ELIZA-Effekt
Wir leben in einer Zeit, in der Maschinen nicht nur Aufgaben erledigen, sondern Beziehungen simulieren. Sie schreiben Nachrichten, analysieren unsere Stimmung, spiegeln unsere Sprache. Sie wirken aufmerksam und zugewandt. Wir suchen nach Verbindung und glauben, sie gefunden zu haben, wenn eine künstliche Intelligenz unsere Worte scheinbar begreift. Doch genau hier beginnt das Problem. Was wie echtes Verständnis aussieht, ist nichts weiter als statistisch passende Reaktion. Der ELIZA-Effekt macht deutlich, wie schnell wir einem Programm Gefühle und Verständnis unterstellen, nur weil es sich so anhört, als wäre da jemand, der es ehrlich mit uns meint. Der Begriff ELIZA-Effekt geht zurück auf eines der frühesten Chatprogramme der Computergeschichte. In den 1960er Jahren entwickelte der Informatiker Joseph Weizenbaum ein Programm namens ELIZA. Es simulierte einen Psychotherapeuten nach der Methode von Carl Rogers. Der ELIZA-Effekt beschreibt die menschliche Neigung, in künstlicher Kommunikation mehr zu sehen als da ist. Wir hören Empathie, wo Algorithmen nur Satzstrukturen nachahmen. Wir spüren Verständnis, obwohl keine Bedeutung dahinter liegt. Manche beschreiben KI-Avatare als digitale Freunde. Doch es sind Freunde, die man bezahlen muss. Und sie sind darauf trainiert, zu gefallen. Was harmlos mit einem freundlichen Avatar beginnt, kann in krimineller Täuschung enden. Wenn wir Maschinen wie Menschen behandeln, verlieren wir das Gefühl für das, was echt ist. Nicht weil Maschinen böse wären, sondern weil wir selbst vergessen, was uns als Menschen ausmacht. (hzg)