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Meran/Abtei/Kortsch

“mans” im Palais Mamming Museum

veröfftl. am 10. Juni 2026

Anna und Lois Anvidalfarei am Eingang zum Palais Mamming Museum in Meran neben der Bronzeskulptur “Signum”. Die permanente Installation steht seit 2025 am Merch-Dapunt-Platz im Ortszentrum von St. Leonhard in Abtei. Es ist die einzige Ortschaft in Südtirol, deren Hauptplatz einem Opfer des Nazifaschismus gewidmet ist. Als Mahnmal gegen Krieg und Faschismus erinnert das Werk des Bildhauers Lois Anvidalfarei an dem aus Sotrù (Gadertal) stammenden Merch Dapunt, der sich im Zweiten Weltkrieg weigerte, dem Hitler-Regime die Treue zu schwören, und 1944 von den Nationalsozialisten in Schlanders im Vinschgau hingerichtet wurde. Im Gedenken an Merch Dapunt wurde bereits 2020/21 am Hinrichtungsort in Kortsch ein vom Bildungsausschuss Kortsch initiierter und von Heinrich Lechthaler lokaler Gedenkort in Form eines Bildstocks errichtet. In der Folge entstand die Idee, den Widerständler und Naziopfer Merch Dapunt auch in seiner Heimatgemeinde zu ehren.

So etwas erlebt man nicht jeden Tag. Am 28. Mai fand im Palais Mamming Museum in Meran die Vernissage der Kunstausstellung “mans” von Lois Anvidalfarei und seiner Tochter Anna statt. “mans”, Hände auf ladinisch, ist die sechste von insgesamt acht Ausgaben der Ausstellungsreihe Manning Now der Kuratorin Ursula Schnitzer. Die Ausstellung ist noch bis zum 16. August 2026 zugänglich.
In der Ausstellung begegnen sich Vater Lois Anvidalfarei und Tochter Anna nicht nur familiär sondern auch künstlerisch. Ausgehend vom Körper wurde die Hand für beide zum gemeinsamen künstlerischen Ausdruck. Skulpturen, textile Objekte, Fotografien und Videoarbeiten von Händen werden zu einer leisen und ergreifenden Reflexion über existentielle, emotionale, schöpferische und identitätsstiftende Fragen des menschlichen Seins.
“Wir haben uns richtig in das Thema hineingesteigert. Es war für uns eine Auseinandersetzung im Kopf und auch im Tun”, sagt Lois Anvidalfarei. Auch für Tochter Anna war die Zusammenarbeit mit ihrem Vater schön und bereichernd. Zwischen Vater und Tochter herrscht spürbar gegenseitige Wertschätzung. Anna (geboren 1996) besuchte wie Lois die Kunstschule in St. Ulrich und studierte dann Grafik an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo sie 2025 das Diplom erhielt. Was Anna und Lois Anvidalfarei verbindet, ist vor allem, so Lois, dass der erste Impuls für eine Arbeit “von innen kommt und nach außen geht.” Ein Bauchgefühl gewissermaßen, das die Richtung vorgibt. “Nur im Kopf geht es bei mir langsamer”, lacht Lois, “da ist meine Tochter viel freier.” Auch Anna selbst bezeichnet ihren Zugang als spielerisch, bei ihr sei nichts vorprogrammiert. Dass Anna und Lois Anvidalfarei unterschiedlichen Generationen angehören, ist für ihre gemeinsame Arbeit ein zusätzlicher interessanter Faktor. “Kunst ist bei jungen Kunstschaffenden noch ein frischer, offener Diskurs, der im Laufe der Lebenszeit irgendwie verloren geht. Irgendwann ist es schwierig, sich nicht zu wiederholen”, so Lois. “Ein Freund hat mal gesagt: ‘Aller Anfang ist schwer.’ Aber ich habe ihn korrigiert, denn ich finde: Aller Anfang ist leicht”. Steht man noch am Anfang, ist alles neu und man ist noch neugierig. Vielleicht liegt die Kunst in der Kunst darin, sich diese Frische, diese Neugierde auch im Alter beizubehalten.”
Lois Anvidalfarei ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Bildhauer Südtirols. Er arbeitet nicht nur an Skulpturen, sondern gestaltet auch Kirchenräume und liturgische Orte. Seine Werke befinden sich in zahlreichen öffentlichen Räumen in Italien und Österreich sowie in Museen und Sammlungen. 2011 war er bei der Biennale di Venezia vertreten.
Peter Tscholl