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Medienmitteilung der Sozialen Mitte in der SVP

Soziale Mitte: Sozialer Wohnbau braucht neue Antworten

Morandell: „Der soziale Wohnbau muss seinen Auftrag erfüllen können – mehr Wohnungen, faire Kriterien und leistbare Baukosten sind entscheidend.“ Wie kann der soziale Wohnbau in Südtirol auch in Zukunft jenen Menschen helfen, die auf eine leistbare Mietwohnung angewiesen sind? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Diskussionsabend der Sozialen Mitte der SVP mit dem Generaldirektor des Wohnbauinstituts (WOBI), Wilhelm Palfrader, und Verwaltungsratsmitglied Toni Tschenett.
Foto©svp: von rechts nach links: Hans Joachim Dalsass, Wilhelm Palfrader, Gabi Morandell, Toni Tschenett

Das WOBI erfüllt eine zentrale Aufgabe im sozialen Wohnbau: Es baut, verwaltet, saniert und vermietet Wohnungen an Menschen und Familien mit geringem Einkommen. Insgesamt betreut das Institut rund 13.500 Wohnungen in ganz Südtirol, davon befinden sich etwa 6.500 Wohnungen in der Gemeinde Bozen.

Eine große Herausforderung stellt die laufende Instandhaltung des bestehenden Wohnungsbestandes dar. Jährlich werden rund 300 Wohnungen saniert und wieder bezugsfertig gemacht, bevor sie neuen Mietern zugewiesen werden können. Gerade diese Arbeiten sind entscheidend, damit bestehender Wohnraum langfristig erhalten bleibt.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach WOBI-Wohnungen deutlich an. Allein in Bozen liegen derzeit rund 1.380 Gesuche vor, im Burggrafenamt im Vergleich weitere 630 Ansuchen. Diese Zahlen zeigen, wie groß der Bedarf an leistbaren Mietwohnungen mittlerweile ist.

Auch die Altersstruktur der WOBI-Mieter hat sich verändert. Bereits 50 Prozent der Mieterinnen und Mieter sind heute über 60 Jahre alt. Rund 4.000 Wohnungen werden von Einzelpersonen bewohnt, weitere 2.500 Wohnungen von zwei Personen. Diese Entwicklung stellt den sozialen Wohnbau vor neue Aufgaben, insbesondere im Hinblick auf kleinere, barrierefreie und altersgerechte Wohnungen.

Intensiv diskutiert wurde auch die Mietberechnung im sozialen Wohnbau. Die Miethöhe ist an die Einkommenssituation auf der Grundlage der EEVE-Einkommenserklärung gekoppelt, mit einer monatlichen Mindestmiete von derzeit 120 Euro. In der Diskussion wurde dieses Kriterium kritisch hinterfragt, da der soziale Wohnbau jenen helfen muss, die diese Unterstützung tatsächlich verdienen.  Das System darf auf keinem Fall jene belohnen die keiner Arbeit nachgehen und somit kein Einkommen haben. „Gerade in einer Zeit, in der Südtirol dringend Arbeitskräfte sucht, müssen wir darauf achten, dass Arbeit und Eigenverantwortung nicht zum Nachteil wird“, betonte die Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP, Gabi Morandell gemeinsam mit dem Verwaltungsrat Toni Tschenett. „Es braucht eine Neuausrichtung der Kriterien, damit soziale Unterstützung und Gerechtigkeit miteinander im Einklang stehen.“

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war der Neubau von WOBI-Wohnungen. In den vergangenen Jahren wurden in ganz Südtirol lediglich rund 200 neue WOBI-Wohnungen realisiert. Ein wesentlicher Grund für die geringe Neubautätigkeit ist der Mangel an geeigneten Bauflächen. Für das neue Zehnjahresprogramm des Wohnbauinstituts haben sich bisher lediglich zwölf Gemeinden gemeldet. Das ist angesichts des bestehenden Bedarfs deutlich zu wenig.

Kritisch betrachtet werden auch die hohen Baukosten neuer WOBI-Wohnungen. Die Teilnehmer hinterfragten insbesondere die derzeit geltenden Vorgaben des Klimahausstandards A, die zu erheblichen Mehrkosten führen. Die Soziale Mitte der SVP spricht sich deshalb dafür aus, die Baustandards im sozialen Wohnbau kritisch zu überprüfen und stärker auf Wirtschaftlichkeit zu achten. “Es muss unser Ziel sein, mit den vorhandenen öffentlichen Mitteln möglichst vielen Menschen leistbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Qualität ist wichtig, aber wir müssen auch darauf achten, dass Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen finanzierbar bleiben“, so Morandell.

„Der soziale Wohnbau ist eine der wichtigsten sozialen Aufgaben unseres Landes. Damit er auch in Zukunft funktioniert, müssen wir bereit sein, bestehende Modelle weiterzuentwickeln und neue Antworten auf die veränderten gesellschaftlichen Herausforderungen zu finden“, betonte Morandell abschließend.