Foto ausgezeichnet
Zwei junge Uhus. Zwei vollkommen unterschiedliche Zustände. Und für einen flüchtigen Augenblick scheinen zwei Lebewesen zu einer einzigen Gestalt zu verschmelzen. Mit „Born of Silence“ gewinnt der Südtiroler Künstler Philipp Egger die Kategorie „Winged Life“ bei der BigPicture: Natural World Photography Competition der California Academy of Sciences in San Francisco.
Mehr als 7.400 Arbeiten aus 64 Ländern wurden für die diesjährige Ausgabe eingereicht. Eine internationale Fachjury bestimmte die Sieger der sieben Wettbewerbskategorien. Für Egger ist es bereits die zweite Auszeichnung bei BigPicture innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Jahren. 2025 erhielt seine am Ätna entstandene Arbeit „Dance of the Elements“ den People’s Choice Award.
„Born of Silence“ entstand im Vinschgau und zeigt zwei junge Uhus in außergewöhnlicher Nähe. Ihre Köpfe füllen beinahe die gesamte Bildfläche. Augen, Schnäbel und das weiche Jugendgefieder verdichten sich zu einer Komposition, die auf den ersten Blick fast malerisch erscheint. Für einen Bruchteil eines Augenblicks scheinen die Grenzen zwischen den beiden Tieren zu verschwinden. Während einer der jungen Uhus mit geöffnetem Schnabel die Stille durchbricht, ruht sein Geschwister beinahe vollkommen in ihr.
Ein realer Augenblick, der beinahe unwirklich erscheint.
„Mich interessieren jene seltenen Augenblicke, in denen die Natur etwas von sich preisgibt, das unserem Blick normalerweise verborgen bleibt. Bei ,Born of Silence‘ treffen zwei vollkommen unterschiedliche Zustände aufeinander und werden dennoch für einen Moment eins. Es ist ein dokumentarischer Augenblick, der beinahe wie ein Gemälde wirkt. Genau dort, an der Grenze zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung, beginnt für mich Kunst“, sagt Egger.
Die offizielle Wettbewerbsbeschreibung hebt genau diesen Kontrast hervor: Der rufende Jungvogel wirkt kraftvoll und beinahe herausfordernd, während sein Geschwister mit halb geschlossenen Augen Ruhe ausstrahlt. Egger hatte den seit Generationen genutzten Brutplatz über längere Zeit beobachtet und das Verhalten der Tiere studiert.
Für die 61. Ausgabe wurden rekordverdächtige 60.636 Fotografien aus 113 Ländern und Territorien eingereicht. 100 Arbeiten bildeten die ausgezeichnete Kollektion. Das Natural History Museum bezeichnet Wildlife Photographer of the Year als weltweit führenden Wettbewerb für Wildlife-Fotografie. „Shadow Hunter“ entstand nach vier Jahren der Beobachtung eines Uhu-Brutplatzes in Südtirol. Egger plante die Aufnahme bis ins Detail, um das Tier nicht nur zu dokumentieren, sondern seine Präsenz zwischen Dunkelheit und Licht sichtbar zu machen. Im selben Jahr gewann Egger mit „Photo Art“ Gold in der Kategorie „Creative Perspectives“ beim Bird Photographer of the Year. Weitere Arbeiten wurden bei internationalen Wettbewerben in Europa und den USA ausgezeichnet.
Mit 25 Jahren werden Eggers Arbeiten auf mehreren Kontinenten ausgezeichnet und ausgestellt. Doch entscheidender als ihre Reichweite ist ihre Wiedererkennbarkeit. Die Motive wechseln, die Landschaften wechseln, selbst die Kontinente wechseln. Was bleibt, ist eine eigene Art, Natur sichtbar zu machen. Eine Bildsprache, die in Südtirol entstanden ist und inzwischen weit darüber hinaus verstanden wird.