Fronleichnamsprozession in Latsch
Bei der Fronleichnamsprozession am 7. Juni 2026. Pfarrer Johann Lanbacher spendet beim großen Kreuz den Segen
Am Sonntag, 7. Juni 2026 fand in Latsch das Fronleichnamsfest mit der traditionellen Prozession statt. Das Fronleichnamsfest, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi, wurde 1264 von Papst Urban IV. für die gesamte katholische Kirche eingeführt. Bereits im Mittelalter entwickelte sich daraus der Brauch, das Allerheiligste in einer Monstranz durch die Ortschaften und Felder zu tragen.
Schon am Vortag des 7. Juni standen in der Pfarrkirche zu den Heiligen Petrus und Paulus die Fahnen für die Prozession bereit. “Hoffentlich ist morgen schönes Wetter und hoffentlich finden sich genügend Träger. Dann können die Fahnen morgen alle mitgetragen werden; die Ministranten-Fahne, die Buabn-Fahne, die Mandr-Fahne, die Madl-Fahne, die Frauen-Fahne und die alte Mareiner-Fahne. Den Himmel tragen die Himmelsträger. Die Laternen werden traditionell von der Feuerwehr getragen”, sagte Friedl, Mesner von Latsch.
Eine Prozession ist immer ein traditionsreiches religiöses und kulturelles Ereignis. Eine Prozession ist nicht nur ein kirchlicher Akt, sondern auch ein Ausdruck lokaler Identität und Dorfgemeinschaft. Am Sonntag, 7. Juni war schönes Wetter und es fanden sich genügend Fahnenträger, sodass einer schönen Fronleichnamsprozession in Latsch nichts im Wege stand. Gemeinsam zogen Pfarrer, Mesner, Ministranten, Erstkommunionkinder, Kirchenchor, Feuerwehr, Musikkapelle und Schützen, von der Pfarrkirche ausgehend, in geordneter Reihenfolge entlang der Kugelgasse und Hans Pegger Straße, vorbei an geschmückten Häusern, bis zum großen Kreuz, auch “Sattler-engl Kreuz” genannt. Hier versammelten sich alle um den Stationsaltar. Ortspfarrer Johann Lanbacher las aus dem Evangelium. Es wurde für die Kirche, die Welt, die Gemeinde und verschiedene Anliegen gebetet. Kirchenchor und Musikanten der Bürgerkapelle Latsch umrahmten musikalisch die Andacht. Nach dem Segen gaben die Schützen einen Ehrensalut ab. Danach setzte die Prozession ihren Weg zurück zur Kirche fort.
Früher hatte die Fronleichnamsprozession auch eine große Bedeutung für die Landwirtschaft. Wenn der Priester früher mit dem Allerheiligsten durch die Felder zog, wurde um Schutz vor Unwettern, Hagel, Dürre und Missernten gebetet. In einem trockenen Tal wie dem Vinschgau war dieser Segensgedanke besonders wichtig. Prozessionen und Flurumgänge gehörten in diesem Sinne zum bäuerlichen Jahresablauf. (pt)