Der schweigende Mönch von Karthaus
Buchvorstellung mit Musik in der Pfarrkirche Karthaus: v. l.: Reinhild Waldek (Harfe, Blockflöten), Ilse Strauß (Blockflöten), Max Siller, Wolfgang Praxmarer (Cister, Drehleier) und Jakob Raffeiner (Tenor)
Der Kulturverein Schnals lud am 26. September zu einer Buchvorstellung in der Pfarrkirche in Karthaus ein. Max Siller, emeritierter Professor am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck, erzählte über Heinrich Haller (ca. 1420-1487/88), Mönch in der Kartause Allerengelberg, über die Gründung des Kartäuserordens und die eremitische Lebensweise der Mönche. Passend dazu, spielte das Ensemble Rosarum Flores Lieder aus dem Mittelalter, gesungen von Jakob Raffeiner. Dietmar Rainer, der Präsident vom Kulturverein Schnals, konnte viele Personen in der Pfarrkirche begrüßen. Benjamin Santer, der langjährige Präsident vom Kulturverein, berichtete vom Heinrich Haller-Symposium in Bozen 2023. Nun liegt der Tagungsband als Schlernschrift Bd. 379 mit dem Titel „Heinrich Haller aus Allerengelberg. Ein Tiroler Mönch als Übersetzer“ auf. Er gab auch einen kurzen Einblick über die Kartause Allerengelberg, die 1332 eröffnet und durch die Reformen unter Kaiser Joseph II im Jahre 1782 aufgelöst wurde. Lebendig und anschaulich erzählte Max Siller über die religiösen Vorstellungen im Mittelalter. Er sprach von Weltflucht, dem Leben in der Stille und Einsamkeit, der tiefen Marienverehrung und der Angst vor einem rachesüchtigen Gott. 1084 zog sich der heilige Bruno von Köln mit sechs Gefährten in die Chartreuse, eine Gebirgsgegend bei Grenoble zurück und gründete den Kartäuserorden. Über das Leben von Heinrich Haller weiß man wenig. Er war der Sohn des Innsbrucker Stadtrichters und Bürgermeisters und übersetzt im Kartäuserkloster Allerengelberg von 1464 bis 1471 geistliche lateinische Texte ins Frühneuhochdeutsche. Gehorsam, demütig und schweigend lebten die Mönche zurückgezogen in ihrer Zelle. Im Mittelpunkt standen das Gebet, die Meditation und die Lesung. Unbekannt ist, warum er in den letzten Lebensjahren keine Bücher mehr übersetzte. Siller meinte, dass für viele Mönche die Zelle nicht der Himmel, sondern ein Kerker war, der die Mönche in die Schwermut und Depression führte. (hzg)