Karl Plattner: der Vinschgau in seiner Bildsprache
Das Wandbild “Karussell des Lebens” von Karl Plattner, das der diesjährigen Herbstausstellung auf Schloss Kastelbell den Titel gibt. Es steht sinnbildlich für den ewigen Kreislauf des Lebens und ist erstmals in Südtirol zu sehen.
Das Kuratorium Schloss Kastelbell widmet seine diesjährige Herbstausstellung dem Maler Karl Plattner anlässlich seines 40. Todestages. Es ist bereits die dritte Plattner-Ausstellung auf Schloss Kastelbell: Die erste fand im Jahr 2000 zu Beginn der Tätigkeit des Kuratoriums statt, die zweite 2019 anlässlich seines 100. Geburtstages. Im Mittelpunkt der aktuellen Schau steht Plattners öffentliches Werk. Zu sehen sind unter anderem Entwürfe für sein Fresko im Südtiroler Landtag – mit der Darstellung “schöpferischer, wirtschaftlicher und künstlerischer Tätigkeiten sowie Motiven aus der Südtiroler Landschaft” – sowie Arbeiten für das Festspielhaus in Salzburg, die Kapelle an der Europabrücke und die Kapelle in Alsack/Mals. Die Ausstellung “Karl Plattner – Karussell des Lebens” ist ein Stück Vinschgau und ein Besuch ist für jeden Vinschger empfehlenswert.
Karl Plattner wird zu Recht als eine der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten der Südtiroler Nachkriegszeit bezeichnet. Dass er heuer, vierzig Jahre nach seinem Tod, vom Südtiroler Landtag mit einer eigenen Veranstaltungsreihe gewürdigt wird, zeigt zudem, dass seine Bedeutung längst über eine regionale Erinnerung hinausgeht. Worin besteht das „Phänomen Plattner“ und was macht den Künstler für den Vinschgau so besonders? Karl Plattner ist und bleibt in vielerlei Hinsicht ein Rätsel. Um sein Werk halbwegs zu verstehen, lohnt sich jedoch der Blick auf seine Biografie. Karl Plattner wurde als letztes von 10 Kindern in Mals geboren. Als Karl vier Jahre alt war, starb sein Vater. Karl wuchs in sehr einfachen Verhältnissen auf. Sein Traum war es schon immer Maler zu werden. Nach Kriegsende erfüllte sich sein Traum. Er inskribierte sich zuerst in Florenz, und studierte dann an der Akademie von Brera in Mailand. 1950 übersiedelte Plattner nach Frankreich, wo er seine zukünftige Frau kennenlernte. An der Seite seiner Frau führte er in den folgenden Jahren ein bewegtes Künstlerleben zwischen Mailand, Paris, Brasilien und Südtirol. „Ich habe ein Zigeunerleben geführt“, sagte Plattner einmal über sich selbst. Trotz ständiger Veränderung kehrte er stets in seine Heimat zurück: „Ich habe das Fremde dazugenommen, ohne dabei das Eigene zu verlieren.“ Vor allem die Landschaft des Obervinschgaus, der Kontakt mit der Natur, mit der Struktur dieser Landschaft, mit den Menschen, mit den Farben, blieb für Plattner ein ständiger Begleiter und emotionaler Hintergrund seines künstlerischen Schaffens. Plattner übersetzte seine Wahrnehmung des Vinschgaus in eine moderne, eigenständige und unverwechselbare Bildsprache. Er schuf aus seiner konkreten Heimat universelle Kunst, ohne sich je von seinen Wurzeln zu lösen. Vielleicht liegt hier das „Phänomen Plattner“. Und das macht ihn auch für den Vinschgau so besonders. Der Vinschgau offenbart sich in seiner Bildsprache - geformt von Landschaft, Licht und Atmosphäre, von Menschen, Erinnerungen, Sehnsüchten und Träumen. Karl Plattner ist eine Ikone der Vinschger Kunst. Seine Fresken und Bilder im Tal sind unzertrennlich mit dem Vinschgau verbunden und inzwischen fester Bestandteil des lokalen, kulturellen Gedächtnisses.
Bei der Vernissage der Ausstellung „Karussell des Lebens“ am 5. September konnte Gerold Tappeiner zahlreiche Besucher bei herrlichem Wetter im Schlosshof begrüßen. Eva Gratl, Ursula Schnitzer und Alessandro Casciaro führten in die Ausstellung ein. Zur Freude aller anwesenden Gäste richtete anschließend Karl Plattners Tochter, Anna Silvia, sichtlich bewegt einige Worte an das Publikum. “Gentili ospiti. È una grandissima emozione essere qui oggi in questo splendido castello. Sono passati 40 anni da quando mio padre ci ha lasciati, ma guardando i suoi quadri, mi sembra che ci sia ancora oggi. Questa mostra è un regalo immenso per mio padre.” Nach Dankesworten an die Organisatoren der Ausstellung sagte sie: “E infine vorrei rivolgere l’ultimo e il più importante ringraziamento a lui, a mio padre, per la bellezza che ci ha lasciato, per le emozioni e la meraviglia, che le sue opere suscitano ancora oggi. Mio Padre diceva che l’arte non deve solo decorare, ma deve scuotere, far riflettere e connettere le persone. Buona mostra.”