Leserbriefe 3-2026
DEMOKRATIEFRAGE
Der Leitartikel zur Demokratie hat es in sich. Es geht nicht etwa um ein Luxusproblem im wohlhabenden Land Südtirol, sondern um die Frage, wieviel Demokratie und welche Demokratie wir brauchen, um breit aufgestellt und widerstandsfähig zu sein gegenüber Phänomen wie Trump, Orban usw.. Der Initiative für Demokratie und allen Verbänden, die sich um eine Weiterentwicklung der Südtiroler Politik bemühen, gebührt unsere Wertschätzung. Was heutzutage an Abbau von Bürgerrechten und Demokratie in einigen Ländern passiert, besorgt uns zu Recht. Sogar in Ländern, in denen die Demokratie gefestigt schien, gibt es gefährliche Rückschritte. Deshalb ist es notwendig und höchsteZeit, unsere Demokratie vor Ort zu verbessern und auszubauen. Wenn wir, das Volk der Souverän sind, wie es in der Verfassung steht, dann müssen wir auch die Möglichkeit haben, als souveränes Volk Entscheidungen zu treffen. Nicht immer, nicht andauernd versteht sich, aber immer dann, wenn wir es als notwendig und wichtig erachten. Worüber Politiker entscheiden dürfen, muss im Prinzip auch das Volk entscheiden können. Ganz besonders dann, wenn es um die Spielregeln unserer Demokratie geht, um jene Gesetze also, mit denen Wahlen und Abstimmungen geregelt werden. Entweder dem souveränen Volk ist die Möglichkeit gegeben, die Prinzipien und Regeln des eigenen Zusammenlebens selbst zu regeln, oder es ist nicht Souverän, sondern Untertan. Die Verfassung wurde schließlich und selbstverständlich auch vom Volk direkt beschlossen, von dem alle Macht ausgeht.
Josef Gruber aus Mals
Rosina Spiess hat mit 91 Jahren diese Welt verlassen und am 28. Jänner 2026 wurde sie im Rahmen einer schönen Begräbnisfeier in Taufers im Münstertal verabschiedet. Rosina hat ihr letztes Gedicht ausdrücklich dem Vinschgerwind zur Veröffentlichung hinterlassen. Gerne Rosina:
„Nach meinem Tod für den Vinschger Wind“
Ibrgong!
Dr Kopf derdenkt`s nimmermea
S`Herz tuat wea, koane Zachern mea
Ma schintatse durch di Nocht
Schtund um Schtund kimmp aff koan Grund,
durchforschtet deis Leben,
deisma muaß zruckgebm
Oubma oam verzeicht?
Oub oanr di Hont oam reicht? Oubma dia ountrifft, wou vour oam sein gongen?
Oub dia oam umorman, odr obma muaß bongen?
Odr oubma durch a brennate Londschoft wondelt,
weilma in Lebm it olm richte hot kondlt?
Es isch nou nia oanr heekemman,
um eppas z`berichtn, ma mogg lei
bereit sein und seine Sochn zommrichtn,
norr weartma taase, nimmp
Ounfong und End und legg’s
gonz demiate in Herrgott int Hänt!
Mei lescht`s Gedicht
Rosina Spiess“
Reinigungsdienste im Krankenhaus Schlanders werden ausgelagert
Immer wieder suchen Menschen in belastenden Situationen das Gespräch mit verantwortlichen Politiker/innen unseres Landes, in der Hoffnung auf Hilfe. Leider können manche Dinge nicht geändert werden, da bereits Entscheidungen getroffen worden sind, auf denen sie keinen Einfluss haben. So ist es auch bei dieser Begebenheit, welche sich unbemerkt vor den Augen unserer Bevölkerung vollzieht. Einige Personen, welche als soziosanitäre Hilfskräfte, einfacher ausgedrückt als Reinigungskräfte, im Krankenhaus von Schlanders arbeiten, haben sich an Frau Rieder vom Team K gewandt, um ihrer Enttäuschung und ihrem Unmut Luft zu verschaffen. Es geht darum, dass Reinigungskräfte, die in Pension gehen, nicht mehr ersetzt werden und fehlende Stellen von einer externen Reinigungsfirma abgedeckt werden. Auf dieses Gespräch hin hat die Landtagsabgeordnete Maria Elisabeth Rieder eine Anfrage an den Sanitätslandesrat Dr. Messner formuliert, wobei dieser in seiner Antwort bestätigte, dass es so geregelt ist: „Die Reinigungsdienste in den Krankenhäusern Meran und Schlanders werden zukünftig nicht mehr von eigenem Personal, sondern von der Firma Markas durchgeführt“.
