Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit steigt trotz Beschäftigungswachstum

"Trotz dieses Beschäftigungswachstums ist die Registerarbeitslosigkeit gestiegen", erklärte der Direktor des Arbeitsmarktservice, Stefan Luther, der heute den neuen Arbeitsmarktbericht vorgestellt hat. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri) "Trotz dieses Beschäftigungswachstums ist die Registerarbeitslosigkeit gestiegen", erklärte der Direktor des Arbeitsmarktservice, Stefan Luther, der heute den neuen Arbeitsmarktbericht vorgestellt hat. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)

Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt im Sommerhalbjahr 2023 sind heute bei der Vorstellung des Arbeitsmarktberichtes Mai-Oktober 2023 beleuchtet worden.

Die Hoppe-Krise und der steigende Brain-Drain sind zwei aktuelle Entwicklungen, die sich gleichzeitig auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt abspielen. Im Halbjahr von Mai bis Oktober 2023 hat Südtirols Arbeitsmarkt ein durchschnittliches Beschäftigungswachstum von 2,1 Prozent verzeichnet, wobei betrieblich und sektoriell bemerkenswerte Entwicklungen zu beobachten waren: So betrug der Anstieg im Gastgewerbe 5,2 Prozent. Kleinere Betriebe mit weniger als 15 Beschäftigten sind mit einem Beschäftigungsplus von 3,7 Prozent stärker gewachsen als Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitenden (1,7 Prozent). Mit 13.191 Personen lag die Registerarbeitslosigkeit im Halbjahresschnitt, wobei die Vorpandemiewerte nicht unterschritten wurden. "Trotz dieses Beschäftigungswachstums ist die Registerarbeitslosigkeit gestiegen", erklärte der Direktor des Arbeitsmarktservice, Stefan Luther, der heute (15. Dezember) im Landhaus 1 in Bozen den neuen Arbeitsmarktbericht und ausgewählte Details zu den vielfältigen Entwicklungen auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt im Sommerhalbjahr 2023 vorgestellt hat. Der Abteilungsdirektor verwies darauf, dass die Arbeitslosen vor allem aus den saisongeprägten Sektoren kämen. 

Neuer Rekord von über 240.000 Beschäftigten

Die Grundentwicklung zeige, wie Arbeitsmarktdirektor Luther informierte, ein durchschnittliches Wachstum: Fast alle Sektoren hätten an die Zeit vor der Pandemie angeschlossen, die arbeitsvertragliche Stabilisierung sei konsolidiert. "Mit mehr als 240.000 Beschäftigten haben wir schon wieder so viele Beschäftigte wie 'noch nie'", informierte der Abteilungsdirektor, und warf die Frage nach der Herkunft auf, zumal die Bevölkerungszahl stabil sei. Der Zuwachs sei zu 75 Prozent auf ausländische Arbeitskräfte zurückzuführen. Der Beschäftigungszuwachs bedeute aber kein "Ende der Arbeitslosigkeit". Vielmehr sei eine Verfestigung der Sockelarbeitslosigkeit zu beobachten.

Verarbeitendes Gewerbe: Konträre Tendenzen 

Im Anschluss ging Luther auf konträre Tendenzen im Bereich des "Verarbeitenden Gewerbes" ein. Er schilderte den Fall des Unternehmens Hoppe, das in Südtirol 121 Arbeitsstellen abgebaut hat, und die Schwierigkeiten, gering qualifizierte Arbeitskräfte, von denen ein Drittel Nicht-EU-Bürger seien, zu vermitteln. Überdurchschnittlichen Beschäftigungszuwachs verzeichnete das Unternehmen Alpitronic, das in wenigen Monaten 200 zusätzliche Mitarbeitende eingestellt hat, und nun mehr als 700 Beschäftigte zählt. 

Ausländische Arbeitskräfte sorgen für drei Viertel des Beschäftigungswachstums   

Unterschiedlich fallen die Zuwächse bei der Beschäftigung nach Personengruppen aus: Unter den Südtirolern und Südtirolerinnen (0,6 Prozent, bereinigt um die Einbürgerungen allerdings nur 0,2 %) sind sie relativ niedrig, bei den Italienern und Italienerinnen aus anderen Regionen liegen sie bei 5,9 Prozent (998 Personen), den Ausländern mit Wohnsitz in Südtirol bei 5,5 Prozent (1161 Personen), den Arbeitskräften aus außereuropäischen Staaten bei 11,9 Prozent (1379 Personen). Im Vergleich zum Vorjahr waren mit insgesamt 1261 Ukrainerinnen und Ukrainer 13 Prozent mehr beschäftig als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt bilden ausländische Arbeitskräfte drei Viertel des Beschäftigungswachstums (2862 Personen), vor allem im Gastgewerbe, aber auch im Verarbeitenden Gewerbe und in den übrigen Dienstleistungen, im Halbjahresschnitt sind es 40.300 Menschen. Die Zunahme der weiblichen Beschäftigung lag bei 2,3 Prozent und damit über jener der Männer.

Veränderungen gab es im Bereich der Arbeitsvertragsformen. So nahmen Beschäftigungen mit unbefristeten Verträgen um 80 Prozent zu. Im Schnitt waren63.528 Personen befristet beschäftigt, das sind 27,9 Prozent. Das starke Beschäftigungswachstum im Gastgewerbe hat sowohl unbefristete (7,2 %) wie auch saison- oder anders bedingte befristete Arbeitsplätze geschaffen (4,1 %). Stabil bleibt die Lehre mit Berufsschule, während die berufsspezialisierende Lehre um 9,3 Prozent angestiegen ist. Insgesamt haben 5537 Jugendliche einen Lehrvertrag; zwei Drittel aller Lehrlinge (3625) sind Lehrlinge mit Berufsschule, wobei sich die Lehre zum Bankkaufmann oder zur Bankkaufrau bewährt hat.

Alterung und Brain-Drain nehmen zu

Südtirols Arbeitsmarkt verzeichnet eine zunehmende Alterung: Mehr als jeder dritte Arbeitnehmende (33,5 %) ist mittlerweile über 50 Jahre alt (78.021 Personen). Von den jungen Arbeitnehmenden sind 40.811 Personen unter 30 Jahre alt (+1,6 % gegenüber dem Vorjahr). Besorgt zeigte man sich bei der heutigen Pressekonferenz über den zunehmenden "Brain-Drain", die Talenteabwanderung. Der Anteil der Jugendlichen der Jahrgänge 1993 und 1994, die vor dem 30. Lebensjahr ausgewandert sind, beläuft sich auf 1700 Personen und 16 Prozent, wobei Wien (250) und Innsbruck (240) die Hauptzielorte sind, gefolgt von München, Zürich und Berlin. Zehn Jahre zuvor waren es beim Jahrgang 1983/84noch sechs Prozent gewesen. "Mit dem Thema des 'Brain-Drain' werden sich im Detail die nächsten zwei Ausgaben der Info-Schrift Arbeitsmarkt-News befassen", kündigte Abteilungsdirektor Luther an. 

Zum Arbeitsmarktbericht

jw

Gelesen 184 mal

Schreibe einen Kommentar

Make sure you enter all the required information, indicated by an asterisk (*). HTML code is not allowed.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.