Spezial-Landwirtschaft: „Ich tendiere sicher nicht zu extremen Positionen oder Seiten.“

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Der neue SBB- Obmann  Bezirk Vinschgau:  Joachim Weiss  aus Latsch Der neue SBB- Obmann Bezirk Vinschgau: Joachim Weiss aus Latsch

Joachim Weiss ist der neue Bauernbund-Obmann des Bezirkes Vinschgau.
Er beerbt Raimund Prugger. Der Vinschgerwind hat mit dem Neuen ein Antrittsgespräch
über Visionen, über Bauern-Proteste und über Herausforderungen im Vinschgau geführt.

Interview und Foto: Angelika Ploner

 

Vinschgerwind: Sie sind seit kurzem der neue Bauernbund-Obmann des Bezirkes Vinschgau. Wer ist der Neue? Wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Joachim Weiss: Der neue Obmann ist der Joachim Weiss aus Latsch, Bio-Obstbauer und Familienvater von vier Kindern. Ich hab Erfahrungen gesammelt, einmal weil ich zwei Perioden Bezirksobmann der Bauernjugend war, ein bisschen politische Erfahrung hab ich auch in die Wiege gelegt bekommen von meinem Vater aus und vor allem durfte ich eine Periode an der Seite von Raimund Prugger Stellvertreter sein und habe mit ihm einen flotten Lehrmeister gehabt. Beschreiben würde ich mich als ruhigen Typ, der durchwegs versucht den Ausgleich und die Mitte zu finden. Ich tendiere sicher nicht zu extremen Positionen oder Seiten.

Vinschgerwind: Demnach führen Sie die Linie von Raimund Prugger, dem ehemaligen Vinschger Bauernbund-Obmann weiter?
Joachim Weiss: Ja, Raimund Prugger war immer ausgleichend unterwegs und bedacht Lösungen zu finden. Das möchte ich versuchen weiterzuführen.

Vinschgerwind: Was erwarten Sie sich vom neuen Landwirtschafts-Landesrat Walcher?
Joachim Weiss: Die Erwartungen sind hoch. Es brennt überall. Das Thema Großraubwild, dass da etwas weitergeht. Da muss aber sicher etwas auf Europa-Ebene gelöst werden und dann kann man hier in Südtirol weiterschauen. Vor allem erwarte ich mir eine gute Zusammenarbeit. Der Rest wird sich zeigen.

Vinschgerwind: Was sind die Herausforderungen in der Landwirtschaft im Vinschgau?
Joachim Weiss: Es sind einige Themen, die wir weiterführen müssen, zum Beispiel Thema Nationalpark Stilfserjoch.

Vinschgerwind: Was sind die konkreten Anliegen der Landwirtschaft beim Nationalpark Stilfserjoch?
Joachim Weiss: Ein Punkt ist sicher, dass das Führungsgremium momentan nur beratende Funktion hat, dass man dieses aufwertet. Was die Urbanistik anbelangt hat sich einiges getan. Verbesserungen braucht es sicher was die Auflagen bezüglich der Almen betrifft. Dann ist ein wichtiges Thema sicher das Thema Wasser, die Verfügbarkeit und die Wassersicherheit.

Vinschgerwind: Das hat sich vor allem im vergangenen Jahr als wichtiges Thema für die Landwirtschaft herauskristallisiert.
Joachim Weiss: Ja, aber solche Jahre werden wieder kommen. Da ist die Zusammenarbeit mit dem Bonifizierungskonsortium wichtig. Es sind auch Konzessionen, die 2029 und 2030 verfallen und da müssen wir mit dem neuen Landesrat schauen. Wichtig ist auch mit den Landesämtern bei Projekten weiterzukommen. Das beste Beispiel ist Schlanders, wo ein Speicherbecken geplant war und man 5 Jahre auf die Genehmigung warten musste. Auf der einen Seite werden Speicherbecken gefordert und auf der anderen Seite wird blockiert. Solche Dinge sind einfach mühsam.

Vinschgerwind: Die weiteren Themen?
Joachim Weiss: Pflanzenschutz ist immer ein Thema.

Vinschgerwind: Bauernproteste – Was halten Sie davon?
Joachim Weiss: Ich durfte bei der grünen Woche in Berlin mit einigen Landwirten reden. Der Agrardiesel und die Kfz-Steuer haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Auf der anderen Seite haben die deutschen Bauern ihren Unmut über die Ampel-Regierung zum Ausdruck gebracht. Das ist in Italien sicher nicht der Fall. Die Regierung Meloni ist sicher wirtschaftlich orientiert und vernachlässigt die Bauern nicht. Es sind natürlich EU-Richtlinien, die uns das Leben schwer machen. Auf die Preisentwicklung hat die Politik zudem wenig Einfluss. Vor diesem Hintergrund haben wir auch im Landesbauernrat gesagt, dass wir von Protesten zu diesem Zeitpunkt Abstand nehmen.