Machen wir uns bewusst, dass damit sichere Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst ausgelagert und an eine private Firma vergeben werden, was bedeutet, dass sich diese Tätigkeiten in den Niedriglohnbereich verlagern. Besonders bedenklich ist, dass ein sensibler und systemrelevanter Bereich wie die Krankenhausreinigung ganz still und leise, ohne Ankündigung vollkommen privatisiert wird. Traurig, dass der öffentliche Dienst hier eine Entscheidung getroffen hat, die bemerkenswerte Nachteile für die Arbeitnehmer/Innen bzgl. Rechte, Schutz und Wirtschaftlichkeit bringen, meist betreffen diese Frauen und Familienmütter mit geringer schulischer Ausbildung. Da übt die öffentliche Hand eine Vorbildfunktion in negativem Sinne aus.
Von denen, welche derzeit im Krankenhaus den Aufgabenbereich der Reinigung innehaben, werden noch mehr Einsatz, Flexibilität und Entgegenkommen erwartet, was potentiell einen Nährboden für Überforderung, Ängste, Missgunst darstellt und somit einem guten Arbeitsklima entgegenwirkt.
Dorothea Kurz in Zusammenarbeit mit der Landtagsabgeordneten Maria Elisabeth Rieder
Südtiroler Veranstaltungen in Gefahr
Ohne klare Strategie droht ein Kahlschlag der Eventkultur
Die jüngsten Absagen bedeutender Sportveranstaltungen in Südtirol – vom Reschenseelauf bis zum Dolomiti Superbike – zeigen ein alarmierendes Bild. Der Reschenseelauf wurde nach 25 Jahren wegen Bürokratie, steigenden Risiken, fehlender Freiwilliger und mangelnder Unterstützung beendet.
Alex Ploner, Landtagsabgeordneter und ehemaliger Präsident der Südtiroler Eventdienstleister, warnt eindringlich: „Mit jedem Event, das eine lange Tradition hat und nicht mehr durchgeführt wird, verlieren wir ein Stück Südtiroler Identität. Wir riskieren, dass eine ganze Eventkultur ausstirbt. Nachwuchs der Verantwortung übernimmt lässt sich nur noch schwer oder überhaupt nicht mehr finden. Ich fordere schon seit Jahren, dass man sich gemeinsam Gedanken über die Südtiroler Eventkultur machen muss. Wir brauchen eine Event-Strategie und kritisiere, dass mein Vorschlag, eine solche zu erstellen, im Landtag von der politischen Mehrheit abgelehnt wurde. Während für Olympia Millionen investiert werden, kämpfen lokale Veranstaltungen, egal ob groß oder klein, die zum Großteil ehrenamtlich organisiert werden, ums Überleben.”
Auch die Landtagsabgeordnete Maria Elisabeth Rieder war von der Absage überrascht: „Ich wollte auch dieses Jahr wieder am Reschenseelauf teilnehmen, wie schon in den vergangenen Jahren. Der Lauf ist einer der schönsten und war für mich jährlich ein Pflichttermin: die herrliche Laufstrecke um den See, die perfekte Organisation durch den Rennerclub Vinschgau und die herzliche Betreuung durch die vielen Freiwilligen. So war der Reschenseelauf ein Treffpunkt für viele Laufbegeisterte. Es ist nicht vorstellbar, dass es ihn nicht mehr gibt.“
WIFO-Zahlen zeigen, dass die Kultur- und Eventwirtschaft über 1 Mrd. Euro Wertschöpfung erzeugt und rund 16.000 Arbeitsplätze sichert. Der Reschenseelauf, mit bis zu 4.000 Läuferinnen und Läufern, hat sich über 25 Jahre zu einem der prestigeträchtigsten Laufevents des Alpenraums entwickelt. Der Dolomiti Superbike wurde nach dreißig Ausgaben eingestellt und war für das kleine Pusterer Dorf Niederdorf über drei Jahrzehnte DAS sportliche Aushängeschild. Ob es eine Zukunft für dieses Sportevent gibt, wird derzeit sondiert. Alles andere als ein leichtes Unterfangen.
“Das Ehrenamtsgesetz liefert bisher nicht, was versprochen wurde. Kein spürbarer Bürokratieabbau, keine echte Planungssicherheit, keine strukturelle Unterstützung für Vereine und Organisatoren. Die Folge ist ein Rückzug der Ehrenamtlichen und der Verlust jener Menschen, auf denen die Veranstaltungen überhaupt aufbauen. Wir brauchen JETZT eine Event‑Strategie für Südtirol. Kein weiteres Zögern, kein Wegducken. Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir Veranstaltungen, die unser Land über Jahrzehnte geprägt haben. Ich werde hierzu meinen bereits gemachten Antrag wieder im Landtag einbringen. In Antholz Millionen in eine Randsportart zu investieren und gleichzeitig traditionsreiche Veranstaltungen, die den lokalen Breitensport bedienen zu verlieren, zeugt von einer visionslosen Symbolpolitik. Schöne Worte bei den Eröffnungen dieser Events alleine genügen nicht mehr. Südtirols Eventkultur braucht jetzt auch politische Führung und Unterstützung, oder sie wird in wenigen Jahren nur noch Erinnerung sein.” warnt Alex Ploner.
Presseaussendung Alex Ploner, Elisabeth Rieder, TeamK