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Schlanders

Großes Interesse für den Bartgeier

veröfftl. am 30. September 2026

Saba Cretti referierte vor einem sehr interssiertem Publikum über den Bartgeier

Vor einem überaus interessiertem und wissbegierigem Publikum referierte Saba Cretti am vergangenen 24. September 2026 im Avimundus in Schlanders über den Bartgeier. Cretti, Studentin an der Uni Bozen und Mitarbeiterin des Avimundus, erhielt dafür anerkennenden Applaus vor gut gefüllten Stühlen.
Der Bartgeier ist eine Mischung aus Geier und Adler. Charakteristisches Merkmal ist der Bart. „Er hat eine Flügelspannweite von fast drei Metern“, so Cretti. Interessant: Bartgeier sind zunächst braun und im Erwachsenenalter weiß. Cretti: „Sie suchen gezielt nach eisenoxidhaltigen Wasserstellen. Bei ausgiebigem Baden darin färbt sich ihr Brustgefieder in ein leuchtendes rot-orange.“ Der Skleralring rund um das Auge ist rot, „und wird intensiver, wenn er erregt ist.“ Bartgeier erreichen ihre Geschlechtsreife zwischen 5 und 7 Jahren. Mit acht Jahren stellt sich der erste Bruterfolg ein. Ein Pärchen zieht pro Brutzeit nur ein Jungtier auf. Im November und Dezember bauen Bartgeier ihr Nest, bevor Ende Dezember das Weibchen zwei Eier im Abstand von einer Woche ablegt. Das zweite Ei dient als biologische Reserve. Nur ein Jungvogel, der Stärkere, überlebt.
Der Bartgeier ist ein Aasfresser. Zu 90 Prozent ernährt er sich von Knochen, da diese reich an Nährstoffen sind. Er lässt die Knochen von einer bestimmten Höhe auf Felsen fallen, damit diese zersplittern und er zum Knochenmark kommt.
Früher, so Cretti, wurde der Bartgeier auch Lämmergeier genannt. Man meinte, er sei blutrünstig und nehme Lämmer und kleine Kinder mit. Deshalb jagte man ihn. 1913 wurde im Aostatal der letzte alpine Bartgeier erlegt. 1978 starteten Projekte zur Wiederansiedlung. 1986 wurde der erste Bartgeier im österreichische Nationalpark „Hohe Tauern“ freigelassen. „Im Nationalpark Stilfserjoch erfolge die erste Freilassung im Schludertal im Jahr 2000.“ Der Stand 2024: Ca. 500 Bartgeier sind im Alpenraum beheimatet.
Die größten Gefahren für den Bartgeier sind Bleivergiftungen etwa von nicht geborgenen Wildkadavern, Stromleitungen oder Störungen an Nistplätzen und ein begrenzter Genpool. Was können wir tun? „Abstand halten, nicht stören und Sichtungen meiden“, schloss Cretti ihren Vortrag. Michael Lochmann, der Leiter des Avimundus, lud die Anwesenden ein, die dreistöckige Welt der Vögel, zu erkunden. 520 Objekte umfasst die Ausstellung von Hansjörg Götsch. Vergleichbares gibt es in Südtirol nicht. (ap)