Vinschgerwind: Was sagen sie dem Jürgen Wirth Anderlan?
Joachim Weiss: Ich sehe momentan darin keinen Sinn. Was wir aber gesagt haben im Landesbauernrat, dass wir, sollten Proteste in Brüssel geplant sein, mobil machen und uns beteiligen werden. Dass Jürgen Wirth Anderlan seine Show weiterführt ist sein gutes Recht. Ansonsten ist Zurückhaltung momentan gescheiter.

Vinschgerwind: Visionen für den Vinschgau. Wo soll sich die Landwirtschaft hinentwickeln?
Joachim Weiss: Gute Frage. Ich hoffe dass sich die Landwirtschaft in Zukunft dahin entwickelt, dass wir weiterhin ein Auskommen haben, dass die Familienbetriebe weiterhin von der Landwirtschaft leben können. Ich möchte nicht, dass die Familienbetriebe und die Kleinstrukturiertheit verloren gehen. Und ich hoffe, dass wir auch weiterhin ein gutes Miteinander zwischen Tal- und Bergbauern haben.

Vinschgerwind: Das wäre die nächste Frage: Sie sind Obstbauer. Wie wollen Sie die Bergbauern vertreten?
Joachim Weiss: Ich bin in der Tat Obstbauer. Aber als ich mich dazu entschlossen habe, dieses Amt anzutreten, dann war mir durchaus bewusst, dass der Vinschgau einer der wenigen Bezirke im Land ist, wo mehrere Richtungen vertreten sind. Wir haben Weinbau, wir haben Obstbau, wir haben Grünlandwirtschaft, wir haben Gemüsebau, wir haben Sonderkulturen. Wir sind eigentlich bunt gemischt. Das ist in den anderen Bezirken so nicht vorhanden. Das macht dieses Amt auf der einen Seite spannend, auf der anderen Seite natürlich schwierig, da einen gemeinsamen Nenner zu finden, oder zumindestens jedem das Gefühl zu geben, gleich gut vertreten zu sein. Aber ich glaube wir sind im Bezirksausschuss mit verschiedenen Vertretern breit aufgestellt und sie informieren mich über die Anliegen und dass man eine Kuh nicht bei den Hörnern melkt, soweit bin ich auch.

Vinschgerwind: Landwirtschaft und Tourismus: Wie kann eine Zusammenarbeit gelingen?
Joachim Weiss: Ich glaube da ist noch Luft nach oben. Tatsache ist, dass wir in der Landwirtschaft eine Obergrenze erreicht haben, wo wir aus den Hauptzweigen nicht viel mehr generieren werden können. Der Apfelpreis hat eine Grenze erreicht, die Produktion ebenso, in der Milchwirtschaft ist es ähnlich. Das heißt, wenn wir kleinstrukturierte Betriebe haben wollen, was ich als positiv empfinde, dann werden wir auf Nebenerwerbszweige ausweichen müssen. Zuerwerb heißt Urlaub auf dem Bauernhof, Selbstvermarktung, aber auch Camping. Speziell wir im Vinschgau hier. Das muss nichts Großes sein, 2 bis 3 Stellplätze, da ist die Investition überschaubar. Natürlich muss auf der anderen Seite die Landwirtschaft liefern, zum Beispiel beim Fleisch.

s37 tabVinschgerwind: Dass ein Vinschger Apfelsaft auf jeder Restaurant-Karte steht, sollte zum Selbstverständnis zählen....
Joachim Weiss: Ja, eigentlich wie ein Südtiroler Wein. Aber auch, warum muss es das Angus-Rind aus Argentinien sein und nicht das Grauvieh oder ein Blaubelgier aus Südtirol zum Beispiel? Einheimischen Produkten den Vorzug geben: Da ist schon noch einiges möglich.

Vinschgerwind: Der Staatsrat hat dem Malser Weg ein Ende gesetzt. Welches ist ihr Resümee aus Eingaben, Prozessen usw.?
Joachim Weiss: Ich muss sagen, bei diesem Thema war der Raimund voll eingebunden. Zum Glück musste ich diesen Weg nicht gehen. Er war der richtige Mann am richtigen Ort. Auf der einen Seite ist diskutiert worden über Pflanzenschutz und hat sich einiges diesbezüglich getan, auf der anderen Seite war einiges unglücklich, soweit, dass sich zwei Fronten gebildet haben. Man ist sich oft, wie der größte Umweltverschmutzer vorgekommen, das war kein angenehmes Gefühl. Aber wir haben halt keinen Betrieb, wo wir die Tür schließen können, wir sind halt offen. In Summe glaube ich, dass es wichtig ist, dass für alle Beteiligten ein Friede und ein Ende ist.

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