Sebastian Marseiler +
Immer wenn ich den inhaltlich äußerst wertvollen und unterhaltsamen „Kunstführer Südtirol“ in die Hand nehme, grüßt mich der Sebastian. Der Sebastian lässt mich (und andere) sehr oft augenzwinkernd und zum Augenzwinkern aufmunternd durch seine Brille auf Kunstwerke, auf Besonderheiten, auf Anekdoten in seinem Heimattal Vinschgau, im Burggrafenamt, im Etschtal, im Unterland, in Bozen, im Eisacktal mit der Brixner Gegend und im Pustertal blicken. Der Sebastian hat sich auch erdreistet, Sagen neu zu erdichten und neu zu erzählen. Das hat dem behäbigen und sich mondän gebenden Südtiroler Kunstbetrieb nicht gefallen. Man hat den Druck seines Werkes bei mehreren Verlagen zurückgewiesen. Der Vinschger Kulturverlag Arunda hat die Sagen vom Sebastian dann unter „Norggn Lorggn Fraielen“ herausgebracht - eingehegt von Kommentaren und notwendigen Erläuterungen von Ulrike Kindl und umzeichnet von Armin Schönthaler. Für die Herausgeber und für die Grafik im Vinschgerwind war die Buch-Umsetzung durchaus eine Herausforderung. Sebastian Marseiler war in seinem Tun als Kulturpublizist, als Kunsthistoriker, als Umsetzer von Kunstprojekten, als Filmemacher, als Vortragender, als Kurator für Dauerausstellungen (das Vintschger Museum trägt in Teilen seine Handschrift) immer - im positiven Sinne - eine Herausforderung. Der Sebastian ist am 9. April für viele, auch für mich, überraschend verstorben. Viele Spuren, viele Erinnerungen bleiben. So auch der „Kunstführer Südtirol.“