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Dr. Rita Schiffer – Missionarin, Ärztin und Engel der Armen in Äthiopien

Presseaussendung zum Tag der Frau

Dr. Rita Schiffer; Foto: Michael Lintner

Dr. Rita Schiffer ist Ärztin, Missionarin und seit dem Jahr 1997 die Leiterin des Krankenhauses Attat in Äthiopien. Als Fachärztin für Gynäkologie verantwortet sie die chirurgische Gynäkologie sowie die operative Notfallversorgung in einer der ärmsten Regionen des Landes – einer Gegend, in der medizinische Hilfe oft lebensentscheidend ist.
Ihre Geschichte zeigt, wie eine einzelne Person das Leben vieler Menschen nachhaltig verändern kann. Anlässlich des Internationalen Frauentages haben wir mit Dr. Schiffer über ihr Leben, ihre Motivation und ihre Erfahrungen gesprochen.

Was hat Sie dazu bewegt, Ihr Leben in Äthiopien dem Dienst an den Armen zu widmen?
Die Einsicht wie reich und beschenkt ich bin durch die Tatsache in Europa geboren zu sein. Ich möchte dieses Privileg für andere einsetzen, nutzen.

Gab es einen entscheidenden Moment, der Ihre Berufung geformt hat?
Es war keine Momenterfahrung, die meine Berufung geprägt hat, sondern eher das Erschrecken und die Frustration über die Ungerechtigkeit auf unserer Welt. Ich möchte mit meinem Leben widersprechen und meinen kleinen Beitrag leisten.

Als Frau und Chirurgin in einem oft schwierigen Umfeld: was waren die größten Herausforderungen?
Zu akzeptieren, dass manche therapeutischen Wege, die in Europa möglich wären, hier nicht realisierbar sind.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Arbeit am meisten geprägt?
Das Erleben wie die meisten Menschen hier mit dem Auf und Ab des Lebens umgehen, mit Zähigkeit, Vertrauen auf Gott ihren Schöpfer, Dankbarkeit und in Beziehung mit anderen.
Was können Menschen hier in Europa von Ihrem Engagement lernen – über Menschlichkeit, Mut oder Solidarität?
Es ist die Einladung alle Gaben, die uns geschenkt sind wahrzunehmen, oder vielleicht auch zu suchen, und mit diesem Potential, mit allen Grenzen, die es für uns alle gibt, Leben mit anderen dankbar zu gestalten.

Welche Botschaft möchten Sie Frauen und jungen Menschen heute mitgeben?
Nichts im Leben ist selbstverständlich. Glück ist Leben aktiv mit und für andere zu gestalten im Jetzt. Du und Dein Leben sind wichtig für unsere Welt, auch wenn man sich manchmal klein anfühlt.

Was macht für Sie eine Frau heute wirklich stark?
„Ja“ zu sich selbst mit allen Gaben und Grenzen zu sagen und die Illusion aufzugeben, dass im Leben alles glatt geht, sondern dass Herausforderungen uns wachsen.

Welche Geschichte blieb Ihnen besonders im Gedächtnis?
Meine Assistentin in der Krankenhausambulanz ist gelernte Hebamme. Zur Abwechslung wollte sie gerne im Kreissaal arbeiten und stellte einen Antrag auf Versetzung. Der Antrag wurde von der Verwaltung abgelehnt. So war es verständlich, dass sie am nächsten Morgen mit verweinten Augen und missmutig zur Arbeit kam. Die gemeinsame Arbeit am Morgen verlief in etwas angespannter Atmosphäre, ich konnte dies gut akzeptieren. Nach der Mittagspause kam sie überraschenderweise munter und freundlich zurück. Ich fragte neugierig nach, was sich denn in der Mittagspause ereignet hätte. Ihre Antwort: „Ich habe mir überlegt, dass ich viel Gutes im Leben habe, einen Mann und Kinder, ein Zuhause, Arbeit und Gesundheit. Es werden nicht alle Wünsche im Leben erfüllt, für niemanden.“ Damit wer Fall erledigt, und ich hatte viel gelernt.

Namensverwechslung
Da wir immer wieder als Ärzte ohne Grenzen angesprochen werden, möchten wir darauf hinweisen, dass Südtiroler Ärzte für die Welt ein eigenständiger Verein mit Sitz in Bozen ist und in keiner Verbindung mit der internationalen Organisation Ärzte ohne Grenzen steht.