Der Weg des Wassers im Vinschgau

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Blau, dunkelgrün, schneeweiß schäumend, türkis oder azur - Wasserwege im Vinschgau

von Karin Thöni

Wasser ist Quell des Lebens und unser kostbarstes Gut. Aber es wird knapper. Der „Wasserfußabdruck“ jedes Menschen erhöht sich kontinuierlich. Gletscher gehen zurück, Schnee als Wasserspeicher wird dürftiger. Doch ohne Wasser kein Leben.
Die Menschen im Vinschgau wussten schon immer mit dem knappen Gut zu haushalten. Machen wir uns auf den Weg des Wassers in unserem Tal.

Sizilianische Trockenheit. Der Vinschgau ist umgeben von einer Vielzahl an Dreitausendern, hohe Gebirgsketten schirmen das weite Tal gen vielen Himmelsrichtungen ab. Sie wirken wie riesige Regenschirme und viele Tiefs regnen sich an den Hängen schon weit vor dem Vinschgau ab. Das Tal wird treffend als „inneralpine Trockeninsel“ bezeichnet, mit weniger als 500 Millimeter Niederschlag im Jahr und fast 300 Sonnentagen. So ist es im Vinschgau ähnlich trocken wie in Sizilien. Fünfzig Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht sind an den Sonnenhängen keine Seltenheit. Die Natur hat sich daran meisterhaft angepasst.
An diesen Südhängen, dem Sonnenberg, wachsen nicht umsonst mediterrane und zentralasiatische Pflanzen: Robinien, Flaumeichen, Kastanien, Eschen, Berberitzen- Sanddorn- und Wacholdersträucher… und doch mussten die Kulturpflanzen, mussten Äcker mit Getreide und Buchweizen, mit Flachs und Kartoffeln bewässert werden.

Wasser- Waale. Not machte erfinderisch und so durchzieht den Vinschgau noch heute ein ansehnliches Netz an Waalwegen. Uns dienen sie heute zum Wandern und natürlich sind sie auch schön anzusehen, doch für die Bergbauern waren sie das Ergebnis der blanken Not. Die bäuerliche Bevölkerung legte die kilometerlangen Waalwege ab dem 13. Jahrhundert zur Bewässerung von Wiesen und Äckern an, denn ohne kontinuierliche Bewässerung keine Ernte. Manche Streckenführung mutet heute sonderbar an, manche ist spektakulär, aber jede erfüllt ihren Zweck. Das wertvolle Nass zweigte man von Bächen hoch oben in den Bergen ab und leitete es in die Waale ein. So geschieht das auch heute noch.

Wertvolle Auen. Die junge Etsch entwässert den Vinschgau, schlängelt sich von Reschen durch das Etschtal hinunter nach Trient, Verona und mündet dann südlich von Chioggia in das Adriatische Meer. In weiten Teilen hat man der Etsch ihre Wildheit genommen und Auen und Schwemmland trocken gelegt. Doch es gibt noch Ecken, an denen sich das Früher erahnen lässt. So kann man in den Schludernser Auen einiges erfahren und sehen: besondere Tiere, Aupflanzen, Sagen und Geschichten rund um das jetzige Biotop. Auch die Prader Sand, ein Biotop am Fuße des Stilfserjochs, ist eine der letzten Auenlandstriche in Südtirol. Durch ihn führen drei Wanderwege.

Familientipp. Du suchst einen gemütlichen Rundweg mit Lerneffekt? Seit diesem Frühjahr ist der Natur- Erlebnispfad im Biotop unterhalb von Schluderns eröffnet worden. 15 Schautafeln geben Informationen über die Lebensräume des Auwaldes, ein Forschungsrucksack und Spiele am Wegesrand machen die Runde auch für Kinder spannend. Mehr dazu in den Büros der Ferienregion Obervinschgau.

