Leserbriefe 11-2026
Hinschauen, wo der Schuh drückt
Wir wissen, dass landesweit die BürgerInnen Südtirols immer wieder mit denselben Problemen zu kämpfen haben. Ein Anlass zum allgemeinen Ärgernis ist wohl die Einstufung und Ausbezahlung des Pflegegeldes für Familienangehörige, welche einer intensiven Betreuung bedürfen. Frau Rieder, die Landtagsabgeordnete des Team K, mit der ich regelmäßig in Kontakt stehe, hat hier bereits einige Anfragen, Anträge und konkrete Lösungsvorschläge in den Landtag eingebracht. Da auch im Vinschgau viele Familien betroffen sind, möchte ich hier über den aktuellen Stand der Dinge informieren. Im vergangenen März waren noch mehr als 3.000 Anträge des Vorjahres nicht bearbeitet worden, also geht so schnell nichts weiter. Wie nun auf eine Anfrage von Frau Rieder im Landtag bekannt wurde, sind derzeit 17 Teams für die Abwicklung der Pflegeeinstufung zuständig, von denen allerdings nur sechs in Vollzeit arbeiten, was zur Folge hat, dass im Schnitt pro Tag nur ein Antrag abgearbeitet wird. Soziallandesrätin Pamer hatte im Herbst des Vorjahres angekündigt die Teams aufzustocken und weitere Maßnahmen zur Beschleunigung in die Wege zu leiten. Leider ist das bisher nicht geschehen. Frau Rieder übt Kritik an dieser Vorgehensweise und an der ewigen Ausrede des bestehenden Personalmangels. Sie hat konkrete Lösungsvorschläge eingebracht, welche jedoch von den Mehrheitsparteien durch eine knappe Stimmenmehrheit abgelehnt wurden. Das ist kaum nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass zu dieser Thematik auch eine Petition (Wir warten nicht mehr) mit knapp 4.200 Unterschriften eingereicht wurde. Positiv hat sich unterdessen das Einstufungsverfahren für DemenzpatientenInnen entwickelt, bei diesen gilt ab jetzt die Diagnosestellung einer Memory-Klinik als Grundlage für die Einstufung. So könnten doch einige der aktuell lagernden Gesuche aus dem Stapel genommen werden. Frau Pamer hat erneut angekündigt dieser Not durch die Aufstockung der Teams und weiteren Maßnahmen entgegenzuwirken. Ich wünsche allen Betroffenen, dass sich dies tatsächlich bewahrheitet, damit sie bald einen Termin für Pflegeinstufung und den damit verbundenen Erleichterungen erhalten.
Weiters steht Frau Rieder derzeit im regen Austausch mit Gesundheitslandesrat Dr. Messner bezüglich der Transporte zur Strahlentherapie für TumorpatientenInnen. Aktuell dürfen diese nur noch in Ausnahmefällen ärztlich verschrieben und über den Dienst des Weißen Kreuzes abgewickelt werden. Dies stellt Angehörige sowie Betroffene vor eine enorme Herausforderung, besonders wenn sie aus entlegenen Tälern die Fahrten nach Bozen organisieren müssen. Es scheint, dass demnächst eine Regelung getroffen werden kann, welche freiwillige Helfer einbezieht und von sozialen Organisationen unterstützt wird. Hoffen wir, dass dieses Vorhaben tatsächlich gelingt, damit Patienten und ihre Familien, in der sowieso schon schwierigen Situation, eine Last weniger zu tragen haben.
Kurz Dorothea, Latsch
Kluge Köpfe
Erst kürzlich, am 17. April wurde im Fernseher von Rai Südtirol eine sehr interessante Sendung mit Südtirolern, welche im Ausland an führenden Stellen arbeiten, ausgestrahlt. Landtagspräsident Arnold Schuler hatte die gute Idee und die schwierige Kunst vollbracht alle vier prominenten Persönlichkeiten zugleich im Südtiroler Landtag einzuladen, dafür sei ihm gedankt.
Die Gäste sollten aus der Sicht von Außen über Südtirol berichten. Die Geladenen waren Frau Evelyn Palla die neue Chefin der deutschen Bahn. Markus Lanz ist Moderator in der Talkshow im deutschen ZDF, wo er mit verschiedenen prominenten Personen und Experten über aktuelle, politische und gesellschaftliche Themen intensiv und herausfordernd diskutiert. Ulrich Ladurner ist Auslandsredakteur und Europa-Korrespondent der Wochenzeitung „Die Zeit“. Sowie der Journalist Alessio Lasta waren anwesend und berichteten aus der Perspektive von außen über Südtirol.
Es ist erstaunlich, dass aus unserem kleinen Land Südtirol unsere Landsleute im Ausland für so wichtige und bedeutende Aufgaben und Stellen berufen werden. Wir können uns freuen und auch ein wenig stolz sein dass aus unserem Land solche kluge Köpfe hervorkommen!
Genauso können wir uns auch über unsere hervorragenden Sportler/innen, Handwerker/innen und vielen anderen großen Talenten freuen!
Ernst Gögele, Plaus
Besuch vom Wolf
Es vergeht kein Tag, dass man in den Medien über Wolfsrisse lesen kann.
