Milchwirtschaft/Locher: „Negativentwicklungen dürfen sich nicht wiederholen“

L.Abg. Franz Locher L.Abg. Franz Locher

Unverhältnismäßig gestiegene Futter- und Stromkosten bei stagnierenden Auszahlungspreisen haben der Milchwirtschaft in Südtirol in den vergangenen Jahren zugesetzt. „Das darf künftig nicht mehr der Fall sein,“ sagt der SVP-Landtagsabgeordnete und Bauernvertreter Franz Locher.

Mit einem Beschlussantrag in der Landtagswoche im April, der Maßnahmen zur Stabilisierung der Milchwirtschaft fordert, pocht Erstunterzeichner Locher auf nachhaltige Entscheidungen für diesen Sektor.  „Es geht vor allem darum, die Produzenten so weit zu stärken, dass sich Entwicklungen, die sich in den vergangenen Jahren zugetragen haben, nicht wiederholen oder ausgebremst werden.“ Die Voraussetzungen dazu sieht er in einer weiteren Verbesserung der Marktpositionierung und der Unterstreichung des Alleinstellungsmerkmals, sprich der Herkunft aus kleinen Familienbetrieben in Berggebieten. Mit durchschnittlich nur 15 Milchkühen tun sich die zwischen 800 und 1500 Metern Meereshöhe gelegenen Betriebe schwer, veränderten Rahmenbedingungen über längere Zeit entgegenzuwirken. Locher analysiert die Situation: „Genau das ist aber in den vergangenen Jahren eingetroffen. Während von 2016 bis 2022 Futter und Strom um über 70 Prozent im Durchschnitt gestiegen sind, hat der Auszahlungspreis bei der Milch um lediglich etwas über 16 Prozent angezogen.“

Große Nachbarn drängen auf Markt

Das Vakuum, das diese Entwicklung finanziell hinterlassen hat, wird sich nur schwer schließen lassen und spiegelt sich auch in der Anzahl der Milchbetriebe wider. 2016 zählte man in Südtirol noch etwa 4.800 Produzenten, im Jahr 2022 waren es noch 4.267. Für Locher eine bedenkliche Situation: „Auch wenn wir für das Jahr 2023 auf eine voraussichtlich positive Entwicklung des Milchpreises blicken können, müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, um die Anzahl der kleinstrukturierten landwirtschaftlichen Betriebe in Berggebieten stabil zu halten.“ Sorgen bereitet Locher auch die Preisentwicklung in den Nachbarsländern, vor allem in Bayern, das auf völlig andere Betriebsgrößen und folglich andere Produktionsmengen zurückgreifen kann: Durchschnittlich stehen 41 Kühe im Stall. Im Februar 2024 lag der Auszahlungspreis dort bei 47,1 Cent pro Kilogramm Milch. Dementsprechend drängen die Produzenten aus Bayern nun auf den Südtiroler Markt, der freie Kapazität hat. „Der gestiegene Auszahlungspreis in Südtirol im Jahr 2023 kann die Teuerungen der vergangenen Jahre nicht wettmachen. Es gilt nun zu ermitteln, wie unsere kleinstrukturierten Betriebe kontinuierlich unterstützt werden können, ohne den Landeshaushalt damit in einer neuerlichen Krisensituation unnötig zu belasten.“

Landschaftsbild wird leiden

Wenn weiterhin zahlreiche Milchbetriebe ihre Tätigkeit einstellen, weil sie auf andere, ertragreichere Betriebszweige umschwenken oder gar ihre Tore schließen, wird auch der Erhalt des Landschaftsbildes zum Problem. Franz Locher sieht darin auch für den Tourismus eine Negativentwicklung: „Der Tourismus lebt von einer intakten, gepflegten Natur und setzt immer mehr auf regionale Lebensmittel. Was aber, wenn die Bauern nicht mehr die Voraussetzungen haben, um beides für Einheimische und Gäste zur Verfügung zu stellen?“. Mit dem Beschlussantrag, der auch von den Landtagsabgeordneten Harald Stauder und Sepp Noggler mitunterzeichnet wurde, sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um gemeinsam mit den Interessensverbänden Maßnahmen zu erarbeiten, die die Milchwirtschaft in Südtirol vor den Auswirkungen globaler Entwicklungen schützen sollen.

BF

 
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