Ein Grieche in Sulden

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Ein Denkmal in Sulden ist Theodor Christomannos gewidmet. Eine Inspiration für eine Zeitreise.

von Cornelia Knoll

 

Am Talende von Sulden, genau dort wo vor 150 Jahren noch eine hundert Meter hohe Gletscherzunge Sulden bedrohte, steht eine kleine Bank und davor ein hölzernes Fernrohr.
s40 Screenshot3Dort sitze ich oft an warmen Sommerabenden und auch heute an einem kalten Wintertag. Schaue mir die schroffe, nun gletscherfreie Legerwand an, genieße den freien Blick auf die Suldenspitze und schmökere im Tourismusbuch von einem gewissen Christomannos. Es ist kein Zufall, dass mich dieses 1895 verfasste Buch genau auf diese Panoramabank begleitet Zwei Meter daneben steht nämlich das Denkmal samt Bildnis des Bergpioniers Theodor Christomannos, welcher mir augenzwinkernd dabei zuschaut, wie ich seiner blumig-schönen und ausschweifend geschriebenen Erzählung folge.
Ein kleiner Auszug davon: „…schon kleine Spaziergänge von dem Grand-Hotel aus ,gestatten selbst dem „Laien“,Einblicke in die erhabensten Scenarien der Hochgebirgswelt zu nehmen… hoch zu Pferd bis mitten in die Märchenwelt der Gletscher ,wo am Grunde der blauen Gletscherspalten die Eisnixen hausen und der alte Berggeist die armen Sterblichen durch donnernde Lawienenstürze schreckt. Arme Bemitleidenswerthe ,die in Folge vernachlässigter Erziehung, die Berge lieber von unten als von oben ansehen und als verweichlichte ,verwöhnte Stadtmenschen sich nicht aufraffen können ,den liebgewonnenen Comfort auch nicht auf kurze Zeit zu entbehren ,sollen so auf diese Weise in die erfrischende Hochgebirgsluft geführt werden. ..Tröste Dich, beleidigtes Hochtouristenherz ,vergönne auch diesen Unwürdigen den seltenen Genuss ….“
(dass er selbst nach einer Wette mit Graf Trapp den Ortler im Smoking und 4 Paar Lackschuhen bestiegen hatte, verheimlicht der bergerfahrene Schreiberling wohlweislich…)

Fasziniert von seiner wundervollen Art des geschriebenen Wortes lese ich seine Geschichten über die touristische Erschließung der Vinschger Bergdörfer „Sulden-Trafoi“…. Folge interessiert seinen Erzählungen, welche mich durchs früher karge Vinschgau hinab ins vornehm-florierende Meran mitnehmen und zurück über den Reschenpass bis nach Landeck führen.
Der Schreiber dieses Buches legt seine Seele in diese Zeilen; man spürt seine Liebe für die Berge, für die Natur und ahnt in jedem Wort die Bewunderung für das Land Tirol, welches sich 1895 immer mehr für die touristische Welt öffnete.
Doch kein einziges Mal erwähnt der bescheidene Schriftsteller Christommanos in seinem Werk, dass gerade er selbst die Triebfeder der Alpenerschließung für den Fremdenverkehr im heutigen Südtirol war. Dass er als politisch Engagierter und Freund der königlichen Familie seine Talente für die Erschließung der Alpenpässe nutzte und maßgeblich am Bau der Dolomitenstraße Bozen-Cortina, sowie der Bahnverbindung Meran–Mals beteiligt war.
Theodor Christomannus geboren 1854 als Sohn einer griechischen Kaufmannsfamilie, besuchte das Franziskanergymnasium in Bozen bevor er in Innsbruck Rechtswissenschaft studierte und schließlich in Meran als Richter und Anwalt tätig war.
Als schillernden Salonlöwen, großen Bergfreund und großherzig kreativen Geist wurde Christomannos von seinen Weggefährten beschrieben. Als amüsanten Gesellschafter der mit vollen s42 suldenHänden und großem Herzen, seine Kraft und sein Geld nach allen Seiten ausgab, um auch weniger begüterten Menschen zu helfen. Die Freude an der Gebirgswelt und der Drang, deren Schönheit auch den Mitmenschen zu erschließen, brachte ihn schließlich auf holprigem Saumpfad und hoch zu Ross ins Bergbauerndorf Sulden. Dort traf er auf den Architekten Otto Schmid, mit welchem er im Jahre 1893 den Bau des ersten hochalpinen Berghotels „Grand Hotel Sulden“ plante und fertigstellte. Ein einzigartiges Luxushotel mit Strom, Warmwasser, Telegrafenamt, einer vorzüglichen Küche plus Weinkeller, das nun zahlungskräftige Menschen aus der ganzen Welt anlockte. Daraufhin gründete er den „Verein für Alpenhotels“ und setzte sich zusammen mit Kurat Eller (der Erbauer des Hotel Eller 1865) für den Bau einer Straße nach Sulden ein. Bei einem pompösen Promenadenfest in Meran sammelte er unzählige Spenden und sorgte in kürzester Zeit dafür, dass nun Gäste mit Kutschen aus Meran, von Bormio und Landeck nach Sulden fahren konnten. Somit waren die Tage der Armut in Sulden gezählt, …weitere Pensionen und Herbergen wurden von den Suldnern errichtet und die ehemals bettelarmen Einheimischen konnten als Bergführer, Angestellte oder Gastwirte vom Tourismus leben.
So war der mutige, vorausdenkende und großzügige Grieche Theodor Christomannos bereits zu Lebzeiten in Sulden sehr beliebt geworden und wurde auch in ganz Südtirol für seinen Pioniergeist und sein freundliches Wesen sehr geschätzt. In Trafoi errichtete das Duo "Architekt Otto Schmid und Theodor Christomannos“ im Jahre 1896 das nächste hochalpine Luxushotel, sowie das Hotel Karersee in den Dolomiten. Alle genauso prachtvoll wie das Suldenhotel und in dieser typischen Architektur der damaligen hochalpinen Luxushotels gebaut.
Leider hat man heutzutage in Südtirol den griechischen Pionier mit seinen Taten für den Südtiroler Tourismus etwas vergessen. Seine einzigartig ästhetischen Berghotels wurden dem langsamen Verfall preisgegeben oder sind im Krieg abgebrannt.
Theodor Christomannos hatte einen Traum und hat ihn verwirklicht. Er wollte die Hochtäler Tirols touristisch erschließen und der dortigen Bevölkerung somit zu einer Lebensgrundlage verhelfen. Er lebte in einer Zeit, welche von Aufbruch und Erneuerung zeugt und hat seine Talente zum Wohle der Bergmenschen eingesetzt. Es war eine damalige Zeit, welche uns heute etwas nostalgisch werden lässt und uns zeigt, welch enormer unternehmerischer Einsatz notwendig wäre, um auch in unserer Zeit das wichtige Unternehmertum mit dem ästhetisch sozialen Geist zu verbinden. 

 

Theodor Christomannos
Affascinata dal suo splendido modo di scrivere, leggo i suoi racconti sullo sviluppo turistico dei villaggi montani di Solda-Trafoi in Val Venosta ..... Seguo con interesse le sue storie, che mi portano attraverso la Val Venosta, un tempo brulla, fino all'elegante e fiorita Merano e di nuovo attraverso il Passo Resia fino a Landeck.

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