Sesvenna Gletscher gibt Stahlhülse frei

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Luis Pobitzer aus Schleis zeigt die Kopien der Schriftstücke aus der Stahlhülse; oben: Zeitungsbericht über das Bergunglück Luis Pobitzer aus Schleis zeigt die Kopien der Schriftstücke aus der Stahlhülse; oben: Zeitungsbericht über das Bergunglück

Eine Wandergruppe um den aus St. Valentin gebürtigen Luis Stecher stieß im Jahre 1988 bei einer Bergtour im Auslauf des Piz Sesvenn auf eine versiegelte, arg zerkratzte Metallröhre aus Stahl, die wasserdicht mit einer Schraube verschlossen war.

von Magdalena Dietl Sapelza

Der Gletscher hatte die Hülse frei gegeben. Stecher brachte den Fund zur Sesvennahütte, die damals von Roman Burgo und seiner Frau Helene Pobitzer bewirtschaftet wurde. Beide übergaben die Röhre an Luis Pobitzer, damals Hüttenwart und AVS-Vertreter, der den Gegenstand nach Schleis mitnahm.
Es stellten sich die Fragen: Was befindet sich in der Röhre? Handelt es sich um ein Relikt aus Kriegszeiten? Würde das Ganze beim Öffnen explodieren? Dass es sich um ein Kriegsrelikt handeln könnte, wurde nach genauerem Betrachten jedoch als unwahrscheinlich erachtet. Groß war die Neugier. Trotz mulmigem Gefühl entschied Luis Pobitzer, die Röhre zu öffnen. Es bedurfte der Hilfe eines Sachraubstockes. Zum Vorschein kamen Schriftrollen zum Abschied an den Bergwanderer Walter Huser aus Zürich, der seit dem 13. August 1944 auf dem Sesvenna Gletscher verschollen ist. Aus dem beigelgten Zeitungsbericht lässt sich das tragische Ereignis nachvollziehen.
s69 huserMit einer Begleiterin und einem Begleiter wollte Huser von Scarl aus über das Gletscherfeld den Piz Sesvenna besteigen. Dabei fiel die Begleiterin acht Meter tief in eine Gletscherspalte. Sie hatte sich nicht verletzt, musste aber geborgen werden. Walter Huser eilte davon, um in Scarl Hilfe zu holen. Die Zeit verging, ohne dass jemand kam. Nach 13 Stunden gelang es dem Begleiter schließlich selbst, die Frau aus der misslichen Lage zu befreien. Nun begann die Suche nach Huser. Diese verlief ergebnislos. Recherchen ergaben, er war nie in Scarl angekommen. Das legt die Vermutung nahe, dass auch er in eine Spalte gestürzt war und dort sein Grab gefunden hatte.
Vier Jahre später versenkten Husers Kameraden vom Touristenverein „Die Naturfreunde“ darunter Mitglieder der „Naturfreunde-Paddler“ aus Zürich im Gedenken an ihn die Hülse in einer Spalte. Diese enthielt neben dem Zeitungsbericht mehrere abgelichtete Schriftstücke aus der Zeitschrift „Der Naturfreund“, in der Huser regelmäßig Erlebnisberichte und Reportagen über Wanderungen, Ferienaufenthalte und speziell zu Paddel- Ausflügen auf Flüssen publiziert hatte.
Berührt von dem, was sie gelesen hatten und im Respekt für den Verunglückten und dessen Freunde entschieden Luis und Roman die Schriftstücke lediglich zu kopieren und die Originale fest versiegelt wieder dem Sesvenna-Gletscher zurückzugeben.
Dort ruht die „Stahlurne“ nun bis sie der Gletscher möglicherweise im Zuge der Erderwärmung erneut freigibt. Und freigeben könnte das Eis irgendwann auch Walter Huser selbst. Recherchen zum private Umfeld des Verschollenen in der Schweiz waren ernüchternd. „Wir wurden sofort verschickt. Die Bergtour hatte damals wohl einen emotionalen Hintergrund und mit einer versteckten Liebesbeziehung zu tun“, vermutet Luis. 

 

Ricordi in una custodia d’acciaio
Nel 1988, un gruppo di escursionisti guidati da Luis Stecher, nativo di St. Valentin, si è imbattuto in un tubo di metallo d‘acciaio, sigillato a tenuta stagna con una vite, durante un‘escursione in montagna ai piedi del Piz Sesvenn. Cosa c’è dentro il tubo? È una reliquia del tempo di guerra? Il tutto esploderebbe se aperto? Grande era la curiosità. Sono emerse delle pergamene indirizzate all‘escursionista Walter Huser di Zurigo, disperso sul ghiacciaio di Sesvenna dal 13 agosto 1944. Il tragico evento può essere ricostruito dal resoconto del giornale allegato.

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