Dienstag, 10 Januar 2012 00:00

Muttersprache und Vaterland

italianIn Trient, in der Nähe des Castello del Buonconsiglio gibt es einen Stadtteil mit Bauten aus den Dreißigerjahren; nach den engen Gassen der Altstadt stehen wir vor einer Art Tor, hinter dem sich ein großer Innenhof mit faschistischer Architektur öffnet. Es sind allerhand kommunale Bauten, vor allem für die Jugend, ganz ähnlich den neuen Stadtvierteln von Bozen, in denen noch überall Denkmäler an die faschistische Herrschaft erinnern.
Während bei uns über deren Verbleib noch herumgestritten und herumprobiert wird, haben die Trentiner schon lange gehandelt. Der Engel mit dem Siegeszeichen wurde zwar belassen, das Faschobeil mit dem Rutenbündel aber wurde herausgemeißelt, zusammen mit der darunter angebrachten Schrift, die sich wahrscheinlich auf Mussolini bezog. Wann wurde diese politische „Reinigung“ durchgeführt und von wem? versuchte ich von Passanten zu erfahren, auch von einem Stadtpolizisten. Aber niemand gab Bescheid und so musste ich mühevoll versuchen, die teils verstümmelten Textteile zu entziffern. Immerhin kann ich Italienisch, wenn es auch nicht meine Muttersprache ist.

Publiziert in Ausgabe 1/2012
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