Der Wolf ist keine vom Aussterben bedrohte Tierart! Ich verstehe daher nicht, warum er über allem stehen soll und geschützt werden soll, trotz zunehmender Schäden für die Menschen und Nutztiere, die in den Gebieten mit Wölfen leben müssen.
Den Nutztieren, Bauern und Hirten macht der Wolf das Leben schwer. In nur drei Jahren hat sich die Zahl der Rudel im Alpenraum mehr als verdreifacht.
Alles andere als beruhigende Zahlen, kein Wunder, dass die Zahl der Wölfe stetig steigt. Wie rasch sich die Wölfe in Ermangelung natürlicher Feinde und ohne Erlaubnis der Entnahme von Problem Tieren vermehren, hat sich auch in den betroffenen Gebieten gezeigt. Die Tatsache, dass sich die Wolfspopulation innerhalb von nur drei Jahren verdreifacht, birgt wenig erfreuliche Aussichten für Bauern und Tierzüchter, aber auch für alle Naturliebhaber, die es in Wälder, auf Berge und Almen zieht. Auch Feriengäste aus dem Unterland wollen beim Wandern, Biken und Pilze suchen weder Wölfen, Herdenschutzhunden, noch verängstigten nervösen Nutztieren begegnen.
Wirtschaft und Landschaftsbild ist geprägt von Kulturlandschaft, die entsteht durch Nutzung und Pflege durch den Menschen und seine Nutztiere.
Warum schreibe ich das alles. Am 5. Mai hatten wir Besuch, nachts um 11 Uhr von einem Wolf in unserem Garten, mitten im Dorf Müstair. Unser Haus befindet sich vis à vis der Post, oberhalb am Hang oben. Da wir seit kurzem einen jungen Hund haben wurde der Garten eingezäunt, zusätzlich mit einem feinen Drahtmaschengitter gesichert.
Ein Nebeneinander von Wolf und Mensch ist schlicht nicht möglich. Immer wieder ist darüber zu lesen, was diese Tiere auf grausamste Weise anrichten. Diese Situation ist untragbar geworden, daher verstehe ich da die Regierung überhaupt nicht, dass sie nicht imstande ist, rigoros dagegen ein Machtwort zu sprechen, oder wollen sie abwarten bis etwas noch Schlimmeres passiert? Wenn man dem Wolf freie Bahn lässt, ist das nur noch eine Frage der Zeit! Wenn Wölfe in dicht besiedeltem Gebiet auftauchen, muss das zu denken geben.
Giacumin Bass, Val Müstair
HAIKU – Gedicht
veröffentlicht im Enkô/Japan
Im Frühlingswind den
schweren Kopf durchgelüftet –
auf dem Ausflugsboot.
©Helga Maria Gorfer
Kommentare und Anfragen zum Thema Haiku an
„Menschen sind keine Diagnosen“
Mit Sorge beobachtet man derzeit, wie immer mehr Jugendliche durch Studien, Statistiken und Diagnosen eingeordnet und klassifiziert werden. ADHS, Autismus, Verhaltensauffälligkeiten – kaum ein junger Mensch scheint heute noch einfach nur „anders“ sein zu dürfen.
Doch genau hier beginnt das eigentliche Problem unserer Gesellschaft.
Wir leben in einer Zeit, in der Menschen immer schneller bewertet werden. Wer nicht ruhig sitzt, nicht in jedes System passt oder anders denkt, bekommt rasch einen Stempel. Aber seit wann entscheidet eine Diagnose über den Wert eines Menschen?
Vielleicht sollten wir endlich aufhören, junge Menschen nur nach Defiziten zu beurteilen. Denn unsere Gesellschaft braucht nicht noch mehr perfekte Lebensläufe, sondern Menschen mit Fähigkeiten, Charakter, Kreativität und praktischer Begabung. Gerade im Handwerk zeigt sich seit Jahren, dass Können, Einsatz und Leidenschaft weit mehr zählen als akademische Titel oder gesellschaftliche Etiketten. Gut, dass nicht alle gleich sind.
Denn genau jene Menschen, die heute oft als „auffällig“ gelten, werden morgen vielleicht jene sein, die Neues schaffen, Betriebe aufbauen, Lösungen finden und unsere Gesellschaft tragen. Nicht jeder Mensch muss in ein starres System passen, um wertvoll zu sein.
Besorgniserregend ist vielmehr eine Gesellschaft, die ständig misst, bewertet und kategorisiert, aber immer weniger erkennt, was wirklich in einem Menschen steckt.
Anstatt Jugendliche früh in Schubladen zu stecken, sollten wir endlich beginnen, ihre Fähigkeiten zu fördern. Nicht das Defizit darf im Mittelpunkt stehen, sondern das Potenzial. Es braucht endlich wieder mehr Mut zum Tun statt ständigem Bewerten.
Mehr Vertrauen statt vorschneller Urteile. Mehr Chancen statt Stempel auf der Stirn. Denn ein Mensch definiert sich nicht über eine Diagnose, sondern darüber, was er aus seinem Leben macht.
Vielleicht liegt die Zukunft unserer Gesellschaft genau in jener Vielfalt, die heute oft noch als Problem betrachtet wird.
Josef Kofler - Latsch