusiasmus. Er brennt für seine ehrenamtlichen Posten, freilich auch für sein Gewerbe. Beißt er irgendwo auf Granit, muss er loslassen. Die „Freunde der Schrägbahn“ sind so ein Beispiel, sie setzen sich für den Abtransport des weißen Gesteins über den Bremsberg ein. „Lange rannte ich gegen den Wind, die Richtung unterstütze ich bis heute. Geht mir aber die Energie aus, muss ich es sein lassen“, resigniert Dietmar das einzige Mal im Gespräch. Was findet Dietmar, der sich strategisch für ein attraktives Laas einsetzt, am Dorf so liebenswürdig? Er muss nicht lange nachdenken: Vereinsleben, Dorfgemeinschaft. „Der Dorfplatz zeichnet uns aus. Auch das Dorf selbst! Laas ist ein schönes Dorf, ich würde noch viel Potential darin sehen.“ Der Versuch war da, die Gemeinde auch politisch weiterzuentwickeln. Spechtenhauser stieg bei den Vorwahlen um den Bürgermeistersessel in den Ring, musste sich aber geschlagen geben. Obwohl noch leichte Verbitterung mitschwingt, steckt er den Kopf nicht in den Sand. „Die Kinder können ja nichts dafür“, mit einer Hand streift er über die Drucksachen vor ihm. Mit Kindern sind nämlich nicht Florin und Lea, auch nicht Enkelsöhnchen Franz gemeint, sondern diverse Projekte, an denen er mitwirkt. Die lässt er nicht fallen, und wenn es auch mal heißt, über den Schatten zu springen. Hoffentlich stimmen nach der tauben Coronazeit das Umfeld und die Chemie in der Gesellschaft rasch wieder. Um dem auf die Sprünge zu helfen, richteten die Laaser Kaufleute in den letzten Wochen die Solidaritätsaktion „Laaser Genussschein“ zu Gunsten der Gasthäuser in der Gemeinde aus, die lange von den Schließungen betroffen waren. Ein Ablauf wie dieser stimmt ihn zufrieden, aus einer erdachten Vision wurde Wirklichkeit.
Fasziniert berichtet er von einer Lehrfahrt, die der Bezirk Vinschgau (HDS) bald unternimmt: Die schweizerische Kleinstadt Lichtensteig bewirbt sich als „Ort der Macher:innen“. Das möchte sich der Laaser Macher aus der Nähe ansehen. 

 

Il calzolaio
Durante il suo anno nell‘esercito, Dietmar Spechtenhauser di Lasa, come trombettista, aveva molto tempo per esercitarsi e pensare. La sua testa probabilmente già allora brulicava di idee. Aveva già in tasca il suo diploma di calzolaio ortopedico. Ciò che aveva già dimostrato durante il suo apprendistato nel Vorarlberg ha arricchito anche i suoi mesi con i militari a Udine: precisione, adattabilità e impegno.
Ha approfondito il suo artigianato in vari laboratori in tutto il paese. Divenne il primo calzolaio ortopedico della valle.

 

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