Kristallklare Bergseen. Verfolgt man den Weg des Wasser weiter von unten nach oben, dann stößt man über kurz oder lang auf die vielen Seen des Tales: Stauseen, Naturseen im Talboden und eine Vielzahl von Bergseen in allen Größen, Formen und Farben.
Viele Gebirgsseen sind bekannt und beliebt, viele noch ein Geheimtipp oder schwerer zu erreichen.
Jedes Seitental und -tälchen hat seinen Bergsee oder gar mehrere. Die allermeisten dieser Seen sind durch Gletscher entstanden, die in den Fels Eintiefungen auswuschen, sogenannte Kare. Oder es staut sich nach dem Gletscherrückzug das Wasser hinter einer Endmoräne auf und ein See entsteht. Jedenfalls bilden sich immer mehr Gletscherseen, auch eine Folge des Gletscherschwundes. Einige bleiben über den Sommer erhalten, einige trocknen aus und füllen sich erst wieder zur nächsten Schneeschmelze.
Aber warum sind die meisten Bergseen so außergewöhnlich klar? Seen auf dieser Höhe sind sehr kalt und häufig nährstoffarm und deshalb meist ungetrübt. Fische haben hier kaum eine Chance.

 

Doch Bergseen sind nicht immer nur klar und strahlend blau, es gibt auch die milchig matt-türkisen Varianten.
Gletschermilch? Hier hat das Gletscher-Schmelzwasser seine Hände im Spiel: wie ein riesiges Schleifpapier trägt der Gletscher Gesteinspartikel ab und dieses „Gletschermehl“ gelangt mit dem Schmelzwasser in den See. Halten sich die Partikel wegen geringem Zu- oder Ablauf nicht so lange im Wasser, erscheint der See in einem kristallklarem Türkis. Bei mehr Bewegung bleiben die Partikel in der Schwebe und der See erscheint milchig und matt, aber immer noch türkis, Gletschermilch eben.
Die Farbe sagt also viel über den See aus. Aber auch andere Faktoren spielen mit: Tiefe, Umgebung, Bewölkung, Algenanteil und das Licht.
Buchtipp. Ein überaus schönes Buch über Bergseen in den Alpen ist „Lagunen der Alpen“ von Thomas Kargl. Die Schönheit der Alpengewässer wird in Bildern festgehalten, auch beantwortet das Buch viele Fragen über Hochgebirgsseen und ihre Farben.

 

Seen- Wandertipps.
Im Vinschgau hat man so die Qual der Wahl, denn Bergseen gibt es jede Menge:
- der unbekannte Kappler Schwemmsee (2599 m) in Langtaufers
- der leicht über den Watleslift zu erreichende Pfaffensee (2240 m)
- der kristallklare Upisee (2550 m) in einem Seitental des Matschertales
- der Furkelsee (2770 m) oberhalb der Sesvennahütte in Schlinig
- die Saldurseen (von 2500 m bis 2900 m), dem höchst gelegenen Seenplateau der Alpen, fünf Seen in allen Farben
- der Matscherjochsee (3188 m) als höchst gelegener Bergsee der Alpen
- die Litzer Seen (2674 m) hoch über Alitz und Tanas
- der Göflaner See (2525 m) am Vinschger Nörderberg
- die Flimseen (2792 m) und der Grün- und Gelbsee (2740 m) im Martelltal
- der Tarscher See (1921 m) inmitten dem Tarscher Almwald
- der selten besuchte Hungerschartensee (2713 m) im Schnalstal
- der Kortscher See (2511 m) im malerischen Schlandrauntal
- der Zirmtalsee (2115 m) von Freiberg aus bei Kastelbell direkt an der Zirmtaler Alm
- die farbenfrohen Spronser Seen (von 2117 m bis 2589 m) in der Texelgruppe oberhalb von Partschins

Und auch hier gilt: Rücksicht nehmen auf die Natur und das empfindliche Ökosystem- auch wenn der Sprung in den kalten Bergsee im Moment Instagram tauglich ist.

 

Museumstipp.
Du möchtest mehr mehr über die Waalwege, das „Wasserwosser“ und den Waaler wissen? Ein Besuch im Vintschger Museum in Schluderns ist einen Umweg wert. Hier kannst du den Vinschgau und seine Bevölkerung verstehen lernen: Waale, Räter, Römer, Schwabenkinder und Haflingerpferde. Aufschlussreich und unterhaltsam präsentiert sich das Museum der Vinschger. Mehr Infos:
Musui.it/vuseum

 

L'acqua in Val Venosta
La Val Venosta è circondata da una moltitudine di cime di tremila metri, alte catene montuose che schermano l'ampia valle in molte direzioni. Esse agiscono come giganteschi ombrelli e molti sistemi di bassa pressione piovono sui pendii molto prima della Val Venosta. La valle è giustamente descritta come un'“isola secca delle Alpi interne”, con meno di 500 millimetri di precipitazioni all'anno e quasi 300 giorni di sole.

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