Die Suldenstraße
Die Snobs, eine Gruppe vom Männergesangsverein Schlanders
Bei einer äußerst lebendigen und informativen Buchvorstellung am 9. Juni in der Bibliothek Schlandersburg erzählte Franz Angerer wie es zu diesem Buchprojekt kam, wer an der Realisierung der Straße beteiligt war und warum sie zur Lebensader für Sulden wurde. In einer Holzkiste, vorgesehen zur Entsorgung, fand er 300 Orginaldokumente und viele Pläne über den Bau der Suldenstraße. Damit entstand eine spannende Spurensuche über ein Straßenprojekt und Persönlichkeiten, die Sulden zu dem machten, was es heute ist. Anfangs führte nur ein Saumpfad nach Sulden, später wurde eine Militärstraße dem Bach entlang geplant. Von der Gemeinde Stilfs und von öffentlichen Stellen waren keine Geldmittel zu erwarten. Doch Bewegung in das Straßenprojekt entstand, nachdem Leopold Friedrich Freiherr von Hofmann (1822 - 1885), ein österreichischer Diplomat, Minister und Generalintendant am Hoftheater Wien, in seinem Testament 12.000 Gulden als Legat (Vermächtnis) zum Bau der Suldenstraße bereitstellte, vorausgesetzt der Bau würde innerhalb von fünf Jahren nach seinem Tod beginnen. Theodor Christomannos, Rechtsanwalt, Politiker und Pionier des Fremdenverkehrs in Südtirol und Otto Schmid, Architekt und Hotelier des Sulden Hotels, waren die treibenden Kräfte und die Meraner Firma Musch & Lun, geleitet vom Baumeister Josef Musch und dem Ingenieur Carl Lun, arbeiteten die Detailpläne aus und setzten das Straßenprojekt in zwei Jahren um. Es entstand eine 3 – 5 m breite und 11,9 km lange Straße von Gomagoi bis Sulden. Die Suldner Konkurrenzstraße, d.h. unter Beteiligung von Privaten, wurde mit Privatgeldern und durch den Verkauf von Gedenkmünzen gebaut und durch Mauteinnahmen, sowie durch Beiträge der Gemeinde und der Fraktion Sulden erhalten. Franz Angerer erzählte über nachträgliche Straßenverlegungen, Verbreiterungen und Begradigungen, über Lawinenabgänge, Unfälle, die Schneeräumung und über die zahlreichen Wegmacher, Handwerker und Straßenarbeiter. Musikalisch aufgelockert wurde die Buchvorstellung durch Lieder der Snobs, eine Sängergruppe vom Männergesangsverein Schlanders und durch Rudi Hölbling aus Mals, der im Schottenrock und mit seinem Dudelsack auftrat und schottische Klänge zum Besten gab. Die Snobs sangen „God Save the Queen“, „In die Berg bin i gearn“ und „La Montanara“, das Lied der Berge, in Erinnerung an die vielen Bergsteiger vor allem aus England und Schottland und aus Italien, aber auch aus anderen Ländern, die nach Sulden kamen, um die Bergwelt zu genießen. Die Straße und die vielen Hotels waren die Voraussetzung dafür.