„Wir bauen einfache Maschinen“
Stephan Lanpacher
Frucotec steht für …
Stephan Lanpacher: Innovation, Einfachheit und Persönlichkeit. Unser Ziel war eigentlich von Anfang an, Maschinen zu bauen, die dem Landwirt die tägliche Arbeit erleichtern, ohne daraus gleich ein riesiges, kompliziertes und teures Gerät zu machen.
Wie kommt man auf die Idee, Obstbaumaschinen zu entwickeln?
Stephan Lanpacher: Eigentlich war das Gründen einer Firma nie das Ziel. Mein Vater Michael war selbst jahrelang Apfelbauer und hat immer schon gerne gebastelt und Dinge ausprobiert. Eigentlich hat alles ganz klassisch in der eigenen Garage angefangen. Irgendwann ist aus dieser Freude am Tüfteln eine Maschine entstanden, die auch anderen Landwirten gefallen hat.
Was ist der Vorteil eurer Obstbaumaschinen?
Stephan Lanpacher: Ich glaube, vor allem die Einfachheit. Viele klassische Arbeitsbühnen sind relativ große, schwere und teure Maschinen mit sehr vielen Funktionen. Wir sind eigentlich genau von der anderen Seite gestartet: Wie können wir die Konstruktion so einfach wie möglich gestalten, um Kosten dementsprechend niedrig zu halten, aber gleichzeitig etwas schaffen, das dem Landwirt über viele Jahre hinweg wirklich weiterhilft?
Aus diesem einfachen Grundkonzept heraus haben wir immer mehr Anwendungen und Funktionen hinzugefügt – immer mit dem Anspruch, dass die Maschine unkompliziert bleibt. Heute können unsere Maschinen für die Ernte genauso verwendet werden wie für Baumschnitt, Ausdünnung, Hagelnetzarbeiten und viele andere Arbeiten im Jahresverlauf. Und ich glaube, dieser Spagat zwischen Einfachheit, Preis und Vielseitigkeit ist uns in den vergangenen Jahren ganz gut gelungen.
Ihr habt eure elektrischen Obstbaumaschinen „Ladys“ getauft. Eine ungewöhnliche Namensgebung – warum?
Stephan Lanpacher: Wir wollten von Anfang an keine technischen Modellnamen. Die „Lady“ sollte für etwas Elegantes und Hochwertiges stehen. Für Qualität, aber irgendwie auch für etwas Sympathisches – jemanden, mit dem man gerne Zeit verbringt. Und unsere Kunden verbringen während der Saison schließlich ziemlich viele Stunden am Tag mit ihrer Lady. Irgendwann ist aus der ersten Lady dann eine ganze Familie geworden: Lady, Landlady und Berglady. Mittlerweile kennen uns einige sogar stärker über die Namen unserer Maschinen als über Frucotec.
Wie viele Maschinen produziert ihr?
Stephan Lanpacher: Das hat sich über die Jahre ziemlich stark entwickelt. Anfangs waren es vielleicht 20 Maschinen im Jahr, dann 40 und irgendwann haben wir die Marke von
100 Maschinen pro Jahr überschritten. Insgesamt sind mittlerweile über 1.200 unserer Maschinen im Einsatz – bei mehr als 800 verschiedenen Betrieben.
Wohin liefert ihr eure Obstbaumaschinen?
Stephan Lanpacher: Südtirol ist und bleibt ganz klar unser wichtigster Markt und unsere Heimat. Hier sind unsere Maschinen entstanden und hier haben wir sehr viel gelernt. Mittlerweile liefern wir aber auch in viele andere europäische Länder sowie nach Kanada, in die USA, nach Australien, Neuseeland und Südafrika. Das ist auf der einen Seite wirklich spannend, auf der anderen Seite aber auch eine große Herausforderung. Obstbau ist eben nicht überall gleich. Genau das ist momentan auch ein großer Teil meiner persönlichen Aufgabe bei Frucotec.
Alle eure Obstbaumaschinen sind elektrisch betrieben. Der Vorteil?
Stephan Lanpacher: Für unsere Art von Maschinen macht Elektroantrieb einfach viel Sinn. Wir fahren den ganzen Tag relativ langsam zwischen den Bäumen. Dafür braucht man keine riesige Motorleistung, sondern einen effizienten und sehr fein regelbaren Antrieb. Elektro ist leise, hat keine lokalen Abgase und braucht relativ wenig Wartung. Gerade wenn man acht oder zehn Stunden am Tag mit einer Maschine arbeitet, ist der Unterschied zu einem Verbrennungsmotor wirklich wie Tag und Nacht. Für unseren normalen Einsatz sind heute Laufzeiten möglich, bei denen man sich während eines Arbeitstages praktisch keine Gedanken mehr über die Batterie machen muss.
Wie muss man sich den Alltag bei euch vorstellen?
Stephan Lanpacher: Ehrlich gesagt: manchmal geht es schon ziemlich drunter und drüber. (lacht) Bei uns muss jeder auch einmal etwas anpacken, das vielleicht überhaupt nicht sein Spezialgebiet ist. Aber irgendwie sind genau das auch wir. Uns ist wichtig, authentisch und ehrlich zu bleiben.
Ihr seid ein Familienbetrieb, der Entwicklung und Innovation lebt.
Stephan Lanpacher: Natürlich ist es nicht immer leicht, in die Fußstapfen des eigenen Vaters zu treten. Gleichzeitig liegt darin aber auch eine große Chance. In manchen Bereichen hat die
ältere Generation eine Erfahrung und ein Gefühl für Dinge, die man nicht einfach in einem Studium oder innerhalb von zwei Jahren lernen kann. Auf der anderen Seite kann die junge Generation neue Sichtweisen, Technologien, Märkte und Ideen mitbringen und Dinge vorantreiben, die sonst vielleicht nie passiert wären.
Gründung: 2012 als Einzelunternehmen durch Michael Lanpacher; seit 2020 FRUCOTEC GmbH.
Mitarbeiter: 2–6 Mitarbeiter, saisonal schwankend
Ausbildung Stephan: Master of Science – Management of Innovation, Rotterdam School of Management,
Seit wann im Betrieb: seit 2023

