Für unsere Orter
Immer mehr Häuser stehen leer, die Einwohnerzahlen sinken, und viele junge Menschen zieht es in die Ballungszentren. Dieses Bild zeigt sich besonders drastisch in vielen Dörfern alpiner Regionen. Zurück bleiben Orte, in denen es weder Bäcker noch Metzger gibt, der Nahversorger oder das Dorfgasthaus längst geschlossen haben und statt des Postamtes nur noch ein Briefkasten steht. Auch die Busverbindung schrumpft auf ein Minimum.
Im Vinschgau ist die Situation derzeit noch vergleichsweise positiv. Viele Dörfer sind lebendig, attraktiv und bieten Lebensqualität. Doch die Entwicklung bleibt nicht stehen. Ein lebendiges Dorfleben ist keineswegs selbstverständlich. Es braucht kontinuierliches Engagement – von der Politik, den Gemeindeverwaltungen, den sozialen, kulturellen und kirchlichen Einrichtungen, von Familien und Bewohnern vor Ort sowie von der lokalen Wirtschaft. Gerade die vielen kleinen Betriebe und Familienunternehmen tragen hier große Verantwortung und leben Nachhaltigkeit seit jeher. Sie versorgen nicht nur die Bevölkerung und bieten individuelle Dienstleistungen an, sondern sie sind soziale Treffpunkte und engagieren sich auch ehrenamtlich: sei es durch die Unterstützung kultureller, sportlicher oder sozialer Initiativen oder durch freiwillige Mitarbeit im Dorfleben.
Orte, die Begegnungen ermöglichen, vielfältige Angebote bereitstellen, Arbeitsplätze schaffen und eine funktionierende Nahversorgung und Gastronomie bieten, sind ein Schatz, den es zu bewahren gilt. Mehr noch: Wo möglich, sollte er ausgebaut werden. Denn nur so lassen sich unsere Orte stabil aufbauen, das gesellschaftliche Gefüge stärken und die Jungen davon abzuhalten, ihre Heimatdörfer zu verlassen.
Mauro Stoffella, Experte im Wirtschaftsverband hds