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LAIMBURG

Citizen Science am Versuchszentrum Laimburg: Projekt „PhytoWatch” spürt Erreger von Pflanzenkrankheiten auf

Foto aufnehmen, Probe einsenden und neue Wirtspflanzen für Phytoplasmen aufspüren: Das Citizen-Science-Projekt „PhytoWatch“ verfolgt das Ziel, das Auftreten dieser pflanzlichen Krankheitserreger in Südtirol zu überwachen und neue Wirtspflanzenarten zu identifizieren. Phytoplasmen sind winzige Bakterien und können verschiedene Pflanzenkrankheiten verursachen. Um mögliche Befallsfälle frühzeitig zu erkennen, bittet das Forschungsteam die Bevölkerung, auffällige, symptomatische Pflanzen zu melden. Bei Verdacht wird das eingesandte Pflanzenmaterial im Labor für Molekularbiologie des Versuchszentrums Laimburg untersucht.
Phytoplasma-Symptome an einer Kiefer: dichte und unregelmäßige Ansammlungen von Zweigen („Hexenbesen“) © Filip Kawa; Die Projektinitiatorin Katrin Janik © Laimburg Research Centre/ivo corrà; Phytoplasma-Symptome an Echinacea: Die Blüte verfärbt sich Grün (Vireszenz) © Brian Wise

Phytoplasmen sind Bakterien, die zahlreiche Pflanzenarten befallen und verschiedene Krankheiten verursachen. Für den Menschen sind sie harmlos, ihre Ausbreitung kann jedoch zu irreversiblen Schäden an Pflanzen und zu erheblichen Ernteausfällen in der Landwirtschaft führen. In Südtirol sind sie vor allem als Auslöser der Goldgelben Vergilbung und der Schwarzholzkrankheit bei der Rebe sowie der Apfeltriebsucht („Besenwuchs“) bekannt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Phytoplasma-Arten, die Wild-, Zier- und Gartenpflanzen befallen. Ihr Auftreten in Südtirol ist bislang nur wenig erforscht und nicht systematisch erfasst – und genau deshalb von besonderem wissenschaftlichem Interesse.

Um mehr über die Verbreitung von Phytoplasmen in Südtirol zu erfahren, hat das Versuchszentrum Laimburg das Citizen-Science-Projekt „PhytoWatch: Detektive im Grünen“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Bevölkerung aktiv in die Forschung einzubinden. Die Teilnahme ist unkompliziert: Interessierte können dem Forschungsteam Hinweise auf Pflanzen mit typischen Krankheitssymptomen melden und eine Probe – etwa ein Blatt oder eine Blüte – an das Labor für Molekularbiologie des Versuchszentrums Laimburg einsenden oder dort abgeben. Zu den häufigsten Symptomen einer Phytoplasmen-Infektion zählen das Ergrünen der Blüten (Vireszenz), die Umwandlung der Blüten in blattähnliche Strukturen (Phyllodie) sowie ein abnormes und sehr dichtes Wachstum der Zweige, die sogenannten „Hexenbesen“.

„Dank der Mithilfe der Bevölkerung können wir deutlich mehr Pflanzen an viel mehr Orten beobachten, als dies allein durch die Arbeit der Forschenden möglich wäre. Die Meldungen durch die Bürgerinnen und Bürger ermöglichen es uns, die Überwachung auszuweiten und ein umfassenderes Bild über das Vorkommen dieser Infektionen in Südtirol zu gewinnen. Gleichzeitig trägt das Projekt dazu bei, Bewusstsein für ein bislang wenig bekanntes, für die Natur jedoch relevantes Thema zu schärfen“, betont Katrin Janik, Leiterin des Labors für Molekularbiologie am Versuchszentrum Laimburg und Initiatorin des Projekts.

Zahlreiche Beispielfotos für Symptome von Phytoplasmen-Infektionen sowie alle Informationen zum Projekt „PhytoWatch“ sind auf der Website verfügbar. Über die entsprechende Seite werden die Verdachtsmeldungen zu Pflanzen mit auffälligen Symptomen eingereicht und alle Schritte zur Einreichung von Proben genau erklärt: https://phytowatch.laimburg.it.

DL

Das Versuchszentrum Laimburg

Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet und ist das Forschungszentrum für die Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelqualität. Durch wissenschaftlich fundierte Versuchstätigkeit und Forschung entwickeln wir Know-how, erarbeiten Problemlösungen und Innovationen für die Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Mit unserer Forschung sichern wir den Anbau und die Herstellung hochqualitativer landwirtschaftlicher Produkte in Südtirol und decken die gesamte Kette der Lebensmittelherstellung vom Anbau bis zum fertigen Produkt ab. Im Berggebiet trägt unsere angewandte Forschung zur Unterstützung und Förderung der Vielfalt lokaler Kulturen bei. Somit leisten wir einen konkreten Beitrag zur Entwicklung der lokalen Betriebe. Unser Tätigkeitsprogramm stimmen wir jedes Jahr mit Vertreterinnen und Vertretern der Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung ab. Damit ist gewährleistet, dass unsere Forschungs- und Versuchsprogramme direkt auf die konkreten Erfordernisse der Praxis in Südtirol ausgerichtet sind. Über 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an etwa 350 Forschungs- und Versuchsprojekten – sowohl in unseren Labors in Pfatten und am NOI Techpark als auch auf den Versuchsflächen der Agentur Landesdomäne, mit der wir eine historische und partnerschaftliche Zusammenarbeit pflegen.