Südtiroler Beratungsring
Südtiroler Beratungsring: Kostenkennzahlen und Schädlinge im Blick
Obmann Manuel Santer berichtete in Nals über die Service-Neuerungen für die Mitglieder. So erscheinen die Fachzeitschriften des Beratungsrings, obstbau*weinbau und frutta e vite, in einem neuen Layout. Auch das Online-Betriebsheft und die App des Beratungsrings werden ständig weiterentwickelt. Beide Angebote wurden um neue Funktionen erweitert und werden von den Mitgliedern zunehmend genutzt. Über 3.400 Betriebe verwenden das Online-Betriebsheft, 3.391 Mitglieder nutzen die Basis-App und 2.285 die Profi-App.
Neuer, moderner Sprüherprüfstand
Der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau bietet Obst- und Weinbauern sowie Geräteherstellern an drei Standorten – Auer, Lana und Latsch – die Möglichkeit, die Funktionsfähigkeit ihrer Sprühgeräte überprüfen und einstellen zu lassen. Diese Überprüfung muss alle drei Jahre erfolgen. Auch neue Sprühgeräte sollten den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. In Latsch hat der Beratungsring nun den ersten seiner drei Prüfstände modernisiert.
Aktualisierte und erweiterte Kostenbroschüren
Zu den wichtigsten Dienstleistungen des Beratungsrings gehören neben der fachlichen Beratung im Feld auch regelmäßige schriftliche Informationen zu Themen wie Anbau, Pflanzenschutz, Schädlinge, Krankheiten und Witterung. Der Beratungsring stellt seinen Mitgliedern außerdem aktuelle Kostenkennzahlen und betriebswirtschaftliche Auswertungen zur Verfügung. Diese bilden eine wichtige Grundlage für Entscheidungen hinsichtlich Einspar- und Optimierungspotenziale im Betrieb. In diesem Jahr werden Broschüren erstmals die Lohnkosten für Eigen- und Fremdarbeit sowie die Zusatzrentenvorsorge detailliert ausgewiesen. Die Kostenbroschüren sind auf der Homepage des Beratungsrings sowie in der Beratungsring-App abrufbar.
Notfallzulassungen: Planbarkeit nicht gegeben
Die derzeitige Praxis der Notfallzulassungen bei Pflanzenschutzmitteln führt dazu, dass die Planbarkeit im Anbau nur mehr eingeschränkt gegeben ist. Aus diesem Grund besteht laut Robert Wiedmer, dem Bereichsleiter Obstbau beim Beratungsring, dringender Handlungsbedarf. Die regulären Zulassungsverfahren müssen deutlich verkürzt und effizienter gestaltet werden. Auf EU-Ebene wird aktuell im Rahmen des „Food- und Feed-Omnibus“ über Änderungen im Pflanzenschutzrecht beraten, mit dem Ziel, bestehende Regelungen praxisnah weiterzuentwickeln und mehrere Bestimmungen zu vereinfachen.
Japankäfer ist angekommen
Bei der Generalversammlung wurde die Bedeutung der Beraterinnen und Berater beim Monitoring von Krankheiten und Schädlingen hervorgehoben. Aktuelles Beispiel ist der Japankäfer (Popillia japonica), der aufgrund seines Schadpotenzials als prioritärer Quarantäneschädling eingestuft ist. Im Rahmen des landesweiten Monitorings konnten 2025 erstmals in Südtirol einzelne Japankäfer nachgewiesen werden. Umso wichtiger ist es daher, mögliche Befallsherde frühzeitig zu erkennen.
Neue Schildlaus im Südtiroler Weinbau
Hansjörg Hafner, Leiter des Bereichs Weinbau beim Beratungsring, berichtete über die aktuelle Lage im Weinbau. Die Branche sieht sich mit globalen Herausforderungen wie Konsumrückgang, extremen Wetterbedingungen und neuen Schädlingen konfrontiert. So wird in diesem Jahr im Unterland erstmals in Südtirol die Mehlige Rebenschildlaus (Planococcus ficus) mittels der Verwirrungsmethode bekämpft. Dieser Schädling, der sich zunehmend auch in Norditalien ausbreitet, ist problematisch, da er nicht nur direkte Schäden verursacht, sondern auch Viruskrankheiten übertragen kann.
Forschungen zur Blutlaus
Im biologischen Apfelanbau ist die Blutlaus derzeit die größte Herausforderung. Die Möglichkeiten zur direkten Bekämpfung sind stark eingeschränkt, was die Situation für Obstbauern schwierig macht. Da sich die Biologie des Schädlings offensichtlich verändert hat, ist eine vertiefte Grundlagenforschung unerlässlich. Erste Forschungsprojekte sind bereits angelaufen. „Auf Grundlage dieser systematischen Erhebungen können nachhaltige Strategien entwickelt und in der Praxis erprobt werden, um den Befall wirksam zu reduzieren”, so Ulrich Kiem, Bereichsleiter für den Bioanbau beim Beratungsring. Kiem erwähnte auch die bereits in Kraft getretene Rahmenvereinbarung für ein konfliktfreies Nebeneinander von biologisch, integriert bzw. konventionell bewirtschafteten Weinbauflächen.
Gemeinsam 75 Jahre Engagement
Bei der 65. Generalversammlung wurden Maria Kiem und Paul Hafner unter großem Applaus geehrt. Maria Kiem trat im Dezember nach 41 Dienstjahren ihren wohlverdienten Ruhestand an. Über Jahrzehnte hinweg verantwortete sie u.a. das Layout der Fachzeitschrift obstbau*weinbau. Paul Hafner, der Ende Februar nach 34 Dienstjahren in Pension ging, war als Weinbauberater tätig.
Weitere Ehrungen
Im Rahmen der 65. Generalversammlung wurden Michaela Erschbamer, Bio-Obstbauberaterin im Etschtal, sowie Armin Gruber, Leiter des Bereichs Verwaltung und IT, für ihre 25-jährige Tätigkeit geehrt. Obmann Manuel Santer dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr Engagement und betonte: „Wir rüsten unsere Mitglieder nicht nur mit Fachwissen und Kennzahlen, sondern auch mit persönlicher Betreuung, um gemeinsam den Herausforderungen von heute und morgen zu begegnen.“
Der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau bietet seinen Mitgliedern seit nunmehr 68 Jahren eine unabhängige und objektive Beratung im Bereich Apfel-, Wein-, Kirsch-, Marillen- und Birnenanbau einschließlich spezifischer Beratung für den biologischen Anbau. 2025 zählt der Südtiroler Beratungsring 5.794 Mitglieder, davon 5.376 "ordentliche" Mitglieder mit gemeldetem Kulturgrund in Südtirol und 418 "korrespondierende" Mitglieder ohne Kulturgrund in Südtirol. Die Mitgliederfläche erstreckt sich über 21.775 ha, wovon 17.180 ha dem Obstbau gewidmet (davon 2.183 ha Bioobstbau) sind, das sind gut 95 % der gesamten Obstbaufläche Südtirols. 4.595 ha sind dem Weinbau gewidmet (davon 309 ha Bioweinbau), das sind knapp 80 % der gesamten Weinbaufläche Südtirols.