Landtag
U-Ausschuss Corona: Anhörungen von Medienvertretern (2/2)
Der Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten ist am Mittwoch (2. September 2026) unter dem Vorsitz von Brigitte Foppa zusammengetreten. Auf der Tagesordnung stand eine Reihe von Anhörungen im Bereich „Medien und Gesellschaft“: Am Vormittag hatten Christoph Franceschini, damaliger leitender Redakteur bei „Salto.bz“, Alberto Faustini, damaliger Direktor der Tageszeitungen „Alto Adige“ und „l’Adige“, sowie Wolfgang Mayr, ehemaliger Chefredakteur von Rai Südtirol, Rede und Antwort gestanden (siehe eigene Medienmitteilung), am Nachmittag fand dann ein Austausch mit Zeno von Braitenberg, damaliger Chef vom Dienst und ab 2022 Koordinator von Rai Südtirol, sowie Arnold Tribus, Herausgeber und verantwortlicher Direktor der „Neuen Südtiroler Tageszeitung“, statt.
„Es ging auch am Nachmittag um die Rolle der Journalistinnen und Journalisten bzw. der Redaktionen in der Pandemie“, berichtete Vorsitzende Foppa im Anschluss an die Sitzung. „Im Rückblick auf diese Zeit und wie es zur Berichterstattung kam, verwies Zeno von Braitenberg auf einen Satz, den er als sehr wichtig für Journalisten und die journalistische Arbeit ansieht – und nicht nur dafür. Es ist der Satz: Ich weiß es nicht.“ Das sei einmal das Eingeständnis, dass man die Notwendigkeit habe, sich zu informieren, zum Verstehen, zur Nachfrage und zur Recherche. Von Braitenberg habe gesagt, dass in der Zeit der Pandemie diese Grundfrage sehr oft in den Hintergrund getreten sei, „weil sehr viele plötzlich Gewissheiten hatten, die unumstößlich wirkten. Und das war wahrscheinlich mit ein Grund für Polarisierungen“, führte Foppa aus.
Sowohl mit Zeno von Braitenberg als auch mit Arnold Tribus sei über die Möglichkeit einer Einflussnahme gesprochen worden. „Auch hier wurde von beiden, wie bereits von den drei Journalisten am Vormittag, gesagt, dass es keinerlei Einflussnahme gegeben habe – nicht von jenen, die inseriert haben, und ebenso wenig von den Regierenden“, sagte Foppa. Arnold Tribus habe bestätigt, dass man zwar froh über Beiträge und Werbeeinnahmen gewesen sei, aber dass es kein - gegeben habe. „Der Journalismus ist laut den Aussagen des heutigen Tages unabhängig geblieben“, fasste Ausschussvorsitzende Foppa zusammen und ergänzte: „Dass es dann in den Redaktionen verschiedene Meinungen gab, wurde uns auch bestätigt. Arnold Tribus hat es wörtlich so formuliert: ‚Es herrschte eine Meinung vor, es gab Informationen, die uns von der Wissenschaft geboten wurden – und wir haben uns an die Mehrheitsmeinung gehalten, wohlwissend, dass es eine Gegenmeinung gab.‘“ Tribus habe von einer „sachten pluralistischen Position“ seiner Zeitung gesprochen.
Rai-Koordinator von Braitenberg sei gefragt worden, wie es dazu gekommen sei, dass in RAI Südtirol während der Pandemie hauptsächlich ein einziger Experte in den Sendungen zu Wort gekommen sei. „Von Breitenberg antwortete auch darauf bereitwillig und sagte, dass es wahrscheinlich auch noch andere Fachleute gegeben hätte, es aber nicht so einfach gewesen ist, wirklich gute Expertinnen und Experten zu finden, die den Zuhörenden auch gut erklären können, worum es geht“, informierte Foppa. „Er sagte, dass es immer besser ist, mehrere Fachleute zu haben, die die Dinge erklären – gerade in einem Klima der Unsicherheit.“
Arnold Tribus habe ein sehr offenes und ehrliches Statement abgegeben. „Er hat sehr deutlich gesagt, wie man die Pandemie in seiner Zeitung gesehen hat“, so Foppa. „Er sagte ebenfalls, dass man als Zeitung in einem kleinen Land einer weltweiten Krise nicht immer gewachsen ist und dass man vielleicht auch Minderheitenmeinungen mehr hätte repräsentieren können bzw. dass man sich als Tageszeitungs-Redaktion an die Mehrheitsmeinung gehalten hat. Das sei ein Fehler gewesen, zu dem er stehen müsse.“
Auf die Lehren aus der Pandemie angesprochen, die man auf eine künftige Ausnahmesituation anwenden könne, habe Tribus gesagt: „Eine Lehre sollte wohl sein, weniger leichtgläubig zu sein, und mehrere Positionen zu Wort kommen zu lassen.“ „Das kann dafür stehen, dass Corona eine Zeit war, die auch Erkenntnisse geschaffen hat“, unterstrich Ausschussvorsitzende Foppa.
Im Anschluss an die Anhörungen haben die Mitglieder des „Untersuchungsausschusses zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten“ über die Durchführung von Bürgerabenden diskutiert, um die Einschätzungen und Erfahrungen der Bevölkerung während der Pandemie zu hören. Es wurde beschlossen, eine Reihe von Treffen in den verschiedenen Bezirken des Landes zu organisieren. An diesen sollen jeweils 30 Personen teilnehmen, die per Losverfahren aus den Bewerberinnen und Bewerbern ermittelt werden. Die Treffen finden ab Januar statt. Details zum Auswahlverfahren und zur Durchführung der Veranstaltungen werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.
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