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Die Freiheitlichen

Freiheitliche: Geschichte vermitteln statt alte Wunden aufzureißen

Auszug aus "Tiroler Merkheft"

Mit deutlicher Kritik reagiert der Landesparteiobmann der Freiheitlichen, Roland Stauder, auf das diesjährige „Tiroler Merkheft“ der Süd-Tiroler Freiheit. Während man den Merkheften der vergangenen Jahre durchaus noch einen pädagogischen Wert habe abgewinnen können, sei dieser beim heurigen Heft kaum mehr erkennbar. Besonders problematisch sei die drastische und einseitige Darstellung historischer Ereignisse gegenüber Kindern und Jugendlichen.

„Ich bin nicht nur als Obmann der Freiheitlichen, sondern vor allem auch als Lehrperson erschüttert über die Art und Weise, wie hier unsere Geschichte an junge Menschen vermittelt werden soll. Geschichte muss dargestellt werden – auch ihre dunklen, schmerzhaften und unbequemen Seiten. Gerade in Südtirol braucht es dabei aber Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein. Wir müssen aus unserer Geschichte lernen. Bei solchen Darstellungen habe ich hingegen den Eindruck, dass man gar nichts lehren, sondern vor allem emotionalisieren will“, erklärt Stauder.

Genauso wie viele andere Südtiroler habe auch Sven Knoll die Theateraufführung „Feuernacht“ in Telfs besucht. Dort sei ein schwieriges Kapitel der Südtiroler Geschichte schonungslos, aber differenziert aufgearbeitet worden. „Genau das ist richtig. Geschichte darf nicht beschönigt werden. Sie darf aber ebenso wenig dazu missbraucht werden, alte Feindbilder in die Köpfe einer neuen Generation zu pflanzen.“

Für Stauder steht außer Frage, dass die Freiheitskämpfer rund um Sepp Kerschbaumer keine Terroristen waren. „Mir persönlich ist es wichtig, jedes Jahr in St. Pauls jener Menschen zu gedenken, deren Einsatz wesentlich dazu beigetragen hat, dass wir heute über diese Autonomie verfügen und als deutsche und ladinische Volksgruppe in Südtirol fortbestehen. Gerade deshalb empfinde ich es als völlig falsch, diese leidvolle Geschichte auf drastische Folterbilder und maximale Emotionalisierung herunterzubrechen.“

Auch werde eine solche Darstellung der Persönlichkeit Sepp Kerschbaumers nicht gerecht. Dieser habe sich gerade während seiner Haft intensiv mit der Zukunft Südtirols und letztlich auch mit der Möglichkeit einer Autonomielösung auseinandergesetzt. „Ich bin überzeugt: Sepp Kerschbaumer hätte nicht gewollt, dass sein politischer Einsatz Jahrzehnte später auf Folterdarstellungen reduziert und Jugendlichen in dieser Form vermittelt wird.“

Besonders befremdlich sei, dass eine solche Kampagne ausgerechnet wenige Tage vor dem 5. September, dem „Tag der Autonomie“, verbreitet werde. Südtirol müsse sich seiner Geschichte bewusst sein und dürfe weder die Entrechtung während des Faschismus noch die Unterdrückung, die Folterungen und den Kampf um die eigenen Rechte vergessen. Erinnerung dürfe aber nicht bedeuten, die Konflikte vergangener Generationen immer wieder neu auf die nächste Generation zu übertragen.

„Als Lehrer sehe ich unsere Aufgabe genau im Gegenteil: Wir müssen jungen Menschen erklären, was geschehen ist, warum es geschehen ist und welche Konsequenzen wir daraus für unsere gemeinsame Zukunft ziehen. Geschichtsunterricht soll zum eigenständigen Denken befähigen und nicht neue Ressentiments produzieren“, unterstreicht Stauder.

Die Freiheitlichen würden einen selbstbewussten Umgang mit der Südtiroler Geschichte vertreten, gleichzeitig aber auch den Blick nach vorne richten. „Wir wollen ein Südtirol, das seine deutsche, italienische und ladinische Identität respektiert und in dem die Volksgruppen auf Augenhöhe miteinander über ihre gemeinsame Zukunft sprechen können. Mit Denkmustern, die immer wieder nur alte Wunden aufreißen und gegenseitiges Misstrauen nähren, können wir kein zukunftsfähiges Südtirol aufbauen.

Stauder übt deshalb auch persönlich deutliche Kritik an Sven Knoll und der Süd-Tiroler Freiheit: „Ich komme zunehmend zur Überzeugung, dass es bei solchen Aktionen weniger darum geht, jungen Menschen unsere Geschichte näherzubringen, als um Provokation und Eskalation. Das bedaure ich gerade als Patriot. Wer eine bessere Zukunft für Südtirol anstrebt, muss unsere Geschichte kennen und zu ihr stehen – aber er darf nicht von den Konflikten der Vergangenheit leben.

„Als Freiheitlicher, als Patriot und nicht zuletzt als Lehrer wünsche ich mir, dass wir unseren Kindern die Geschichte Südtirols vollständig und ohne Beschönigung vermitteln. Aber wir sollten ihnen nicht den Hass vergangener Generationen vererben, sondern das Wissen und das Selbstbewusstsein mitgeben, es in Zukunft besser zu machen“, so Roland Stauder abschließend.