Red mor amol driber….
Hat man einen gebrochenen Knochen, geht man zum Orthopäden, hat man Fieber, macht man einen Termin beim Hausarzt, aber was mache ich, wenn meine Gedanken kreisen und mir den Schlaf rauben? Wann brauche ich dafür professionelle Hilfe? Und an wen wende ich mich? Mit diesen Fragen eröffnete die Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Sabine Cagol am 11. Mai im Rathaussaal von Naturns mit ihrem Impulsreferat die Ausstellung „Red mor amol driber-Parliamoci“.
Das Präventionsprojekt zur mentalen Gesundheit, welches 2019 vom Jugenddienst Meran zusammen mit dem Jugenddienst Naturns entwickelt wurde, behandelt 12 Themen, über die in Südtirol immer noch zu oft geschwiegen wird. Im Laufe der Jahre sind zahlreiche weitere Initiativen dazu entstanden, darunter Workshops, öffentliche Veranstaltungen, ein zweisprachiger Podcast, Informationsmaterialien sowie das kooperative Spiel „DiscOut! – Picture your mind“, das ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Kunstgymnasium Meran entwickelt wurde.
In der Ausstellung werden sensible Inhalte wie Suizid, Mobbing, Depression, Selbstverletzung und Abhängigkeit jugendgerecht konzipiert und auf 12 Leinwänden anschaulich präsentiert. Zudem beinhaltete die Ausstellung, die für eine Woche in der Bibliothek Naturns besucht werden konnte, aussagekräftige Fotos zum Thema, welche von den Schülerinnen und Schülern der 3. Klassen des Kunstgymnasiums Meran erstellt wurden.
Das Ziel des Projektes ist es, dass offen über mentale Gesundheit gesprochen wird, Stigmata abzubauen, Empathie und Selbstreflexion, aber auch die emotionale Ausdrucksstärke zu fördern. Zudem zeigt die Ausstellung auch konkrete Hilfsangebote auf und ermutigt Betroffene oder auch deren Umfeld, diese wahrzunehmen und sich auch bei psychischen Erkrankungen und Belastungen professionelle Hilfe zu holen. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Website:
www.infopoint.bz
Die Ausstellung wird ab Herbst über den Jugenddienst Meran verliehen, somit sollen diese sensiblen Themen vermehrt in Schulen, Jugendtreffs und allen anderen jugendorientierten Einrichtungen zur Sprache gebracht werden: „red mor amol driber“, um die oft schweren, aber aus Scham oder Angst verschwiegenen Belastungen anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Anna Pfitscher