Dienstag, 15 Oktober 2013 12:00

Kräuter im Kurhaus

s24 xxxGoldrain/Meran - Seit Jahrhunderten werden in Südtirol Kräuter gesammelt, rund 120 Heil- und Gewürzpflanzen kommen in unserem Land vor. Auf diesen zunehmend wichtigen Wirtschaftszweig macht das dritte Südtiroler Kräuterfestival am 26. Oktober 2013 im Kurhaus von Meran von 10 bis 17 Uhr aufmerksam. 16 Kräuteranbauer aus dem ganzen Land stellen sich und ihre Bioprodukte vor und bieten sie zum Verkauf an. Eine Apothekerin informiert über die Heilkraft der Kräuter, Kräuterpädagogen erzählen Kräutermärchen, Referate über Pflanzengötter und Pflanzenmythen runden das Festival ab. Der Eintritt ist frei. Die ausstellenden Kräuteranbauer stammen aus Goldrain, Stilfs, Ahrntal, Pfalzen, Vintl, Niederolang, Rodeneck, Brixen, Pfitsch, Barbian, Kastelruth, Tesido/Monguelfo, Auer, Kaltern, St. Felix, St. Nikolaus/Ulten.
Urban Gluderer vom „Kräuterschlössl“ in Goldrain baut mit seiner Frau und den drei Kindern seit neun Jahren im Vollerwerb auf rund 8.000 m² Kräuter an. Auf weiteren rund 10 Hektar sammelt die Familie in freier Natur Wildkräuter. Ein Gespräch.

Was sind die besonderen Angebote des „Kräuterschlössls“, Herr Gluderer?
Urban Gluderer: Wir haben drei Standbeine: Kräutertee und Kräutersalze, Kräuterkosmetik und Kräuterhonig. Unsere Besonderheiten sind spezielle Rezepturen: Kräutersalz mit Wachholder-Ingwer, Walnussblättern, Lärchenspitze und anderem; Nudeln mit Lärchenspitzen, Holunderbeeren, Birkenblättern und einigen mehr; Honig mit Früchten; Kosmetik mit den Schätzen Südtirols, wie Vinschger Marmor, Lehm vom Vinschger Sonnenberg, Edelweiß, Traube, Apfel, Marille und spezielle Holzverpackungen. Letztere werden von einer sozialen Einrichtung hergestellt.

Wie haben Sie Ihr Wissen um Kräuter gesammelt?
Ich habe einen Kräuterkurs in der Laimburg belegt und dann durch Versuche und in der Praxis meine Erfahrungen gemacht. Alle Familienmitglieder haben sich entsprechendes Wissen in der Oberschule und bei Kräuterkursen in der Laimburg angeeignet, die zwei Frauen sind außerdem ausgebildete Kräuterpädagoginnen.

Wie viel Arbeitskraft wenden Sie für die Kräuter auf?
Unser Betrieb und Hofladen ist das ganze Jahr über geöffnet, alle fünf Familienmitglieder arbeiten ganzjährig mit. Im Sommer arbeiten wir durchschnittlich neun Stunden am Tag, im Winter etwas weniger. Am Samstag und Sonntag erledigen wir nur die dringenden Arbeiten, in diese Zeit fallen viele Verkaufsveranstaltungen.  

Welches Kraut sollte in keinem Haushalt fehlen?
Da gehören Küchengewürze wie Salbei, Rosmarin, Bohnenkraut und Basilikum dazu, genauso wie Kräuter für Teeaufguss wie Melisse, Minze oder Brennessel.

Leben Menschen gesünder, die sich mit Kräutern beschäftigen?
Wer mit Kräutern arbeitet, erhält eine Menge „Gratistherapien“: Bei all den Farben, Düften über viele Stunden täglich bekommt man den Kopf frei, man arbeitet mit den Jahreszeiten und ist viel in der freien Natur.

Haben Kräuter in Südtirol den Stellenwert, den sie verdienen?
Kräuter haben im Vergleich zum Obst- und Weinbau nur einen sehr geringen Stellenwert. Ich erwarte nicht, dass Kräuter den Stellenwert entsprechend der Höhe des Arbeitseinsatzes erhalten. Jeder Wirtschaftszweig ist wichtig und wertvoll für Südtirol und jeder Bauer entscheidet für sich über die Wirtschaftlichkeit seines Betriebes, wie er welche Produkte in welcher Wirtschaftsweise anbauen will. Wir würden uns allerdings schon mehr Wertschätzung für unsere Arbeit mit den Kräutern wünschen - im Speziellen seitens der Obstbauern: dass sie mehr Rücksicht auf unsere Nischen- und Bioprodukte nehmen.

Weitere Infos unter www.kraeutergold.it

Publiziert in Ausgabe 21/2013
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