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Historische Kulissen, lebendige Kunst

Lebendige Kunst

von Anna Alber
Ein Rückblick auf die Vinschger Literaturtage - Die Vinschger Literaturtage brachten hochkarätige Sprachkunst und bildgewaltige Ausstellungen an geschichtsträchtige Orte in Laas, Schlanders, Taufers i. M. und Mals.
veröfftl. am 28. Oktober 2026

Über die gelungene Autorenlesung in Taufers i. M. freuten sich (v. l.) die Lyrikerin Lorena Pircher, Bürgermeisterin Roselinde Gunsch und Musiker Lukas Punter

Den stimmungsvollen Auftakt machte Christina König, die Gewinnerin des Franz-Tumler-Literaturpreises 2025. Die Autorin, die im Herbst für einen Schreibaufenthalt in Laas gastierte, eröffnete den Literaturherbst mit einer Lesung aus ihrem preisgekrönten Debütroman „Alles, was du wolltest“ (siehe Vinschgerwind Nr. 20/2026).

Von alpinen Bergwelten und familiären Wurzeln
Anschließend lud die Bibliothek Schlandersburg am 22. September zu einer Doppelveranstaltung: einer Lesung des Autors Andreas Lechner, feinsinnig umrahmt von der abstrakten Bilderausstellung der ukrainischen Künstlerin Anna Mesniankina. Ihre Kunst ist von der heimischen Berg- und Naturwelt inspiriert. Lechner präsentierte Passagen aus seinem Roman „Heimatgold“, in dem er die Geschichte seines Großvaters und Olympiasiegers erzählt. Zudem gab er Einblicke in sein neues Buchprojekt „Heimatstein“, das sich mit familiären Wurzeln und Bezügen nach Laas auseinandersetzt. Der Aufenthalt am Rimpfhof bot beiden Künstlern den idealen Raum, um vor Ort an ihren jeweiligen Kunst- und Textprojekten zu arbeiten.

Lorena Pircher begeistert in ihrer Heimat Taufers
Am Freitag, den 2. Oktober, erfüllte ein Abend voller Wortmagie und nachdenklicher Klänge die St.-Johann-Kirche in Taufers i. M. Zu Beginn zeichnete die Patentante der Autorin Lorena Pircher ein emotionales Bild der Erinnerung: Schon als kleines Kind tigerte Lorena mit einem Büchlein durch die Wohnung und spürte beim Vorlesen instinktiv, wann der Moment zum Umblättern gekommen war, noch bevor sie die Buchstaben überhaupt entziffern konnte. Aus diesem frühen Funken ist eine gereifte Stimme erwachsen, die das Publikum mit Auszügen aus ihrem Lyrikband „eure stimmen eure sprachen“ und dem neuen Projekt „retrouvailles“ in den Bann zog. Lukas Punter begleitete den Abend musikalisch und lud das Publikum mit seinen freigeistigen Einlagen und sakralen Klängen dazu ein, über Zeit, Gegenwart und Ewigkeit nachzudenken.
Poesie trifft auf Filzkunst: Gelungenes Finale in Mals
Die geschichtsträchtige St.-Benedikt-Kirche bot am 11. Oktober die Bühne für einen gelungenen Abschluss der Vinschger Literaturtage. In seiner Einführung zur Lesung würdigte Michael Fliri die Dichterin Roberta Dapunt als eine der bekanntesten Stimmen der zeitgenössischen italienischen Lyrik. Wie hoch der literarische Rang von Roberta Dapunt ist, zeigt ihre jüngste Auszeichnung: Sie hat den Premio Montale gewonnen, den wichtigsten Lyrikpreis Italiens. Ihr Werk ist tief im Gadertal verwurzelt. Geprägt vom dortigen Bauernhofleben macht sie die raue, konkrete Realität des alpinen Alltags spürbar. Dabei greift Dapunt weit über das Regionale hinaus: In ihren Versen verknüpft sie die heimische Tierwelt und das bäuerliche Dasein mit existenziellen Lebensfragen und dem Kern des Menschseins. Bereichert wurde das Programm durch eine Ausstellung der Künstlerin Antoinette Bader, die mit ihren ausdrucksstarken, dreidimensionalen Tierköpfen aus Filz zudem visuelle Akzente setzte und dem Raum eine besondere Atmosphäre verlieh.

Ein glanzvoller Abschluss: (v. l.) Michael Fliri, Roberta Dapunt, Antoinette Bader und Ludwig Fabi in der St.-Benedikt-Kirche in Mals

Ein glanzvoller Abschluss: (v. l.) Michael Fliri, Roberta Dapunt, Antoinette Bader und Ludwig Fabi in der St.-Benedikt-Kirche in Mals