Der Hl. Florinus von Matsch
Der Historiker Paul Eugen Grimm aus Ftan
Am Tag der Romanik (10. Oktober) hielt Paul Eugen Grimm, Historiker aus dem Unterengadin, in der Pfarrkirche von Tartsch einen Vortrag über den Heiligen Florinus aus Matsch. Über Florinus gibt es wenig gesicherte Fakten, aber viele Legenden, wie z.B. das Weinwunder, so Grimm. Dass er 856 gestorben ist, ist in der Zwischenzeit widerlegt worden. Höchstwahrscheinlich ist er in Matsch, angeblich auf Valfur, am Ende des 7. Jahrhunderts geboren. Als Knabe kam er nach Ramosch (Remüs) im Unterengadin, wo er später als Priester wirkte und auch verstarb. Neben dem Hl. Luzius ist der Hl. Florinus einer der Bistumsheiligen im Graubünden. Auch bei uns wird er als Schutzpatron des Vinschgaus verehrt. Sein Gedenktag ist der 17. November. Die Pfarrkirche in Matsch ist dem Hl. Florinus geweiht, außerdem eine Kapelle am Dorfende von Matsch. Die Pfarrkirche in Ramosch, obwohl seit 1530 reformiert, ist dem Hl. Florin bzw. Flurin geweiht. In Koblenz gibt es eine Florinskirche am Florinsmarkt. In Vaduz in Liechtenstein gibt es die Kathedrale St. Florin. In Chur findet man den Florinusschrein mit den Reliquien des Heiligen. Der Name Flurin bzw. Flurina ist im Engadin weit verbreitet. Der Vater von Florin soll aus Britannien stammen. Seine Mutter, ursprünglich eine Jüdin, lernte er auf der Pilgerfahrt nach Rom kennen und nach der Rückfahrt ließen sie sich dann in Matsch nieder. Mit Britannien bzw. Pritanni (bzw. Britannia oder Brittania) ist nicht Großbritannien, sondern ein alter keltischer Volksstamm in Raetien im Prättigau gemeint, so der Historiker Grimm. Nach dem Vortrag konnten die Besucher noch in der Michaelskapelle den gotischen Flügelaltar des Bildhauers Ivo Strigel besichtigen. Der Altar aus dem Jahre 1514, stammt aus dem Engadin und stand lange Zeit in der St. Veit Kirche am Tartscher Bühel. 1958 wurden die drei Schreinfiguren Maria, Luzius und Florinus gestohlen und tauchten erst 2011 im Münchner Kunsthandel wieder auf und konnten zurückgekauft werden. (hzg)