Sustainability Days, 1. Tag: Vorsichtiger Optimismus und ein Aufruf

Der Nobelpreisträger für Wirtschaft 2003, Robert Fry Engle (Foto: LPA/Tiberio Sorvillo) Der Nobelpreisträger für Wirtschaft 2003, Robert Fry Engle (Foto: LPA/Tiberio Sorvillo)

Die Rede des Wirtschaftsnobelpreisträgers 2003 Robert Fry Engle und die UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall haben den ersten Tag der Sustainability Days geprägt.

Der erste Tag der Sustainability Days Südtirol 2022 war von der Eröffnungsveranstaltung und von der Vorstellung des Klimaplans durch die Landesregierung geprägt. Besonders die Reden der internationalen Referentinnen und Referenten, insbesondere jene von Robert Fry Engle und Jane Goodallwaren mit Spannung erwartet worden.

Robert Fry Engle

Der Klimawandel ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit: Das sagt Robert Fry Engle, emeritierter Professor für Finanzwirtschaft und Nobelpreisträger für Wirtschaft des Jahres 2003. Er sprach im Rahmen seines Vortrags über die Auswirkungen des Klimawandels auf ländliche Regionen und ging auch auf die Folgen für Südtirol ein. Besonders die beiden zentralen Wirtschaftszweige Landwirtschaft und Tourismus werden mit großer Sicherheit unter den extreme Wetterereignisse leiden und so vor große Herausforderungen gestellt. Aus Sicht von Engle ist es daher unablässig, die CO2-Emissionen umfassend zu reduzieren. Das werde sich besonders auf jene Investoren und Unternehmen auswirken, die von aus dem Klimawandel resultierenden Risiken besonders betroffen sind. Diese werden Einbußen in Kauf nehmen müssen. Insgesamt aber könnten die konkreten und spürbaren Folgen (wie Dürren, extreme Temperaturen, Schneemangel) in Südtirol noch gebremst werden, sagte Engle.

Gerade ländliche Gebiete hätten zudem die besten Voraussetzungen, alternative Energiequellen zu etablieren. Laut seien immer mehr Konsumenten dazu bereit dazu, Änderungen für mehr Nachhaltigkeit mitzutragen. Auch innerhalb bei den Unternehmen zeichne sich ein Wandel ab. Nicht nur immer mehr Arbeitnehmer bevorzugen Firmen, die nachhaltig agieren, auch immer mehr Investoren unterstützen lieber Unternehmen mit einer Nachhaltigkeitsstrategie. 

Engle zufolge müssen sich Regionen nun mehr denn je zusammenschließen, um gemeinsam nachhaltige Projekte zu realisieren. 

Paolo Braguzzi

Paolo Braguzzi sprach in seinem Vortrag darüber, dass die Menschheit bereits die Kontrolle über die Klimakrise verloren habe. Der Aktivist für business for good betonte, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird, gleichzeitig konsumieren wir mehr, als die Erde hervorbringen kann. Damit beuten wir sie aus, sagte Braguzzi. Noch immer gelte das Bruttoinlandsprodukt eines Staates als Ausdruck seines Reichtums. Dabei würden viele Faktoren wie Gesundheit, gute Bildung, Mut und Wissen meist außer Acht gelassen, obwohl sie ebenso essenziell für das Wohlbefinden der Bevölkerung seien.

Braguzzi stellte das Konzept des Stakeholder-Kapitalismus vor. Unternehmen, die diesem Konzept folgen, betrachten Nachhaltigkeit nicht bloß als Strategie, sondern als konkretes Unternehmensziel. Diese Unternehmen wollen zwar Profit erarbeiten, der Umwelt gleichzeitig aber keinen Schaden zufügen. Immer mehr Bürger wie Investoren würden dieses Geschäftsmodell gerne unterstützen, zudem sei es ethisch Hinsicht vertretbar und trage zur Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft bei.

Das Ausmaß des Klimawandels

Das Ausmaß des Klimawandels verdeutlichten vier Forschende im Rahmen einer Mischung aus Live- und Videokonferenz. Hans Pörtner ist Physiologe und Meeresbiologe und forscht am Helmholtz Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Sonia Seneviratne ist ordentliche Professorin am Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaften der Universität Zürich. Keywan Riahi leitet als Direktor das Forschungsprogramm für Energie, Klima und Umwelt am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse in Wien. Georg Kaser schließlich ist pensionierter Professor für Klima- und Kryosphärenforschung an der Universität Innsbruck und Mitglied des Advisory Board der Sustainability Days.

Sie wiesen auf die Ursachen, zunehmenden Auswirkungen, Grenzen der Anpassung und Wege zur Eindämmung des Klimawandels hin. Die Kernaussage des letzten IPCC-Berichts (Intergovernmental Panel on Climate Change) ist eindeutig: Der Klimawandel ist zu einer globalen Krise geworden und betrifft alle Regionen und Kontinente sowie alle Bereiche menschlicher Aktivitäten, Ökosysteme und die Menschheit als Ganzes.

Physisch gesehen bleibe uns nur ein kleines Zeitfenster, um die globale Erwärmung bei 1,5°C zu stabilisieren. Um dies zu erreichen, wäre ein sofortiger und radikaler Wandel unserer Gesellschaft erforderlich.

Darüber hinaus müsse man auch mit einer Welt rechnen, die sich um mehr als 1,5°C erwärmt, sondern sich darauf vorbereiten. Dies sei unvermeidbar mit höheren Kosten und Verlusten verbunden, da die Optionen zur Anpassung aufgrund der Grenzen der Natur und Menschen eingeschränkt sei. Je wärmer das Klima wird, desto weniger Möglichkeiten haben wir Menschen, die Klimarisiken zu verringern.

Goodall: "Ich bin hier, weil das Schicksal unsers Planeten wichtig ist"

Gegen Abend füllte sich der große Saal in der Messe Bozen immer mehr mit Menschen, um den Vortrag der bekannten Forscherin und UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall zu hören. Goodall ist weltweit für ihre Pionierarbeit bei der Erforschung der wilden Schimpansen bekannt. Mittlerweile bereist Goodall die Welt, um vor den Folgen der Umweltzerstörung zu warnen und die Botschaft zu vermitteln, dass sich jeder für die Erde einsetzen soll: Immerhin bewohnen sie alle Lebewesen gemeinsam.

"Ich möchte bei euch sein, weil diese Begegnung wichtig ist, um über die Zukunft unseres Planeten zu diskutieren", sagte die Forscherin, die via Livestream zugeschaltet war. Sich um Schimpansen zu kümmern, wie sie es lange getan habe, bedeute für sie, sich um das Schicksal der Erde zu kümmern, sagte Goodall. "Wald zu schützen bedeutet nicht nur, Pflanzen zu schützen, sondern auch die Zukunft zu schützen. Wenn wir das gemeinsam machen, haben wir noch ein wenig Zeit, um den Klimawandel zu verlangsamen", meinte die Forscherin und fügte hinzu: "Meine größte Hoffnung sind die Jugendlichen, weil sie die Welt verändern, während wir reden."

mdg/at/red

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