Das Gespenst des Populismus geht um
Die Bildungsreferentin von Schloss Goldrain Maria Raffeiner heißt die Journalisten Patrick Rina und Elisa Tappeiner willkommen
Dass Landtagsabgeordnete ihre Redebeiträge im Landtag so zuspitzen, dass daraus ein einminütiger Instagram-Werbespot in eigener Sache werde und dass die Akteure dabei direkt in die Kamera, also den Zusehern dann direkt ins Auge sehen, mache ihr Sorgen. Dies sagte die Journalistin Elisa Tappeiner unter anderem in Schloss Goldrain vor interessiertem Publikum im voll besetzten Graf Hendl Saal. Im Rai Südtirol Fernsehen schauen die Interviewpartner nie direkt in die Kamera, sondern auf die Journalistin neben der Kamera, um zu signalisieren, dass die Journalisten als Filter dienten. Gemeinsam mit ihrem Ehepartner und ebenfalls Journalisten Patrick Rina bestritt Tappeiner einen großbogigen Vortrag, von der Arbeit des Journalismus weltweit bis zur Entwicklung in Italien und zuletzt den Zustand in der Provinz Bozen. Holland belege Platz 1 im Ranking der Medienfreiheit, die USA befänden sich auf Platz 64, Italien auf Platz 56. Das Verhältnis der Journalisten zu Trump und Orban kam ebenso zur Sprache wie die Entwicklung der öffentlich-rechtlichen „Mama RAI“ nach dem Aufkommen der Berlusconi-Sender und auch die Gefahr des sich weltweit im Vormarsch befindenden Populismus. Der Populismus gehöre zur DNA der Demokratie zitierte Rina Jörg Baberowski. Das blieb dann in der Diskussion nicht ohne Widerspruch. „Demokratie braucht einen starken öffentlichen Rundfunk“, sagten die Journalisten. Mit dem Vorwurf der „Lügenpresse“ müsse man wohl leben, allerdings nutze man diesen für eine Qualitätssteigerung. Demokratie müsse man immer wieder lernen. Die Online-Netzwerke gleichen da eher einem online-Stammtisch. Angesprochen wurde auch das Medienmonopol der Athesia in Südtirol. Es solle kein Athesia-Bashing sein, es gebe dort auch gute Journalisten, aber das Monopol habe unter anderem dazu geführt, dass sowohl der italienische Alto Adige als auch die deutsche Dolomiten in einer Hand seien. Das gebe schon zu denken. Und die Aggregatzustände der Athesia haben auch mit der Übernahme der Radiostationen zugenommen. Lob für Medienvielfalt gab es neben den RAI-Sendern auch für den Vinschgerwind.
Die Journalisten willkommen geheißen hat die Bildungsreferentin von Schloss Goldrain Maria Raffeiner im Rahmen der Aktionstage politische Bildung. (eb)